Wie weißt du, ob du für den vollzeitlichen Dienst berufen bist?

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Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wenn John Glass auf seinen Reisen ins Gespräch mit Mitreisenden kommt, erzählt er gerne, dass er für das größte Unternehmen der Welt unterwegs ist, ein Unternehmen, das seinem Vater gehört und das in jedem Land der Erde Niederlassungen hat. Wenn er dann das Geheimnis lüftet und erklärt, dass er Pastor ist, lacht sein Gegenüber meistens und das Eis ist gebrochen.

Bei allem Witz: Alle Glaubenden sind in den Dienst in diesem „Unternehmen Vater & Sohn“ berufen. Aber nicht jeder ist auch „vollzeitlich“ direkt mit der Gemeinde- und Missionsarbeit beschäftigt. Die große, praktische Frage lautet: Wie weiß ich, ob ich für den vollzeitlichen Dienst berufen bin?

Mit zwinkerndem Auge zählte John eine Reihe von beliebten und manchmal recht kuriosen „Methoden“, eine Berufung Gottes zu suchen und zu erkennen, auf:

  • Da gibt es die „Bananenschalen“-Methode: du läufst durch Berlin, rutscht auf einer Bananenschale aus, fällst auf den Rücken und der Zeigefinger deiner Hand landet am Boden zufällig auf einer Weltkarte in Indien. Noch eindeutiger kann man sich keine Berufung wünschen…
  • Dann gibt es die emotionale Methode: Ich fühle es, dass ich berufen bin. Aber Gefühle sind unzuverlässig und subjektiv, sie sind nicht hinreichend.
  • Besonders „biblisch“ ist die „Bibelvers-Methode“. Irgendjemand schlägt seine Bibel irgendwo auf und findet einen Bibelvers, in dessen Buchstaben er irgendwie das Wort „Brasilien“ erkennt. Das reicht ihm als Weisung Gottes zur Mission in jenem Land.
  • John hatte noch viele weitere „Methoden“ auf Lager.

Berufungen Gottes teilte John in zwei Kategorien ein: 1. der dramatische Ruf, wie bei Jona, Jeremia und Paulus; dies scheint heute nicht der Standard zu sein. 2. eine Berufung, wie wir sie bei Timotheus, den Paulus mit in die Missionsarbeit hereinnahm, sehen. Um diese letztere Kategorie ging es John im Folgenden:

10 Fragen, an denen du prüfen kannst, ob du für den vollzeitigen Dienst berufen bist

1. Hast du das Verlangen, den starken Wunsch, vollzeitlich zu dienen? „Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.“ (1. Tim 3,1). Wer einen Dienst nicht wirklich begehrt und anstrebt, ist nicht von Gott berufen. Nach Spurgeon darf dieses Begehren aber nicht von Selbstverwirklichungsinteressen genährt sein, sondern nur vom Verlangen, Gott zu verherrlichen und den Geschwistern zu dienen. John erkannte in seiner eignen Biographie: arbeitslos sein und nichts Besseres finden ist kein ausreichender Grund, in den vollzeitlichen Dienst zu gehen. Ein anderer Autor vergleicht das notwendige Begehren mit einem an die Leine gefesselten Jagdhund: er zerrt und zerrt und will loslaufen.

2. Hast du den notwendigen Charakter, die nötige Tadellosigkeit? „Der Aufseher nun muss untadelig sein“ (1. Tim 3,2). Es geht bei der Klärung der Berufungsfrage nicht zuerst um Begabung, sondern um den Charakter. „Wer wird auf den Berg des Herrn steigen, und wer wird an seiner heiligen Stätte stehen? Der unschuldiger Hände und reinen Herzens ist, der nicht zur Falschheit seine Seele erhebt und nicht schwört zum Trug“ (Ps 24,3-4). Dienst für Gott gelingt nur in Gemeinschaft mit Gott.

