Was ist verkehrt an oberflächlichen Predigten?

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Was ist verkehrt an oberflächlichen Predigten?

Es überwältigt mich immer wieder, wenn ich an die große Verantwortung denke, die der Prediger für das Wort Gottes hat. Wir alle sind über einen Rechtsanwalt oder einen Richter empört, der um des eigenen Gewinns willen die Wahrheit verdreht, der dem Ruf und persönlichen Besitz anderer schadet und sie dadurch ins Elend stürzt.

Mit gleicher Verachtung reagieren wir auf einen Quacksalber, der durch seine Inkompetenz Leben und Gesundheit anderer aufs Spiel setzt, um Reibach zu machen. Solche Leute verdienen es, dass man sie als Kriminelle ansieht; für das Leid und den Schaden ihrer Opfer sollte man sie zu Recht haftbar machen.

Wer sich jemandem auf solche Weise als Anwalt oder Arzt anbietet, um ihm in einer Zeit der Not beizustehen und dann sein Leben durch Fahrlässigkeit, Unfähigkeit oder selbstsüchtige Habgier zu verheeren, ist gewissenlos. Ärzte- und Anwaltskammern haben Maßstäbe festgelegt, um solchen Missbrauch zu verhindern.

Was aber ist mit mir, der ich die Wahrheit Gottes weitergeben soll, des Arztes der Seele? Sollte ich etwa nicht vor Gott für jedwede (selbst unabsichtliche) Verdrehung der Wahrheit, für meine Fahrlässigkeit und Unfähigkeit verantwortlich sein? Welche irdische Ordnungsbehörde überprüft mich? Muss ich, der ich Gottes Wort predige, nicht vor einem höheren Gericht erscheinen als vor einer Anwalts- oder Ärztekammer? Jakobus schreibt: »Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, meine Brüder, da ihr wisset, dass wir ein strengeres Urteil empfangen!« (Jak 3,1 Sch)

Kein Beruf hat eine so hohe Verantwortung wie der dessen, der Gottes Wort predigt. Gott wird jeden Prediger danach richten, wie wahrhaftig und akkurat seine Predigt ist. Jedes Versagen als Sprecher Gottes bringt nicht nur Schande (2Tim 2,15), sondern auch Gericht.

Der Heilige Geist hat verheißen, dass alle, die Gottes Herde hüten, darüber »Rechenschaft ablegen müssen« (Heb 13,17). Es wird für jeden Prediger einen Tag der Abrechnung geben. Nur wer geprüft und qualifiziert ist, hat das Recht, sich Anwalt, Richter oder Arzt zu nennen. Der Maßstab, der an einen Prediger angelegt wird, ist bedeutend höher!

Womit muss ein Mann ausgestattet sein, um für die Verantwortung des Predigens qualifiziert zu sein?

Ich könnte bestimmt folgende Dinge verlangen: Gottesfurcht, Respekt gegenüber Würde und Pflichten eines Ältesten, Verständigkeit, gesundes Urteilsvermögen, klares und tiefgründiges Denken, Liebe zum Lesen, Verpflichtung zu sorgfältigem Studium, Nachsinnen.

Ein gutes Gedächtnis, gute Sprachkenntnisse sowie mit dem Denken der Gesellschaft vertraut zu sein sind ebenfalls nötige Eigenschaften.

Außergewöhnliches Talent und Mühe sind nötig, um dunkle Stellen der Schrift zu erklären, das Wort in schwierigen Fällen auf das praktische Leben anzuwenden und die Wahrheit gegenüber Widersprechenden zu verteidigen.

All das sind die wichtigsten Pflichten im Leben und Dienst eines Predigers.

Die einzige und stärkste Waffe des Predigers

Ein wenig Geschick und Begabung allein werden einen Prediger nie befähigen, Lehre zu vermitteln, die Tiefen Gottes zu erklären, Starrköpfige zu überzeugen, Herz und Verstand zu gewinnen oder dunkle Realitäten zu beleuchten, um die Schatten der Verwirrung, Unwissenheit, Widersprüche, Vorurteile, Versuchung und Verführung zu vertreiben.

