Die Heiligkeit Christi

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Heiligkeit Christi

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.
2. KORINTHER 5,21

Bevor wir über die Heiligkeit unseres Lebens sprechen, ist es gut, sich auf die Heiligkeit Christi zu besinnen. Notwendig ist dies vor allem, um in dem uns in Christus gegebenen Heil fest gegründet zu sein. Wenn wir den Sinngehalt der Worte »Seid heilig, denn ich bin heilig« gründlicher studieren, werden wir mehr von unserer eigenen Sündhaftigkeit erkennen. Wir werden die Boshaftigkeit und Arglist unseres Herzens sehen, und auch wie weit wir das Ziel Gottes verfehlen – vollkommene Heiligkeit. Solche Erkenntnis wird den echten Christen veranlassen, in seinem Herzen zu Christus zu fliehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Gerechtigkeit Christi verstehen und ebenso die Tatsache, dass uns seine Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Jesus führte ein vollkommen heiliges Leben

Immer wieder bezeugt die Schrift, dass Jesus während seiner Zeit auf Erden ein vollkommen heiliges Leben lebte. Er wird beschrieben als »ohne Sünde« (Heb 4,15), als einer, der »keine Sünde getan hat« (1Pet 2,22) und als der, »der von keiner Sünde wusste« (2Kor 5,21). Der Apostel Johannes konstatierte: »In ihm ist keine Sünde« (1Joh 3,5). Das Alte Testament beschreibt ihn in prophetischer Schau als »den Gerechten« (Jes 53,11) und als den einen, der die Gerechtigkeit liebt und die Gesetzlosigkeit hasst (Ps 45,8). Diese Aussagen – von sechs verschiedenen Verfassern der Schrift – zeigen, dass die Lehre der Sündlosigkeit Jesu Christi die Bibel durchzieht.

Er war ohne Sünde

Noch zwingender jedoch ist Jesu eigenes Zeugnis über sich selbst. Bei einer Gelegenheit blickte er den Pharisäern direkt in die Augen und fragte: »Wer unter euch kann mich einer Sünde beschuldigen?« (Joh 8,46). Wie jemandem einst auffiel, war das Bemerkenswerte an dieser Frage nicht, dass es den Pharisäern nicht möglich war, diese Frage zu beantworten, sondern viel mehr, dass Jesus die Frage überhaupt zu stellen wagte.

Hier stand er in direkter Konfrontation mit Leuten, die ihn hassten. Er hatte ihnen gerade gesagt, sie hätten den Teufel zum Vater und wollten dessen Wünsche ausführen. Wenn also irgendjemand einen Grund hätte, Jesus auf eine unvorsichtige Handlung oder eine Charakterschwäche hinzuweisen, dann waren sie es. Zudem stellte Jesus diese Frage in Gegenwart seiner Jünger, die ständig mit ihm zusammenlebten und genug Gelegenheit hatten, irgendwelche Widersprüchlichkeiten zu beobachten. Doch Jesus wagte diese Frage zu stellen, weil er wusste, dass es nur eine Antwort gab: Er war ohne Sünde.

Er tat allezeit was dem Vater gefiel

Doch die Heiligkeit Jesu war mehr als nur das Fehlen von Sünde. Sie war auch vollkommene Übereinstimmung mit dem Willen seines Vaters. Jesus erklärte über sich, dass er nicht vom Himmel herabgekommen war, »damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat« (Joh 6,38). Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: »Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat […].« (Joh 4,34) Am allermeisten zeugt jedoch diese Feststellung von seiner vollkommenen Heiligkeit: »denn ich tue allezeit, was ihm gefällt« (Joh 8,29).

Jesu Motive waren heilig

Diese Erklärung schließt in ihrer Absolutheit nicht nur sein Handeln ein, sondern auch jede innere Haltung und alle seine Motive. Es ist uns möglich, die richtige Handlung aus einem verkehrten Motiv heraus zu tun, aber dies ist Gott nicht wohlgefällig. Heiligkeit hat mit mehr als bloßem Handeln zu tun. Unsere Motive müssen heilig sein, das heißt, aus dem Verlangen entstehen, etwas einfach deswegen zu tun, weil es der Wille Gottes ist. Unsere Gedanken sollten heilig sein, denn sie sind Gott bekannt, noch ehe sie in unserem Verstand gebildet wurden. Jesus Christus hat diesen Ansprüchen vollkommen genügt, und er tat es für uns. Er wurde in diese Welt unter das Gesetz Gottes geboren, damit er es für uns erfülle (Gal 4,4–5).

