Mit Angst infiziert

Angst als Mutter
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Was soll ich tun, wenn ich als Mutter mit Angst zu kämpfen habe?

Unser Kinderarzt ist wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seiner freundlichen, großväterlichen Art ein rechter Segen für meine Kinder. Wenn die Kinder in seiner Gegenwart niesen, sagt er mit schwungvollen Gesten in mehreren Sprachen: „Gesundheit“ (bzw. engl. „Gott segne dich“). Auf einmal ist der Besuch beim Arzt gar nicht mehr so beängstigend.

Weise Ärzte sind sich bewusst, dass zu ihrem Aufgabenbereich auch die Beratung der Eltern gehört. Bei einem unserer Besuche fragte ich den Arzt, wie sein Tag lief. Seine Stirn runzelte sich und er antwortete nachdenklich: „Die ansteckendste Krankheit, die ich behandelte, war mütterliche Angst.“

Symptome und Diagnose

Diese Bemerkung des Arztes war für mich eine gute Erinnerung daran, dass es gut ist, meine eigenen mütterlichen Ängste untersuchen zu lassen. In vielerlei Hinsicht verhalten sich Ängste wie eine Krankheit. Wo die Wahrheit verdrängt wird und es dir an geistlicher Nahrung mangelt, kann die Angst in deinem Herzen Unheil anrichten. Manchmal genügt schon ein Blick auf eine Schlagzeile in der Zeitung, und schon treibt die Angst dein Herz bis an den Abgrund und verleitet dich, einen Sprung im Unglauben zu tun, ohne dich noch einmal umzublicken. Eine Freundin gestand mir, dass sie eines Nachts so sehr in Sorge über die Zahnschmerzen ihres Babys war, dass sie sich immer weiter in ängstlichen Gedanken verstrickte, bis sie schließlich, noch lange nachdem ihr Kind eingeschlafen war, wach lag mit dem furchtbaren Gedanken, vielleicht eines Tages ihr Kind zu Grabe tragen zu müssen.

Mütterliche Ängste sind nicht zum Lachen. Jede Mutter weiß, dass unsere Welt voll mit Gefahren, Bosheit und Tod ist. Also durchsuchen wir das Regal der Möglichkeiten nach einem Gegenmittel. Wenn ich persönlich mit mütterlicher Angst zu kämpfen habe, dann bin ich versucht, meine ängstlichen Gedanken durch Ablenkung zu betäuben. Wenn meine Freundin ängstlich ist, begibt sie sich auf die Suche nach Allwissenheit, um mithilfe von Recherche die Kontrolle über den Ausgang zu haben. Andere Mittel wie Essen, Geld ausgeben oder die Verwandlung in einen wütenden Momzilla versprechen ebenso einfache Lösungen.

Wenn ich persönlich mit mütterlicher Angst zu kämpfen habe, dann bin ich versucht, meine ängstlichen Gedanken durch Ablenkung zu betäuben.

Die Flut von angsteinflößenden Situationen und Gedanken ist unaufhörlich. Gefährliche Panikmache sammelt sich wie Ablagerungen in einer Arterie an und schränkt die Zirkulation der lebensspendenden Wahrheit weiter ein. Ängstliche Gedanken vermehren sich wie Bakterien in einer Petrischale.

Was kann eine Mutter gegen die Angst tun?

Hüte dich vor dem Anti-Evangelium

„Sich Sorgen zu machen, gehört zum Muttersein einfach dazu“, ist keine niedliche Stellenbeschreibung, die man an die Küchentür hängt. Es ist ein Anti-Evangelium. Wir müssen uns selbst Tag für Tag das Evangelium predigen, um diese Lüge zu bekämpfen. Und wir müssen dafür kämpfen, uns daran zu erinnern, dass Christus gestorben und wieder auferstanden ist, damit das Schlimmste, was man sich vorstellen kann – die ewige Trennung von Gott – für diejenigen, deren Hoffnung in ihm liegt, niemals Wirklichkeit wird.

Wenn wir uns daran erinnern, dass wir vor einem Schicksal gerettet wurden, das schlimmer ist als der Tod, und dass wir immer geradewegs auf die zukünftige Gnade zusteuern, wird die mütterliche Angst in ihre Schranken gewiesen. Auch wenn es Situationen gibt, in denen Angst die einzig mögliche Option zu sein scheint, weil man nicht verstehen kann, was Gott tut, kann man mittels des Glaubens darauf vertrauen, dass er immer in Übereinstimmung mit seiner erlösenden Liebe handelt. Die Sorgen, die dein Herz wie einen Schaukelstuhl hin und her schaukeln, verlieren angesichts dieser wundersamen Wahrheit ihren Schwung. In Christus kann das Herz einer Mutter ruhen. „Ich werde mich in Frieden niederlegen und schlafen; denn du allein, HERR, lässt mich sicher wohnen.“ (Psalm 4,9).

Wenn wir uns daran erinnern, dass wir vor einem Schicksal gerettet wurden, das schlimmer ist als der Tod, und dass wir immer geradewegs auf die zukünftige Gnade zusteuern, wird die mütterliche Angst in ihre Schranken gewiesen.


Sicher im Sturm Phil Moser

Sicher im Sturm

Phil Moser
Biblische Strategien zur Überwindung von Ängsten

 

 


Herdenimmunität bei Mutterangst

Angst kann sich in einer Gemeinschaft ausbreiten, aber das Gleiche gilt auch für die vom Evangelium gesättigte Hoffnung. Christus wird gepriesen, wenn Mütter andere Mütter auf das Evangelium hinweisen. Als Mütter können wir uns gegenseitig an die Hoffnung erinnern, die wir in Christus haben, und wir können die Gaben nutzen, die Gott uns gegeben hat, um den Leib Christi aufzuerbauen. Wir können unseren Schwestern, die von der Angst geschwächt sind und unter Wahrheitsmangel leiden, Gottes Wort bringen.

Ich habe selbst von dieser Art der Fürsorge profitiert. Heute Morgen fragte mich eine Freundin am Telefon: „Wie geht es deinem Herzen?“ Als ich ihr meine Sorgenliste vortrug und mit dem Fazit endete: „Und ich sehe einfach nicht, wie diese Woche noch gut ausgehen kann“, paraphrasierte sie 1. Petrus 5,7: „Gloria, wirf deine Sorgen auf den Herrn, weil er sich um dich sorgt.“ Dann sagte sie mir, ich solle ihr eine Liste mit Dingen schicken, die sie für mich besorgen und bei ihrem Besuch später in der Woche mitbringen könnte.

Der Tod der Angst

Der Tag wird kommen, an dem wir alle gemeinsam zum ewigen Leben im neuen Himmel und auf der neuen Erde auferweckt werden. Bis dahin können wir unsere Identität als neue Schöpfung in Christus ausleben und einander ermutigen, im Glauben zu wandeln. All die Ungewissheiten in diesem Leben dienen dazu, uns auf diese große Gewissheit hinzuweisen: Wegen Christus können wir fröhlich in der Hoffnung sein und in der Stadt, die kommen wird, wird kein Raum für Angst sein.

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