Vor allem aber: Wenn der Prediger die Fehler seiner Hörer aufdecken und Menschen aus den Festungen der Unwissenheit befreien, ihr Gewissen überführen, ihnen das Maul stopfen und seiner Verantwortung nachkommen muss, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, dann muss er im Wort geschult sein.

Das ist die einzige und stärkste Waffe des Predigers: das zweischneidige Schwert des Wortes, das allein in die Tiefen von Geist und Seele eindringt.

Angenommen, Gott hat einen Prediger mit den geistigen Fähigkeiten, der persönlichen Disziplin und Sorgfalt und der Geistesgabe zum Predigen ausgestattet, so ist zum Erfolg doch immer noch ein profundes Wissen und eine treue Verkündigung des Wortes nötig.

Vor allem muss der Prediger wie Esra werden, der »sein Herz darauf gerichtet [hatte], das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel Gesetz und Recht zu lehren« (Esra 7,10 Sch) oder wie Apollos, der »mächtig in der Schrift« war (Apg 18,24).
Kein anderer Text in der Schrift bekräftigt dies so sehr und fordert uns heraus, all unsere Fähigkeiten für die Erklärung des Wortes Gottes einzusetzen, wie der beeindruckende Auftrag von 2. Timotheus 4,1–4 (LUT):

So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, steh dazu, es sei zurzeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.

Der Prediger steht unter Beobachtung durch Gott

Vers 1 drückt aus, wie ernst der Auftrag des Predigers ist: »So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus.« Der Prediger steht unter Beobachtung durch Gott und Jesus Christus, der eines Tages jeden richten wird.

Der alte Kämpfer Paulus versuchte seinem jüngeren Kind im Glauben eine Ahnung davon zu vermitteln, wie schwer seine Verantwortung auf ihm lastete.

John Knox muss eine solche Last verspürt haben, als er zu predigen genötigt wurde: In Erwartung dessen schloss er sich tagelang ein und weinte, weil er den Ernst dieser Pflicht fürchtete.

Der vollkommene Richter wird Qualität, Genauigkeit, Eifer und Mühe des Predigers gerecht beurteilen. Das Ziel ist, Gott und Jesus Christus zu erfreuen und nicht Menschen. Das Urteil von Menschen ist fehlerhaft und für die Ewigkeit unbedeutend. Das Urteil Gottes ist vollkommen und für die Ewigkeit bedeutend – und das ist alles, was zählt.

Was die Tätigkeit des Predigers ausmacht, wird in V. 2 gesagt: »Predige das Wort.« Gottes Wort zu predigen ist unser Auftrag. Wir müssen uns nicht nur an das Vorbild der heilsamen Worte halten (2Tim 1,13), das Wort der Wahrheit richtig behandeln (2Tim 2,15) und das Wort bewahren (2Tim 1,14), sondern es auch verkünden.

Paulus sagt es prägnant in Kolosser 1,25 (LUT):

»Ihr [der Gemeinde] Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, dass ich euch sein Wort reichlich predigen soll.«

Diese Art von Auslegungspredigt verfolgt sechs Hauptziele:

  1. Die Auslegungspredigt gibt genau den Willen des herrlichen Herrschers wieder und lässt Gott sprechen statt Menschen.
  2. Die Auslegungspredigt hält an den Gedanken des Heiligen Geistes fest und bringt den Prediger in direkten und andauernden Kontakt mit dem Willen des Heiligen Geistes, der die Schrift verfasst hat.
  3. Die Auslegungspredigt befreit den Prediger dazu, die ganze Offenbarung Gottes zu verkünden, was zu einem ganzheitlichen und integeren Dienst führt.
  4. Die Auslegungspredigt fördert Bibelkenntnis und führt zu reicher Erkenntnis der Lehre von der Erlösung.
  5. Die Auslegungspredigt vermittelt höchste göttliche Vollmacht, da sie das Wort Gottes selbst wiedergibt.
  6. Die Auslegungspredigt verändert den Prediger und führt so zu veränderten Gemeinden.