3. Hast du die geistigen Fähigkeiten, die biblische Zurüstung? Ein Diener am Wort soll mit dem Wort angefüllt sein, damit es sozusagen zu anderen überläuft. Wir lieben das Wort, wir leben das Wort, wir predigen das Wort: der Dienst dreht sich um das Wort Gottes. Daher muss der Kandidat das Wort Gottes kennen, vom Wort erfüllt sein. Ist das bei dir so? Wäre es sinnvoll, hier weitere Zurüstung zu bekommen?

4. Hast du die Kompetenz dazu? Eph 4,11f zeigt auf, dass die Hirten-Lehrer der Gemeinde alle anderen Glaubenden für deren Dienst ausrüsten sollen. Kannst du das? Spurgeon machte darauf aufmerksam, dass dazu nicht nur fachliche Qualitäten nötig sind, sondern auch persönliche und soziale Qualitäten für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Wo lernst du diese Fähigkeiten? In deiner Gemeinde!

5. Hast du die notwendige Bewährung und Bestätigung von anderen? Was sagen die Menschen, die dich umgeben, über dich? Hier geht es um deine Reputation, deinen Ruf. Paulus erkundigte sich über Timotheus und dieser hatte einen hervorragenden Ruf (1. Tim 1,18). Was sagen die Mitgeschwister, die Freunde, die Familie, deine Ehefrau zu deinem Dienstwunsch?

6. Hast du Gewissheit über die Führung Gottes in deiner Berufung? In 1. Kor 16,8-9 sagt Paulus, dass ihm eine „weite Tür aufgetan“ war, obwohl ihm gleichzeitig auch viel Widerstand angekündigt wurde. Paulus hat Führung auch als Verhinderung erfahren, als er nach Bithynien gehen wollte, der Geist Gottes ihn aber in andere Richtung „umlenkte“. Die Vorsehung Gottes bewahrt nicht vor Schwierigkeiten und Hindernisse. Die Frage ist, kannst du erkennen, dass Gott dir Türen öffnet?

7. Hast du kämpferische Entschlossenheit? Dienst ist Kampf, ein guter Kampf: „Kämpfe den guten Kampf!“ (1Tim 6,12; vgl. 1,18) sagt Paulus dem Timotheus. „Dienen“ klingt gut, aber manchmal ist es ein intensiver „Kampf“, der nur mit einer ordentlichen Kampfausrüstung bestritten und nur mit stabiler Entschlossenheit durchgestanden werden kann.

8. Hast du Entschiedenheit und Hingabe? in 2Tim 4,7 fasst Paulus seinen Dienst zusammen mit: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt“. Das klingt nach Kampf, Lauf, Ringen, Anstrengung. Niemand vollendet einen solchen Kampf und Lauf, ohne große Hingabe an die Aufgabe. Ausharren ist eine unverzichtbare Eigenschaft eines Dieners. Es wird bisweilen heftig und zäh!

9. Hast du einen Sarg dabei? In Särge legt man Leichen. Frühere Missionare transportierten ihre Besitztümer in einem Sarg nach Afrika, denn sie gingen davon aus, dass sie nicht mehr heimkehren würden. Jesus sprach vom „Kreuz“, das jeder zu tragen bereit sein muss, notfalls im Niederlegen des Lebens (Lk 14,26ff). Auch heute sterben noch 500-600 Menschen täglich im Dienst des Herrn.

10. Hast du die nötige Zufriedenheit? John hat manches Leidvolle erlebt, besonders auch in der letzten Gemeindespaltung. Er las mit seiner Frau im Wort: „Freut euch allezeit; betet unablässig; danksagt in allem, denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“ (1Thess 5,16–18). Freude und Dank ist uns befohlen. John und seine Frau beten täglich für die Probleme und die Menschen, die ihnen diese bereitet haben und bereiten. Sie sind Gott dankbar für alle seine Führungen.

Also: Bist du berufen oder nicht? Gehe diese Fragen vor dem Herrn durch. Wenn du nach diesen Fragen schließen musst, dass du nicht berufen bist, dann gehe keinesfalls in den vollzeitlichen Dienst! John wünschte allen Zuhörern den Segen Gottes, wie auch immer die Antworten auf diese Fragen bei dem einzelnen lauten mögen.

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