Musiker in der Gemeinde brauchen keine Ausbildung – oder doch?

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Musik in der Gemeinde lehrt durch die Worte der Lieder und zwar an jedem Tag der Woche. Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns Worte, Konzepte und Ideen durch einprägsame Melodien sehr einfach merken können. Das wird besonders durch die Psalmen deutlich, durch welche das Volk Israel Wahrheiten über Gott singend lernte.

Auch durch die Lieder im Sonntagsgottesdienst geben wir den Gläubigen Wahrheiten mit auf den Weg, die in ihr Leben hineinsprechen werden. Diese biblischen Wahrheiten und gute Lehre sind wichtig für das Leben der Gemeinde.

Musik in der Gemeinde ist also keineswegs Nebensache, sondern von zentraler Bedeutung! Um dies genauer zu ergründen, müssen wir Musik biblisch verstehen.

Was ist Musik in der Gemeinde?

1. Musik in der Gemeinde ist ein Teil des Verkündigungsdienstes.

„Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen“ (Kol 3,16).

Paulus nennt hier drei Werkzeuge, durch die „das Wort des Christus reichlich“ in den Gläubigen leben soll: „lehren“, „ermahnen“ und „singen“. Der Musikdienst ist also eines dieser Werkzeuge.

2. Musik in der Gemeinde ist ein essenzieller Teil der allgemeinen Seelsorge, mit welcher jeder in der Gemeinde für seinen nächsten sorgt (Gal 6,1–2).

In Epheser 5,19 schreibt Paulus:

„redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen“.

Musik soll nicht nur lehren, sie soll auch erbauen, ermahnen und ermutigen. Wenn wir singen, gehen wir sogar eine Rechenschaftsbeziehung ein. Ich kenne das Leben meiner Geschwister, die beim Musizieren um mich herum stehen und sie kennen meins. Dadurch kann es vorkommen, dass mich mein Bruder oder meine Schwester fragt: „Ist dir wirklich wohl im Herrn? Du siehst momentan nicht danach aus“.

Die Musik in der Gemeinde ist also Lehrer und Seelsorger.

Die zwei genannten Stellen stehen im Kontext von dem, was geistliche Menschen (d.h. Gläubige) im Leben der Gemeinde machen. Der Auftrag zu musizieren steht dabei jeweils am Ende einer langen Liste von Befehlen, welche wiederum auf die Theologie der vorherigen Kapitel aufgebaut sind. Für den einzelnen Gläubigen geht es dabei um nichts Geringeres als seine Heiligung und sein Wachstum im Glauben.

Konsequenzen

Die beiden Befehle aus Kolosser 3,16 und Epheser 5,19 zeigen, dass der Auftrag der Musik in der Gemeinde auf die Ebene der Gemeindelehre gestellt wird. Aus diesem Grund müssen wir unbedingt über charakterliche, theologische und handwerkliche Qualifikation sprechen. Jeder Lehrer in der Gemeinde wird sowohl anhand seines christlichen Charakters, seines biblischen Wissens als auch an seiner Lehrfähigkeit (sein „Handwerk“) bemessen.

Nicht jeder ist ein guter Lehrer. Aus diesem Grund prüfen wir die Gläubigen und bilden sie entsprechend ihrer von Gott gegebenen Begabung aus, damit sie den Gläubigen in der Gemeinde effektiv dienen können. Es findet also Ausbildung statt, oder besser gesagt: Jüngerschaft.
Dieses Schüler-Lehrer (oder Jünger-Meister)-Prinzip finden wir sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Hier zwei Beispiele:

„Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“ – Paulus zu Timotheus in 2. Timotheus 2,2

„Und ihre Zahl samt ihren Brüdern, aller, die im Gesang für den HERRN geübt und kundig waren, betrug 288. Sie warfen aber das Los über ihr Amt, der Jüngste wie der Älteste, der Kundige wie der Schüler.“ – Der Autor der Chroniken über die Sänger unter den levitischen Musikern in 1. Chronik 25,7–8

In beiden Fällen wird der Nächste durch Jüngerschaft ausgebildet und dazu befähigt, Gott mit seinen Gaben zu dienen. Wir lesen von Lehrern und Schülern. In beiden Stellen geht es auch um die Lehre von Gottes Wort. Bei Timotheus ist es offensichtlich. In 1. Chronik lesen wir in den vorhergehenden Versen davon, dass die Musiker mit ihren Instrumenten „weissagten“ (1Chr 25,2–3). Hier wird ein Begriff verwendet, der mit der Lehre oder Offenbarung von Gottes Worten in Verbindung gebracht wird.

Dazu ist es bemerkenswert, dass Gott die Musiker für den Tempeldienst aus dem Stamm der Leviten ausgewählt hat. Die Leviten waren speziell für den Tempeldienst abgesondert und waren im Verständnis von Gottes Offenbarung (Theologie) ausgebildet.

Der Text aus 1. Chronik ist kein vorschreibender Text für uns heute. Dennoch finden wir darin zeitlose Prinzipien: Es ist Gott nicht egal, wer die Gläubigen belehrt! Und es ist ihm auch nicht egal, wer in der Gemeinde musiziert. Sowohl die Fähigkeiten als auch der Charakter und das Schriftverständnis eines Musikers unterliegen biblischen Qualifikationen.

