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Wie bitte ich um Vergebung?

Leider leben wir in einer Kultur, die verlernt hat, wie man um Vergebung bittet. Deshalb kommt die Frage auf: Wie bitte ich um Vergebung?
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Wie bitte ich um Vergebung?
Lesezeit: 4 Minuten

Wie man nicht um Vergebung bitten sollte

Leider leben wir in einer Kultur, die verlernt hat, wie man um Vergebung bittet. In den meisten Familien bleibt es – sofern man überhaupt noch um Vergebung bittet – bei einem bloßen »Tut mir leid«. Diese unvollständige Versöhnung äfft lediglich nach, was uns im Fernsehen immer wieder aufgetischt wird. Fast alle öffentlichen Entschuldigungen laufen darauf hinaus, dass man sagt: »Es tut mir leid, dass ich dich vor den Kopf gestoßen oder deine Gefühle verletzt habe.«

Man beachte, was hierbei fehlt. Es wird keine Schuld zugegeben. Man bittet die verletzte Partei nicht wirklich um Vergebung. Wir verwechseln »Tut mir leid« mit »Vergib mir bitte«.

Der Ausdruck »Tut mir leid« ist eine abgekürzte Version des Gedankens »Ich trauere mit dir« und ist somit völlig akzeptabel, um Mitgefühl zu zeigen – solange man nicht selbst die Verantwortung dafür trägt. »Es tut mir leid, dass du einen Platten hattest« oder »Ich trauere mit dir, dass du nicht in die Mannschaft aufgenommen wurdest« sind somit nette Worte, die hilfreich sind, um eine traurige Seele zu trösten. Wenn wir sagen: »Es tut mir leid für dich«, dann identifizieren wir uns mit Menschen in deren Leid und bringen unser Mitgefühl zum Ausdruck.

Der Ausdruck »Es tut mir leid« eignet sich allerdings nicht dafür, um zerbrochene Beziehungen zu reparieren, in denen gesündigt wurde. Es ist zwar in Ordnung, wenn meine dreijährige Tochter die Worte »Es tut mir leid« sagt. Wahrscheinlich hat sie in ihrem Vokabular noch kaum andere Wörter. Doch für einen jungen Mann oder eine junge Frau sind ist der Ausdruck »Tut mir leid« keineswegs akzeptabel.

Mehr als »Tut mir leid«

Warum ist ein simples »Tut mir leid« für ältere Christen nicht ausreichend? In den Augenblicken, in denen ich mich an meinen Kindern versündige, lade ich eine Schuld auf mich. So wird es von Jesus in der Bibel beschrieben (Mt 6,12; 18,21–35; Lk 7,36–47). Vielleicht hilft hier eine Veranschaulichung. Wenn ich mir dein Auto ausleihe und einen Unfall baue, habe ich mich dir gegenüber verschuldet. Ich kann versuchen, dich dafür zu entschädigen oder ich kann dir das beschädigte Auto zurückgeben und dich um Vergebung bitten. Wenn du mir vergibst, hast du aber immer noch ein verbeultes Auto. Um den Originalzustand des Fahrzeugs wiederherzustellen, musst du den Schaden beziehungsweise die Konsequenz meiner Schuld selbst übernehmen. Vergebung kostet dich also etwas.

Gleichermaßen, wenn ich mich über meinen Sohn aufrege, läuft es darauf hinaus, dass ich seinen Frieden und seine Freude »verbeult« habe. Ich habe seine Seele »verbeult«. Diesen Schaden kann ich nicht reparieren. Stattdessen muss ich ihn darum bitten, die Schuld selbst zu bezahlen und mir zu vergeben. Vollständige Vergebung ist teuer und äußerst schmerzhaft für denjenigen, der die Sünde verkraften muss.

Ehemänner und Ehefrauen, Brüder und Schwestern, Eltern und Kinder prallen ständig aufeinander und lassen sich Dinge zuschulden kommen. Die einzige Möglichkeit, dass eine Familie wieder Freude aneinander haben kann, besteht darin, dass sie sich darauf konzentriert, wie viel Christus ihnen vergeben hat und dass die Familienangehörigen somit auch selbst viel vergeben und viel Nachsicht zeigen. Eine vereinte, gnadenerfüllte und versöhnte Familie ist ein kraftvolles Zeugnis für das Evangelium.

