Biblische Verhaltensgrundregeln für Leitungstreffen

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Leitungstreffen Alexander Strauch

Biblische Verhaltensgrundregeln für Leitungstreffen

Bei Leitungstreffen können wir sehr gut feststellen, ob wir wirklich nach der Gesinnung Jesu Christi denken und handeln. Paulus schrieb:

»Ich bitte euch nun, seid meine Nachahmer. Deshalb habe ich euch Timotheus gesandt, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist, der wird euch erinnern an meine Wege in Christus, wie ich überall in jeder Gemeinde lehre«
(1Kor 4,16–17).

Geistlich lohnende Treffen sind das Resultat davon, dass sich jeder Teilnehmer den biblischen Verhaltensprinzipien unterstellt und die Gesinnung Christi widerspiegelt.
Folgende biblische Wahrheit sollten wir nicht vergessen: Christus ist bei allen unseren Treffen zugegen (Mt 18,20). Jeder Teilnehmer soll sich des Evangeliums würdig verhalten (Phil 1,27). Die Treffen von Ältesten sollten durch die Gegenwart, Leitung und Herrschaft Jesu Christi durch den Heiligen Geist gekennzeichnet sein und nicht durch das Fleisch. Ungehaltenheit, Zornausbrüche, Schmollen, Manipulation, Drohungen oder herabwürdigende Beschuldigungen stellen ein nicht akzeptables Verhalten für jedes Treffen dar, das im Namen Christi geführt wird.

Die Ältesten sollten sich darüber im Klaren sein, dass sich die Einstellung und das Verhalten jedes einzelnen Teilnehmers auf die Qualität des Treffens auswirkt.
Es gibt eine richtige und eine falsche Weise, miteinander zu reden, einander zu widersprechen, miteinander zu argumentieren, den anderen zur Veränderung aufzurufen und zu überzeugen. Sündhafte Einstellungen bewirken unerfreuliche Zusammenkünfte. Eine gottesfürchtige Haltung trägt zu erfreulichen Treffen bei. Wollen wir also im Folgenden das Verhalten überdenken, das alle kennzeichnen sollte, die sich im Namen Christi treffen, um das Werk des Herrn auszuführen.

Verhalte dich gemäß der Gesinnung Christi

Als Christen könnten wir über das geläufige Sprichwort »Es ist alles Einstellungssache« noch einen Schritt hinausgehen: Die Gesinnung Christi ist alles. Philipper 2,5 stellt uns eine grundsätzliche Verhaltensregel für alle Treffen vor:

»Habt diese Gesinnung in euch, welche auch in Christus Jesus war.«

Die Gesinnung Christi der Demut und Selbstaufopferung sollte jede Besprechung durchdringen und die Einstellung jedes Teilnehmers prägen. Obwohl Jesus Christus in der Gestalt Gottes war »und es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein […] nahm er Knechtsgestalt an […] erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz« (Phil 2,6–8). Unser Lehrer und Herr war demütig und selbstlos.

Niemals war er stolz oder suchte das Seine. Als Folge seines Beispiels der Demut und der selbstlosen Hingabe schrieb Paulus: Tut »nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!« (Phil 2,3–4). Deshalb sollte im Diskussionsprozess und in der Entscheidungsfindung unsere Einstellung immer der demütigen und selbstlosen Haltung Christi entsprechen. Der Geist unserer Treffen sollte der einer demütigen Fußwaschung (Joh 13,12–15) sein, und nicht der des gegenseitigen Auffressens!

Die trügerischen Sünden des Stolzes und der Selbstsucht zerstören jegliche Hoffnung auf eine friedliche Gruppenzusammenarbeit.

»Wenn ihr aber bitteren Neid und Eigennutz in eurem Herzen habt«, so schreibt Jakobus, »so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit. Dies ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische. Denn wo Neid und Eigennutz ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat« (Jak 3,14–16).

Bevor wir also reden, sollten wir unsere Einstellung hinterfragen. Ist dies die Gesinnung Christi oder des Teufels? Bemessen wir unsere Einstellungen, unser Verhalten im Lichte der folgenden Verse:

Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan habe. (Joh 13,13–15)

In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend. (Röm 12,10)

Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander beneiden! (Gal 5,26)

Lernvers: Philipper 2,3–9

Verhalte dich gemäß der Liebe Christi

Das neue Gebot, das uns der Herr Jesus gab, setzt den Maßstab für das Verhalten bei unseren Zusammenkünften: »Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt« (Joh 13,34–35).

Auf gewisse Weise überprüft jedes Treffen unser Wachstum in der Liebe Christi. Ohne Liebe werden die Ältesten sich bestenfalls tolerieren oder im schlimmsten Fall gegenseitig sabotieren. Liebe hilft uns dabei, unsere Ängste vor der Verschiedenheit des anderen zu überwinden, einander besser zu verstehen, in Gnade unterschiedlicher Meinung, weniger verteidigend und offener für die Ideen des anderen zu sein, besser zuzuhören, besser zusammenzuarbeiten, mehr zu wagen, weniger zu streiten und die Verletzungen, die wir einander im Eifer des Gefechts unwillentlich zufügen, zu vergeben.

