In der Zerreißprobe der Prioritäten

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Dieses Seminar wurde auf der Hirtenkonferenz 2021 – Der Leiter, sein Zuhause und seine Beziehungen aufgezeichnet.

 

Erst Menschen, dann Dinge. Ist dieser Slogan biblisch? Nein, denn wir können diese beiden Bereiche nicht trennen. Letztendlich tun wir ja alles, um Gott und die Menschen zu lieben.

Woher kommt überhaupt diese Zerrissenheit zwischen all den Aufgaben, die wir haben? Können wir diesem Konflikt entfliehen? Nein, denn die Zerrissenheit ist letztendlich eine Folge des Sündenfalls. Sie zeigt uns, dass wir nicht die Kontrolle haben, dass wir Geschöpfe sind und dass wir begrenzt sind. Das müssen wir anerkennen, wenn wir nicht ausbrennen wollen.

Das rechte, gottgefällige Leben ist voll von Schweiß und Schwierigkeiten. Das ist der Fluch des Sündenfalls.

Wie lebte der einzig perfekte Mensch? Empfand er auch diese Zerrissenheit?

Falsche Annahmen

  • Alles, was dringlich ist, muss auch sofort erledigt werden. In Markus 1,35–38 suchen viele Menschen Jesus. Er reagiert jedoch nicht auf die Vorschläge der Jünger, sondern zieht weiter, weil Er an einem anderen Ort dienen wollte.
  • Verwandtschaft und Familie haben immer Priorität. In Markus 3,32 sagt Jesus jedoch, dass diejenigen Seine Familie sind, die zu Seiner geistlichen Familie gehören. Gleichzeitig vernachlässigt er Seine Familie aber auch nicht (s. Situation am Kreuz: “Siehe, deine Mutter”, Joh 19,27)
  • Schlaf ist immer notwendig. In Markus 4 war Jesus unglaublich müde, sodass Er inmitten eines Sturmes schlief. Müdigkeit gehört auch für Jesus zum Dienst dazu.
  • Ich muss nur delegieren. In Markus 3,13–15 beruft Jesus Jünger, um mit ihnen viel Zeit zu verbringen. Es braucht Multiplikation, nicht nur Delegation. Das Ziel am Ende ist, sie auszusenden, damit sie verkündigen (3,14).
  • Wenn ich tue, wozu ich berufen bin, läuft alles glatt. Unter den Zwölfen, die ebenfalls verkündigten und Dämonen austrieben, war auch Judas, der Ihn schließlich verriet. So werden auch wir Personen wie Judas begegnen, die uns irgendwann den Rücken zukehren.
  • Es wird keine Spannung zwischen meinen Aufgaben geben. In Markus 6 sehen wir, dass die Jünger Ruhe brauchen, das Volk aber gleichzeitig auch in einer großen geistlichen Not ist. Jesus kümmert sich zuerst um das Volk und danach um Seine Jünger. Seine eigenen Bedürfnisse stellt Er zurück (V. 45).

Nimm die Zerrissenheit mit Freuden an

Du kämpfst nicht gegen die Zerrissenheit, sondern darum, dass das Spannungsfeld nicht reißt.

Kolosser 1,24–29: “Jetzt freue ich mich in meinen Leiden, [die ich] um euretwillen [erleide], und ich erfülle meinerseits in meinem Fleisch, was noch an Bedrängnissen des Christus aussteht, um seines Leibes willen, welcher die Gemeinde ist. Deren Diener bin ich geworden gemäß der Haushalterschaft, die mir von Gott für euch gegeben ist, daß ich das Wort Gottes voll ausrichten soll, [nämlich] das Geheimnis, das verborgen war, seitdem es Weltzeiten und Geschlechter gibt, das jetzt aber seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist. Ihnen wollte Gott bekanntmachen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. Dafür arbeite und ringe ich auch gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt mit Macht.”