Wann immer wir uns ernstlich auf die Heiligkeit Gottes besinnen, ist es unsere natürliche Reaktion, in Jesajas Worte einzustimmen:

»Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!« (Jes 6,5)

Wenn wir Gottes Heiligkeit wirklich ernst nehmen – seine eigene moralische Vollkommenheit und seinen unendlichen Hass auf die Sünde –, werden wir wie Jesaja unter äußerster Bestürzung mit der Erkenntnis unseres Mangels an Heiligkeit konfrontiert. Gottes Reinheit lässt unsere Unreinheit umso größer werden.

Die Zurechnung der vollkommenen Gerechtigkeit Christi

Deshalb ist es wichtig, dass wir dieselbe Zusicherung erhalten wie Jesaja: »Siehe, dies hat deine Lippen berührt; deine Schuld ist von dir genommen und deine Sünde gesühnt!« (Jes 6,7). Nicht nur im Augenblick der Errettung benötigen wir diese Zusicherung. Je mehr wir in Heiligkeit wachsen, umso mehr brauchen wir die Zusage, dass uns die vollkommene Gerechtigkeit Christi zugerechnet wird. Denn das Wirken des Heiligen Geistes, uns die Notwendigkeit der Heiligkeit im eigenen Leben bewusst zu machen, gehört mit zum Prozess der Heiligung.

Wenn wir unseren Mangel sehen, tun wir gut daran, Jesu Gerechtigkeit zu unseren Gunsten stets vor Augen zu haben. Uns gilt die Tatsache: Gott »hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden« (2Kor 5,21).

Die Wahrheit, dass wir aufgrund der Gerechtigkeit Christi von Gott angenommen sind, mag so elementar erscheinen, dass man sich vielleicht fragt, warum das hier betont wird. Ich tue das, weil wir zur Vereitelung der Angriffe Satans darüber nachdenken müssen. Der Heilige Geist macht uns unseren Mangel an Heiligung verstärkt bewusst, um uns zu tieferem Verlangen und Streben nach Heiligkeit anzuspornen. Aber Satan wird versuchen, das Werk des Heiligen Geistes zu unserer Entmutigung zu gebrauchen.

Ein Angriff Satans besteht in dem Versuch, dir einzureden, dass du doch kein echter Christ bist. Er wird etwa sagen: »Ein wahrer Christ würde nicht die bösen Gedanken haben, die du heute gedacht hast.« Möglicherweise hätte dich Satan vor sechs Monaten nicht mit solchen Anschuldigungen konfrontiert, weil du damals um derlei Gedanken nicht besorgt warst. Jetzt aber, da der Heilige Geist angefangen hat dir zu zeigen, wie sündhaft deine Gedanken der Lust, des Grolls und Stolzes wirklich sind, fängst du vielleicht an, an deiner Errettung zu zweifeln.

Die inneren Kämpfe

Vor etlichen Jahren ließ es Gott zu, dass ich einige schwierige innere Kämpfe durchmachte, damit ich etwas über die Sündhaftigkeit meines Herzens lernte. Während dieser Zeit leitete ich ein wöchentliches Bibelstudium auf einem Militärstützpunkt etwa eine Stunde Fahrzeit von meinem Wohnort entfernt. Jeden Montagabend, sobald ich die Gemeinschaft dieser Bibelstudiengruppe verlassen hatte und meine einsame Heimfahrt antrat, begann Satan mich anzugreifen: »Wie kann jemand, der solche Kämpfe hat wie du, ein Christ sein?« – solche Fragen stellte er. Ich wehrte mich, indem ich auf ein altes Kirchenlied zurückgriff, das so anfängt:

So wie ich bin, komm ich zu dir,
Herr, dein Erbarmen gilt auch mir.
Du lösest mich aus Schuld und Tod:
So komme ich, mein Herr und Gott.
(Bodo Hoppe)

Ich sang das ganze Lied, und wenn ich damit fertig war, lobte ich Gott für sein Heil, das mir durch Jesus Christus geschenkt wurde.