Um Vergebung bitten

Wie sollten wir dann also um Vergebung bitten? Obwohl an anderer Stelle viel darüber geschrieben worden ist, möchte ich einfach kurz eine biblische Formel zusammenfassen, die uns als Familie bei diesem Prozess geholfen hat:

Ich habe mich an dir und an Gott versündigt, als ich (hier biblische Bezeichnung der Sünde einsetzen) habe.
Hier verwendet die schuldige Partei das Wort »Sünde« bzw. »versündigen«. Die Person nennt die sündige Handlung beim Namen, indem sie biblische Begriffe verwendet.

Das war falsch von mir. Und ich bin sicher, es hat dich auch verletzt.
Die schuldige Partei gibt zu, dass das, was sie getan hat, unrecht war und sie erkennt die Verletzungen an, die sie beim anderen verursacht hat.

Bitte vergib mir.
Nun bittet die schuldige Partei die verletzte Partei darum, die Schuld als vergeben abzuhaken. Und derjenige, der sich hat etwas zuschulden kommen lassen, verpflichtet sich, an dem sündigen Verhalten zu arbeiten, das die Schuld hervorgerufen hat.

Ich vergebe dir.
Für die verletzte Partei ist Vergebung eine Willenshandlung, welche die Schuld als Vergeben und als völlig Beglichen abhakt. Die Gewährung von Vergebung erfordert eine geistliche Reaktion seitens der verletzten Partei.

Unter Gleichaltrigen

Man kann jüngere Kinder schrittweise bei diesem Vergebungsprozess mit ihren Geschwistern und Freunden begleiten. Wenn sie noch äußerst jung sind, dann reicht, wie gesagt, ein einfaches »Tut mir leid« oder »Entschuldige bitte« und ein erwiderndes »Ich vergebe dir« mit anschließender Umarmung aus. Beim Heranwachsen der Kinder und in Anbetracht der immer schwerwiegenderen Vergehen, sollte man den Prozess allerdings bewusst schrittweise begleiten. Anstatt Konflikte zu meiden und somit die Beziehung verwelken zu lassen, sollten wir uns ihrer biblisch annehmen. Gott schenkt uns mit ihnen lehrreiche Momente.

Als unsere Kinder heranwuchsen, mussten sie ihre Geschwister wegen irgendeines Vergehens häufig um Vergebung bitten. Wir haben uns zwar nicht immer strikt an die oben beschriebene Anleitung gehalten, doch immer dafür gesorgt, dass der Grundgedanke vorhanden war. Es kam auch vor, dass wir sie in diesem Versöhnungsprozess mit ihren Freunden begleiteten. Wenn sie mit einem Streit zu uns kamen, stellten wir zuerst die Frage, ob sie in der Lage waren, über das Vergehen hinwegzusehen oder es einfach zu ertragen. Falls sie es nicht konnten, mussten sie etwas sagen. Wir wollten nicht ein Gespräch vermeiden, und dadurch die Beziehung verkümmern lassen, somit schickten wir sie dann stets los, um mit ihrem Freund zu reden.

Andere Male sind wir etwas ernsthafter an die Sache herangegangen. Einmal kam es vor, dass mein Sohn sich an einem seiner Freunde nach dem Gottesdienstbesuch versündigt hatte. An jenem Sonntagnachmittag erhielt ich einen Anruf von dessen Eltern. Als Sharon und ich mit unserem Sohn sprachen, gab er seine Schuld sofort zu. Wir erklärten ihm schrittweise, was er zu sagen hatte. Dann rief er seinen Freund an, um ihn um Vergebung zu bitten. Das Problem war gelöst und die Beziehung war wiederhergestellt.

Die schrittweise Aufbereitung eines Problems erfordert Demut seitens des Elternteils. Es muss einem ein größeres Anliegen sein, das Herz seines Kindes anzuleiten, als die Sorge, welche Figur man dabei vor Außenstehenden abgibt. Die gute Nachricht ist, dass Versöhnung unserem Vater wohlgefällig ist und oft zu einer gestärkten Beziehung führt.

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