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Neun Respekt einflößende Fragen, bevor du die Kanzel betrittst (2. Tim 2,15)

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Lesezeit: 4 Minuten

Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter,
der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.
“ (ELB2003)

„Was war deine furchteinflößendste Erfahrung im Predigtdienst?“ fragte heute John Glass, Hauptredner der diesjährigen Hirtenkonferenz, langjähriger Pastor einer Gemeinde in Genf (CH), seine Zuhörer. Viele der Teilnehmer der Hirtenkonferenz stehen im Verkündigungsdienst und mancher hätte da eine Geschichte zu erzählen gehabt. Für John Glass war es die Einladung, einmal auf der Predigtkanzel der für bibeltreue Verkündigung bekannten Grace Community Gemeinde in Sun Valley (CA) zu stehen, auf der sonst John MacArthur Vers für Vers sorgfältig das Wort erklärt. Wie sehr strengte John Glass sich an, einen noch eher unbekannten Text zu finden, ihn so gut wie möglich zu erarbeiten und als Predigt perfekt vorzubereiten. Er stellte sich vor, dass sich beim Versagen auf der Kanzel eine Falltür unter ihm öffnen würde. Ein ganzer Monat intensiver Vorbereitung mit 10stündigen Arbeitstagen sollte sicherstellen, dass er den Text richtig behandeln und verkündigen würde, denn seine Zuhörer dort waren gute, bibeltextbasierte Belehrung gewöhnt. Die Predigt gelang durch fleißige Arbeit und durch Gottes Gnade, die Falltür blieb zu.

Aber die Frage ist: Sollten wir nicht jede Predigt in gesunder Ehrfurcht vor Gott sorgfältigst vorbereiten, um das Wort Gottes so akkurat wie möglich mitzuteilen? 

John Glass machte auch gleich deutlich, dass diese Frage nicht nur die „hauptamtlichen“ Verkündiger angeht, sondern jeden Glaubenden, der Gottes Wort weitergibt und mitteilt: die ihre Kinder unterweisende Mutter ist genauso angesprochen (Spr 31,26), wie der Sonntagschullehrer oder die/der gereiftere Glaubende in einer Jüngerschaftsbeziehung (2. Tim 2,2).

John Glass legte den Zuhörern anhand von 2. Timotheus 2,15 neun sehr persönliche Fragen vor, die sich jeder herzerforschend stellen sollte, bevor er Gottes Wort anderen weitergibt.

1. Bin ich fleißig? Schriftauslegung ist harte Arbeit und bedarf, soll sie gelingen, des Fleißes und eines hohen persönlichen Einsatzes. Sein Tipp: Reserviere eine bestimmte Tageszeit, in der du regelmäßig im Studierzimmer produktiv und ungestört arbeiten kannst.

2. Bin ich demütig? Die Herausforderungen stundenlangen Studiums des Wortes können auch weh tun. Unwichtigeres muss warten oder weichen. Gottes Wort ist kostbarer als das beste Gold (Ps 19,10). Das Wort spricht zuerst den Prediger an, legt den Finger auf Mangelstellen. Das tut weh. Du kannst das nur ertragen, wenn du von Herzen demütig bist. Vom Genfer Reformator Johannes Calvin stammt die Aussage: „Das großartigste Merkmal eines Predigers sollte seine Demut sein!“

3. Bin ich zugänglich? Predigen heißt auch immer, sich Gott und Menschen „darzustellen“. Sie werden unsere Präsentation beurteilen. Wie willst du dich als Verkündiger des Wortes Gottes anderen darstellen?

4. Bin ich bewährt? Das Wort bedeutet, „sich als echt, authentisch erweisen“. Du sollst keine Show abziehen oder dich mit fremden Federn schmücken, sondern ein „Bewährter in Christus“ sein (Röm 16,10). Bewährt ist der, der einmal vom Herrn hört: „Wohl, du guter und treuer Knecht“ (Mt 25, 21ff).

5. Bin ich faul? Predigtdienst ist anstrengende Arbeit. Viele Älteste tun diesen Dienst, indem sie (auch) „in Wort und Lehre arbeiten“ (1Tim 5,17). Da ist für Faulheit kein Platz. Prediger sein bedeutet nicht, „nur eine Stunde pro Woche zu arbeiten“!

6. Muss ich mich schämen? Die Scham kam als Ergebnis von Sünde und der daraus folgenden Entfremdung von Gott in die Welt. Mit schlechtem Gewissen lässt es sich schlecht predigen. Ein Prediger sollte nicht rot anlaufen müssen, weil er eine schlechte Predigt präsentiert. Am Ende muss es dir in der Verkündigung Seiner Wahrheit darum gehen, „nicht vor ihm beschämt [zu] werden bei seiner Ankunft.“ (1Joh 2,28).

7. Bin ich sorgfältig? Man kann das Wort Gottes auf zweierlei Art „teilen“: entweder mit „leerem Geschwätz“ und wie die, die „Gesetzeslehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten“ (1. Tim 1,6-7), oder als einer, „der das Wort der Wahrheit recht teilt“, in gerader Richtung schneidet.
John Glass lieferte hier viele Beispiele der ersten Art mit abgehobener Typologie und phantasiereicher Allegorie. „Gerade teilen“ bedarf im Gegensatz dazu der Bibel angemessene Schriftauslegung, die er mit elf grundlegenden Hermeneutik-Regeln umriss.

8. Bin ich schriftgemäß? Der Prediger ist ein Mann des Wortes (Gottes). Nur dieses geschriebene Wort ist „Die Wahrheit“ (Joh 17,17)! John Glass verglich den Prediger mit einem Kellner, der im Restaurant die wichtige Aufgabe hat, das kostbare, wundervoll zubereitete Mahl unfallfrei und unberührt von der Küche zum Gast zu bringen. Er hat der Wahrheit nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen.

9. Bin ich treu? Als Verkündiger gehst du mit der kostbarsten Sache der Welt um: der Wahrheit. Der Teufel ist Lügner und Vater der Lüge, er steht nicht in der Wahrheit, er ist ein Menschenmörder (Joh 8,44). Der, den wir verkündigen, Jesus Christus, hingegen ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Die Frage ist also: Bin ich dieser Wahrheit treu? Rede ich die ganze Wahrheit und nur die Wahrheit? Bin ich treu dem Selbstzeugnis der Schrift: 

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.“ (2. Tim 3:16-17 ELB03)

John Calvin war von der Wahrheit dieses Selbstzeugnisses der Schrift überzeugt. Darum predigte er 25 Jahre lang täglich das Wort der Wahrheit, darunter 123 Predigten über 1. Mose, 159 über Hiob, 200 über 5. Mose und 353 über Jesaja!

Weil die Heilige Schrift in jedem Teil wie im Ganzen Gottes Wort, die Wahrheit, ist, müssen wir sie in jedem Teil und im Ganzen predigen: fleißig, demütig, uneingeschüchtert, sorgfältig, echt, treu. 

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