Fliehe zum Fels des Heils

Wenn du mit Eifer der Heiligkeit nachjagst, musst auch du oft zum Felsen deines Heils fliehen. Du fliehst dorthin, nicht um erneut gerettet zu werden, sondern um in deinem Herzen fest zu machen, dass du allein durch seine Gerechtigkeit gerettet bist. Fang an, dich mit Paulus zu identifizieren, wenn er schreibt:

»Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten, von denen ich der größte bin.« (1Tim 1,15).

Genau dann wird Christi heiliges Leben, das er an deiner statt lebte, so wichtig für dich.

Das Vorbild Christi

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum wir über die Heiligkeit Christi nachdenken sollten: Sein Leben will uns in seiner Heiligkeit ein Vorbild sein. Petrus erklärt, dass Christus uns ein Vorbild hinterließ, damit wir seinen Fußstapfen folgen (1Pet 2,21).

Der Apostel verweist besonders auf Christi Leiden ohne Gegenwehr, doch er spricht im darauffolgenden Vers auch davon, dass Christus keine Sünde beging. Paulus drängt uns, Gottes Nachahmer zu sein (Eph 5,1), und erklärt außerdem:

»Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich [Nachahmer] des Christus bin!« (1Kor 11,1).

Es ist daher offensichtlich, dass uns das sündlose, heilige Leben Jesu Christi als Vorbild dienen soll. Bedenke deshalb seine Feststellung: »Ich tue allezeit, was ihm gefällt.« Wagen wir es, uns dies als persönliches Ziel im Leben zu setzen? Sind wir wirklich bereit, all unsere Aktivitäten, all unsere Ziele und Pläne und all unsere impulsiven Handlungen in Anbetracht dieser Aussage zu prüfen: »Ich tue dies, um Gott zu gefallen.«?

Tue alles um Gott zu gefallen

Wenn wir diese Frage ehrlich stellen, werden wir anfangen, uns ein bisschen zu winden. Wir wissen, es gibt einige Dinge – in sich selbst gute Dinge –, die wir tun, um Bewunderung für uns anstatt Ehre für Gott zu erlangen. Andere Dinge tun wir einfach zu unserem eigenen Vergnügen, ohne nach Gottes Ehre zu fragen.
Wie ist meine Reaktion, wenn der Tyrann der ganzen Nachbarschaft meinen kleinen Sohn belästigt? Gewöhnlich kommt meine erste Reaktion aus einem Geist der Vergeltung, bis der Heilige Geist mich an das Beispiel Jesu erinnert.

Was denken wir von denen, die uns keine Liebe erweisen? Betrachten wir sie als Menschen, für die Christus starb, oder als Leute, die uns das Leben schwer machen?
Ich erinnere mich an eine unangenehme geschäftliche Begegnung mit einem Menschen, der später durch das Zeugnis eines anderen Christ wurde. Als ich davon erfuhr, war ich zutiefst bekümmert bei dem Gedanken daran, dass ich ihn überhaupt nicht als eine Person angesehen hatte, für die Christus starb, sondern nur als jemanden, mit dem ich eine unangenehme Erfahrung gemacht hatte. Wir müssen lernen, dem Beispiel Jesu nachzufolgen, der Erbarmen mit den Sündern hatte und sogar für sie beten konnte, als sie ihn auf Golgatha ans Kreuz nagelten.

In den Worten des schottischen Theologen John Brown aus dem 19. Jahrhundert kommt dies zum Ausdruck:

»Heiligkeit besteht nicht in mystischen Spekulationen, enthusiastischer Inbrunst oder selbstauferlegten Entbehrungen; sie besteht darin, dass wir so denken, wie Gott denkt, und wollen, was Gott will.«

Auch bedeutet Heiligung nicht, wie so oft gedacht wird, das Festhalten an einer Liste von »Du darfst« und »Du darfst nicht«‚ wobei letztere meist im Vordergrund steht. Als Christus in die Welt kam, sprach er: »Siehe ich komme […]‚ um deinen Willen, o Gott, zu tun« (Heb 10,7). Das ist das Vorbild, dem wir folgen sollen. In all unseren Gedanken, bei jeder Handlung, in jeder Faser unseres Charakters sollte das beherrschende Prinzip, das uns motiviert und leitet, das Verlangen sein, Christus darin zu folgen, den Willen seines Vaters zu tun. Dies ist der Weg, dem wir in dem Streben nach der Heiligkeit folgen müssen.

 

Dieser Artikel ist aus dem Buch »Streben nach Heiligkeit« von Jerry Bridges

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