Qualifikationsmerkmale eines geistlichen Christen

Sowohl in Epheser 5 als auch in Kolosser 3 finden wir eine ganze Menge von Beschreibungen eines geistlichen Christen:

  • „Tötet daher eure Glieder … Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht“ (Kol. 3,5)
  • „legt auch ihr das alles ab – Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensarten“ (Kol. 3,8)
  • „Lügt einander nicht an“ (Kol. 3,9); „zieht nun an … herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut“ (Kol. 3,12)
  • „ertragt einander und vergebt einander“ (Kol. 3,13)
  • „zieht die Liebe an“ (Kol. 3,14)
  • „der Friede Gottes regiere in euren Herzen“ (Kol. 3,15)
  • „Werdet nun Gottes Nachahmer“ (Eph. 5,1)
  • „wandelt in der Liebe“ (Eph 5,2); „Unzucht … Unreinheit … Habsucht … Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzeleien … sollen nicht einmal bei euch erwähnt werden. Vielmehr Danksagung“ (Eph. 5,3–4. Reihenfolge geändert)
  • „Lasst euch von niemand mit leeren Worten verführen“ (Eph. 5,6)
  • „werdet nicht Mitteilhaber [der Söhne des Ungehorsams]“ (Eph. 5,7)
  • „wandelt als Kinder des Lichts … [in] Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Eph. 5,8-9)
  • „Prüft was dem Herrn wohlgefällig ist.“ (Eph. 5,10)
  • „habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf“ (Eph. 5,11)
  • „Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise“ (Eph. 5,15)
  • „kauft die Zeit aus“ (Eph. 5,16); „seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist!“ (Eph. 5,17)
  • „berauscht euch nicht mit Wein … sondern werdet voll Geistes“ (Eph. 5,18)
  • „sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank“ (Eph. 5,20)
  • „ordnet euch einander unter“ (Eph. 5,21)
  • „Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn“ (Kol. 3,17)

 

Die Einhaltung dieser Gebote machen einen Menschen nicht zum Christen. Aber sie sind sein Ausweis, seine Natur, seine Auszeichnungen. Genau das ist der Grund, warum wir über Jüngerschaft im Bezug auf Musik in der Gemeinde nachdenken müssen.

Paulus schreibt in Titus 1,5–9 und 1. Timotheus 3,2–7 über Qualifikationen von Ältesten. Im Unterschied zu Diakonen müssen sie fähig sein, zu lehren. Lehren und dienen. Das sind auch genau die Aufgaben, die auch die Musiker in der Gemeinde machen.

Beide Stellen, in Titus und Timotheus, sind nicht nur auf den Ältesten- und Diakondienst begrenzt, auch wenn sie im Kontext natürlich genau das ansprechen. Bei genauer Betrachtung der Qualifikationen erkennen wir ein Muster eines christlichen Nachfolgers. Also Eigenschaften, welche in jedem Christen zumindest im Wachstumsprozess sein sollten.

Herausforderung

Meine Frage an die Gemeinden ist diese: Wenn wir darauf achten, dass unsere Lehrer in der Gemeinde sowohl charakterlich als auch theologisch und handwerklich qualifiziert sind und diese dazu auch ausbilden lassen, wieso klammern wir dabei unsere Musikern aus? Wenn ein Musiker in der Gemeinde an der öffentlichen Lehre und Seelsorge in der Gemeinde beteiligt ist, müsste dann dieser Musiker nicht in seinem Charakter, seinem Handwerk und seinem Bibelverständnis angeleitet und gefördert werden?

Was muss ein Musiker in der Gemeinde können?

Das erste, an was wir denken, ist wohl seine musikalische Begabung. Aber er muss vor allem ein biblisches Verständnis davon haben, was Anbetung (sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich) nach Gottes Vorstellung ist. Er muss ein biblisches Verständnis davon haben, was Gott zum Thema Musik geoffenbart hat – was also für Gott wichtig ist und was nicht. Er muss verstehen, was der biblische Auftrag der Gemeinde ist, denn daraus ergibt sich auch der Auftrag der Musik in der Gemeinde. Er muss verstehen, nach welchen biblischen Prinzipien sich sowohl der Diener als auch der Dienst ausrichten muss.

Er sollte auch verstehen, wie er mit seinem Instrument biblische Theologie und den Auftrag der Musik umsetzen kann. Er sollte verstehen, was Musik ist und wie diese funktioniert. Er sollte verstehen, was es bedeutet ein Diener nach dem Vorbild Jesu zu sein. Es sollte verstehen, welche Grenzen und welche Freiheiten er als Künstler im biblischen Sinne hat, damit er seinen großen Auftrag selbst umsetzen und weitergeben kann.

Kurz gesagt: Er muss Musik, die Schrift und Heiligung verstehen!

Wo findet diese Ausbildung statt?

Wie können wir dafür sorgen, dass wir unsere Musiker fördern und hoffentlich dadurch zukünftige Kenanjas (und deren Schüler) heranreifen?

Im Idealfall gibt es in der Gemeinde verschiedene „Kenanjas“, also Menschen, die sowohl musikalisches als auch theologisches Verständnis haben („Kenanja aber, der Oberste der Leviten beim Gesang, der unterwies im Gesang, denn er verstand es.“ – 1Chronik 15,22). Diese sehen ihren Auftrag darin, die nächste Generation von Gemeindemusikern in der Jüngerschaft heranzuziehen.

Die Alternative zur Gemeindeausbildung ist eine Ausbildungsstätte. Dabei sollte man aber darauf achten, dass der Fokus nicht hauptsächlich auf handwerklicher Ausbildung oder auf Bühnenperformance liegt.

Musik in der Gemeinde ist zu wichtig, als dass wir sie dem Zufall überlassen dürften. Lasst uns treue Brüder und Schwestern finden, die Gott durch natürliche Begabungen zu diesem Dienst befähigt hat. Und lasst uns sie ausbilden, ermutigen und befähigen – auch in einer externen Ausbildungsstätte.

 

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