 

2. Timotheus 4,2 beschreibt nicht nur den Anreiz zum Predigtdienst, sondern auch dessen Reichweite:

»Steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.«

Der Prediger ist immer bereit zu predigen, sei es gelegen oder nicht. Er ist darum bemüht, Sünde aufzudecken und zu gerechtem Verhalten anzuspornen. Er tut dies voll Geduld und nicht voll Zorn, Verbitterung oder Verzweiflung. Seine Predigt enthält stets gesunde Lehre, die den Leuten Gottes wahren Maßstab zeigt.

Den Anreiz zum Predigtdienst drücken die Verse 3 und 4 aus:

»Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.«

Sünder werden gegenüber unbequemen Wahrheiten unduldsam sein. Davon muss man ausgehen. Andererseits wollen sie gerne angenehme Lügen hören. Sie suchen wohl was die Sinne reizt, sie unterhält, ihrem Ego schmeichelt, sie nicht bedroht und populär ist. Doch was wir predigen, diktiert uns Gott, nicht die Massen, denen wir gegenüberstehen. Der Psychiater und christliche Autor John White hat einige sehr treffende Worte geschrieben, die Gehör verdienen:

»Bis vor rund 15 Jahren sahen die meisten Christen in der Psychologie etwas, das im Gegensatz zum Evangelium steht.

Wenn heute jemand, der sich zu Jesus bekennt, weltliche Psychologie christianisiert und sie als etwas darstellt, das mit der Schrift vereinbar sei, dann schlucken die meisten Christen bereitwillig diesen Giftbecher »psychologischer Erkenntnisse«. Im Laufe der letzten 15 Jahre hat unter den Gemeinden die Neigung zugenommen, sich zunehmend auf ausgebildete pastorale Seelsorger zu verlassen … Mir scheint, dies ist ein Zeichen dafür, dass die Auslegungspredigt innerhalb evangelikaler Gemeinden nur schwach vertreten oder dass man ihr gegenüber gleichgültig ist … Warum haben wir uns überhaupt den Humanwissenschaften zugewandt? Warum? Weil wir jahrelang darin versagt haben, die ganze Schrift zu erklären. Weil wir durch unsere schwache Auslegung und unsere oberflächlichen Themenpredigten eine Generation christlicher Schafe hervorgebracht haben, die ohne Hirten sind. Und jetzt ziehen wir uns selbst ein schwereres Verdammungsurteil als je zuvor zu, indem wir uns wieder der Weisheit der Welt zuwenden.

Was ich als Psychiater und was meine Kollegen mit ihrer Forschung oder ihren Beratungen tun können, ist von unendlich geringerem Wert für bekümmerte Christen als das, was Gott in seinem Wort sagt. Aber Älteste, Hirten folgen ebenso wie die Herde, die sie führen, (wenn ich das verwendete Bild einmal kurz ändern darf) einem neuen Rattenfänger von Hameln, der sie in die finsteren Höhlen eines humanistischen Hedonismus führt.

Ein paar von uns, die sich sehr in der Wissenschaft engagieren, kommen sich wie einsame Rufer in einer gottlosen Wüste des Humanismus vor, während die Gemeinden sich der humanistischen Psychologie als Ersatz für das Evangelium der Gnade Gottes zuwenden.«

Kürzlich war ich Gastgeber einer Diskussion am Expositors‘ Institute für das Kolloquium einer kleinen Gruppe über das Predigen, das durch die Shepherd’s Fellowship (Hirtenkonferenz) ausgerichtet wurde.

Bei der Vorbereitung dieses Seminars nahm ich einen Schreibblock und fing an, die schlechten Auswirkungen der oberflächlichen Vorstellung über das Predigen aufzulisten, die im modernen Evangelikalismus weit verbreitet ist.

Zuerst dachte ich, ich könnte etwa zehn aufzählen, doch rasch wuchs meine Liste auf 61 Punkte an. Ich strich sie auf 15 zusammen, indem ich alle bis auf die wichtigsten ausklammerte. Ich gebe sie hier ungefähr in der Reihenfolge wieder, in der sie mir einfielen.

Was also ist verkehrt an oberflächlichen Predigten, in denen die Bibel nur am Rande vorkommt?