Freue dich an der Zerrissenheit! Das Leid, das uns begegnet, ist eine Fortführung des Leidens Christi am Kreuz. Gott führt uns an unsere physischen Grenzen, damit wir uns daran erinnern, dass Gott gut und vollkommen ist und dass wir Seine Hilfe und die anderer Menschen benötigen.

Wir freuen uns nicht trotz der Bedrängnisse, sondern sogar wegen der Bedrängnisse!

Hebr 5,2: “Der Hohepriester war mit Schwachheit belastet, ebenso müssen auch wir unsere Schwachheit eingestehen. In dem Ausmaß, wie wir unsere Schwachheit eingestehen, wird Gottes Kraft in unserer Schwachheit vollkommen.”

Befolge die Befehle

Wir müssen lernen, unsere verschiedenen Verantwortlichkeiten zu jonglieren. Wir müssen unsere Aufgaben “in der Luft halten”. Die Umstände ändern sich nicht, selbst wenn wir mehr Aufgaben haben. Wir müssen lernen, wie viele wir jonglieren können, müssen darin effizienter werden und wir müssen vielleicht ein oder zwei Bälle zur Seite legen. Wir müssen weise entscheiden, was wir zur Seite legen können und was nicht.

Jesus kannte Seinen Auftrag und deshalb konnte Er auch einfach sagen: “Wir ziehen weiter” – selbst, als die Volksmenge verlangte, dass Er noch bei ihnen blieb.

In Apostelgeschichte 6 beriefen die Apostel Helfer, die bei den Tischen dienen sollten. Der Ball des Wortes Gottes war zu oft heruntergefallen und das durfte nicht passieren. Daher gaben sie den Ball des Dienens ab.

  1. Timotheus 2,4: “Wer Kriegsdienst tut, verstrickt sich nicht in Geschäfte des Lebensunterhalts. Wir müssen demütig sein und anerkennen, dass wir nicht alles tun können. Wir müssen das weglassen, was wir nicht tun sollen.”

Randy Alcorn: “Wir müssen eine geplante Vernachlässigung haben. Der Schlüssel zu einem produktiven und zufriedenen Leben, ist geplante Vernachlässigung: zu wissen, was man nicht tun soll, und sich damit zufrieden zu geben; zu wirklich guten und manchmal fantastischen Gelegenheiten nein zu sagen.”

Der Kern von dieser Aussage ist Demut: lassen, was wir nicht tun sollen und was nicht unser Auftrag ist (Phil 1,10).

Wir müssen unterscheiden zwischen dem Guten und dem Allerbesten. Bist du einzigartig begabt oder talentiert für diese Aufgabe? Oder gibt es jemanden, der das besser könnte?

Wenn ich delegiere, muss ich auch das Ergebnis akzeptieren. Dafür brauche ich Demut. Ich muss akzeptieren, dass ich lediglich ein Unterhirte bin.

Paulus hat sich drei Jahre lang in die Epheser investiert, sodass er in Apostelgeschichte 20,31 sagen kann: “Darum wacht und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen. Und nun, Brüder, übergebe ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade […]”.

Wir müssen verstehen, dass wir nicht der Retter sind. Wir müssen uns damit abfinden, dass die Zeit, die wir in unsere Kinder und Seelsorgefälle investieren können, begrenzt ist. Am Ende müssen wir mit Paulus sagen: “Und nun, Brüder, übergebe ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade” (V. 31).

Wir müssen anerkennen, dass jeder von uns am Wachsen ist. Zu Timotheus sagte Paulus, dass jeder seine Fortschritte erkennen soll. Es gibt keine Abkürzung. Wir können nicht gleich alles meistern.

Paulus sagt in Kolosser 1,29, dass er sich völlig verausgabt für sein Ziel, jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen. Es ist ein Investieren, ein Verausgaben in Abhängigkeit von Gott.

Die Zerrissenheit – auch unser Versagen, wenn mal ein Ball herunterfällt – soll uns daran erinnern, dass wir in all dem von Christus abhängig sind.

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