In der Hitze des menschlichen Konfliktes, kann nur Liebe Schatten spenden (1Pet 4,8). Der vortrefflichere Weg, die christliche Lebensregel (1Kor 12,31), bestimmt das Grundverhalten für alle unserer Treffen: »Alles bei euch geschehe in Liebe« (1Kor 16,14). Um die Liebe Christi völlig verstehen zu können, sollten wir das Hohelied der Liebe lesen und auf uns als Älteste übertragen:

[Ein Ältester] ist langmütig, […] gütig; […] neidet nicht; tut nicht groß, […] bläht sich nicht auf, […] benimmt sich nicht unanständig, […] sucht nicht das [seine], lässt sich nicht erbittern, rechnet Böses nicht zu, freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit, [ein Ältester] erträgt alles, […] glaubt alles, […] hofft alles, […] erduldet alles. (1Kor 13,4–7)

Entscheiden wir uns erneut dafür, einander in dieser brüderlichen Liebe Christi zu begegnen. Die folgenden Bibelverse sollen uns daran erinnern, wie wir andere lieben sollen:

In der Bruderliebe seid herzlich zueinander. (Röm 12,10a)

Liebe […] sucht nicht das ihre. (1Kor 13,4–5)

mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend! (Eph 4,2)

Vor allen Dingen aber, habt untereinander eine anhaltende Liebe! Denn die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden. (1Pet 4,8)

Lernvers: Johannes 13,34–35

Verhalte dich gemäß dem dienenden Vorbild Christi

In dem, was als »der große Austausch« bezeichnet wird, lehrte Jesus Christus dienende Leiterschaft und lebte sie seinen Jüngern vor: »Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende« (Lk 22,27b).
Die Griechen und Römer verstanden Leiterschaft darin, über andere zu herrschen, und verliehen sich ehrenvolle Titel und setzten sich hoch über das Volk. Größe wurde im Sinne von Macht, Position, Autorität und Titel gemessen. Im Gegensatz dazu lehrte Jesus, dass Leiter einander dienen, dem anderen demütig begegnen und in einer Gemeinschaft der brüderlichen Liebe leben sollten. In der Gemeinschaft Christi wird wahre Größe am Dienst gemessen.

Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die Gewalt über sie üben, lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste und der Führende wie der Dienende.
(Lk 22,25–26)

Die dienende Leiterschaft, die Jesus lehrte und vorlebte, stand auch im Gegensatz zu den religiösen Lehrern, die besondere Privilegien, Stellungen und ehrenvolle Titel liebten. Jesus sagt über sie: Sie lieben aber den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Plätze in den Synagogen und die Begrüßung auf den Märkten und von den Menschen Rabbi genannt zu werden. Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder […] lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus.
Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden. (Mt 23,6–12)

Dienende Leiterschaft ist eine Leiterschaft, die dem Weg des Kreuzes folgt (Mt 20,28), das von der Welt als schwach und töricht angesehen wird. Es ist eine selbstlose, sich aufopfernde Leiterschaft und angemessen für diejenigen, welche die Botschaft des Kreuzes und die Werte der Demut, des Dienens und der brüderlichen Liebe predigen. Es ist eine Leiterschaft, die den anderen auferbauen soll (2Kor 10,8; 13,10) und allen zur Freude dient (2Kor 1,24). Sie wird willentlich die persönliche Demütigung und Herabsetzung für das Gute des anderen und um des Evangeliums willen erdulden (1Kor 4,8–13). Es ist eine Leiterschaft unter der Autorität Christi und untersteht seiner Beurteilung (1Kor 3,10–15; 4,3–5).

Dienende Leiterschaft bedeutet jedoch nicht, dass es in einer Gemeinde keine Führung oder Autorität gibt. Brüder mit der Gabe der Leitung werden durch den Heiligen Geist aufgefordert, mit Fleiß zu führen (Röm 12,8). Begabte Leiter helfen den Ältestentreffen, indem sie neue Ideen einbringen, Weisheit weitergeben, Probleme angehen, zukünftiges Potenzial erkennen und die Gruppe motivieren.

Dienende Leiterschaft beeinflusst nicht nur die Art und Weise, wie die Ältesten als geistliche Führer ihren Geschwistern in der Gemeinde begegnen, sondern auch, wie die Ältesten miteinander umgehen, wenn sie Entscheidungen treffen und umstrittene Themen besprechen. Die Ältesten sollten einander in Demut als Brüder in Christus und gegenseitige Diener begegnen. Machtspiele und Manipulationstaktiken sind hier nicht gefragt. Als Älteste sollten wir uns die folgenden Verse über dienende Leiterschaft zu Herzen nehmen:

Nicht dass wir über euren Glauben herrschen, sondern wir sind Mitarbeiter an eurer Freude. (2Kor 1,24)

Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen. (2Kor 4,5)

[…] nicht als die da herrschen über die ihnen anvertrauten Anteile der Herde, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet! (1Pet 5,3)

Lernvers: Lukas 22,26–27

 

 

Dieser Artikel ist aus dem Buch »Leitungstreffen – Ein Leitfaden für effektive Meetings von Leitern in der Gemeinde« von Alexander Strauch.

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