1. Man reißt dadurch die Autorität Gottes über die Seele an sich.

Ob ein Prediger mutig das Wort Gottes verkündigt oder nicht, ist letzten Endes eine Frage der Autorität. Wer hat das Recht, in der Gemeinde zu sprechen? Der Prediger oder Gott? Jedesmal, wenn irgend etwas an Stelle des Wortes Gottes gepredigt wird, reißt man Gottes Autorität an sich. Welch ein Hochmut! In der Tat kann man sich kaum etwas Dreisteres vorstellen, was jemand tun könnte, der von Gott zum Predigen berufen wurde.

2. Man nimmt dadurch Christus die Herrschaft über seine Gemeinde.

Wer ist das Haupt der Gemeinde? Ist Christus wirklich die höchste Lehrautorität in der Gemeinde? Wenn ja, warum gibt es dann so viele Gemeinden, in denen sein Wort nicht treu verkündigt wird?

Wenn wir heutige Gottesdienste betrachten, sehen wir Programme und Methoden, welche die Frucht menschlicher Erfindungen, das Ergebnis von Meinungsumfragen und statistischer Erhebungen im näheren Umkreis sowie anderer pragmatischer Kunstgriffe sind. Gemeindewachstumsexperten haben die Kontrolle über die Tagesordnung der Gemeinde deren Haupt entrissen, dem Herrn Jesus Christus.

Unsere puritanischen Vorväter widerstanden dem Versuch der Regierung, ihnen Liturgien aufzuzwingen, aus eben diesem Grund: Sie sahen darin einen direkten Angriff auf die Herrschaft Christi über seine Gemeinde. Heutige Prediger, die das Wort Gottes verleugnen, haben den Boden dessen verlassen, wofür jene Männer kämpften und manchmal starben.

Wenn Jesus Christus von seinem Volk erhoben wird, wird seine Macht in der Gemeinde offenbar. Wenn die Gemeinde von Kompromisslern übernommen wird, die der Gesellschaft gefallen wollen, wird das Evangelium auf ein Minimum reduziert, wahre Vollmacht geht verloren, künstliche Energie muss aufgebracht werden, und Oberflächlichkeit nimmt den Raum der Wahrheit ein.

3. Man behindert dadurch das Wirken des Heiligen Geistes.

Welches Mittel benutzt der Heilige Geist für sein Wirken? Das Wort Gottes. Er benutzt das Wort als Mittel zur Wiedergeburt (Jak 1,18; 1Pet 1,23). Er benutzt es auch als Mittel zur Heiligung (Joh 17,17). In der Tat ist es das einzige Mittel, das er benutzt (Eph 6,17).

Wenn also Prediger das Wort Gottes vernachlässigen, dann untergraben sie das Werk des Heiligen Geistes, erzeugen oberflächliche Bekehrungen und geistlich gelähmte Christen, wenn nicht gar vollkommen falsche.

4. Man beweist dadurch furchtbaren Hochmut und mangelnde Unterordnung.

Bei der modernen Haltung zum »Gottesdienst« wird das Wort Gottes absichtlich heruntergespielt, die Schmach Christi stillschweigend abgelehnt, das Ärgernis des Evangeliums sorgfältig ausgemerzt und »Anbetung« vorsätzlich auf die Vorlieben Ungläubiger zurechtgeschnitten.

Das ist nichts anderes als die Weigerung, sich dem biblischen Auftrag der Gemeinde unterzuordnen. Die Dreistigkeit der Ältesten, die einen solchen Kurs verfolgen, macht mir Angst.

5. Der Prediger beraubt sich selbst der regelmäßigen heiligenden Gnade der Schrift.

Der größte persönliche Nutzen, den ich vom Predigen habe, ist das Wirken des Heiligen Geistes an meiner eigenen Seele, während ich die Bibel studiere und mich auf die beiden Predigten vorbereite, die ich jeden Sonntag halte.

Die Verpflichtung, jede Woche gründliche Auslegungen zu erarbeiten, hält mein Herz fest auf die Schriften ausgerichtet und das Wort Gottes ernährt mich, während ich mich darauf vorbereite, meine Herde zu weiden.

So werde ich durch die Beschäftigung damit persönlich gesegnet und geistlich gestärkt. Allein schon aus diesem Grund würde ich niemals aufgeben, die Bibel zu predigen. Der Feind unserer Seelen ist besonders hinter den Predigern her und die heiligende Gnade des Wortes Gottes ist unbedingt zu unserem Schutz nötig.

6. Man vernebelt dadurch die wahre Tiefe und Erhabenheit unserer Botschaft und lähmt darum sowohl die gemeinschaftliche als auch die persönliche Anbetung.

Was heutzutage in manchen Gemeinden als Predigt gilt, ist buchstäblich nicht tiefschürfender als das, was die Prediger der Generation unserer Väter in der Fünf-Minuten-Ansprache lehrten, die sie für die Kinder hielten, bevor sie diese in den Kindergottesdienst entließen.

Das ist nicht übertrieben. Es ist häufig so etwas von vereinfachend, wenn nicht völlig gehaltlos. Nichts daran ist tiefgehend. Ein solches Vorgehen macht wahre Anbetung unmöglich, weil Anbetung eine erhabene Erfahrung ist.

Anbetung soll uns über das Weltliche und Schlichte erheben. Die einzig wahre Weise, wie man zur Anbetung gelangt, kann daher nur sein, dass wir zuerst die Tiefe geistlicher Wahrheit erfassen.

Unsere Hörer können nur in dem Maße zu den Höhen der Anbetung aufsteigen, wie wir sie in die Tiefen der fundierten Lehren des Wortes Gottes einführen. Sie können unmöglich erhaben von Gott denken, solange wir sie nicht in die Tiefen der Selbstoffenbarung Gottes eingeführt haben. Jedoch ist die heutige Predigt weder tiefschürfend noch erhaben. Sie geht weder in die Tiefe noch in die Höhe. Sie versucht nur zu unterhalten.

Übrigens: Wahre Anbetung ist nichts, wozu man künstlich aufputschen könnte. Eine noch größere, lautere Band und noch sentimentalere Musik können zwar die Gefühle der Leute aufputschen, doch das ist keine echte Anbetung.

Wahre Anbetung ist eine von Herzen kommende Reaktion auf Gottes Wahrheit (Joh 4,23). Sie können tatsächlich ohne Musik anbeten, wenn Sie die Herrlichkeit und die Tiefe dessen erkannt haben, was die Bibel lehrt.

7. Der Prediger hält sich selbst davon ab, die Gesinnung Christi vollkommen auszubilden.

Von Ältesten erwartet man, dass sie Unterhirten Christi sind. Allzu viele Prediger sind heutzutage so sehr darauf versessen, die Kultur zu verstehen, dass sie die Gesinnung der Kultur annehmen statt die Gesinnung Christi.

Sie beginnen wie die Welt zu denken statt wie der Erlöser. Offen gesagt sind mir die kulturellen Nuancen der Welt praktisch egal. Ich will die Gesinnung Christi erkennen und damit die Kultur beeinflussen, egal welcher Kultur ich gerade diene. Wenn ich eine Kanzel betrete und ein Repräsentant Jesu Christi bin, dann will ich wissen, was er denkt, und das muss auch meine Botschaft an sein Volk sein.

Der einzige Weg, die Gesinnung Christi zu erkennen und zu verkünden, ist sein Wort treu zu studieren und zu predigen. Prediger, die von kultureller »Relevanz« besessen sind, werden weltlich, nicht Gott wohlgefällig.

8. Man setzt durch sein Vorbild die geistliche Pflicht und Priorität persönlichen Bibelstudiums herab.

Ist persönliches Bibelstudium wichtig? Natürlich! Aber welches Vorbild stellt der Prediger dar, wenn er die Bibel in seinen Predigten vernachlässigt? Warum sollten die Leute meinen, sie müssten die Bibel studieren, wenn der Prediger das bei der Vorbereitung seiner Predigten selbst nicht tut?

Derzeit gibt es unter einigen Gurus »besucherfreundlicher« Gottesdienste den Trend, in der Predigt möglichst keine Bibelstelle ausdrücklich zu nennen. (Manche »besucherfreundliche« Gemeinden raten ihren Mitgliedern sogar ausdrücklich davon ab, Bibeln in die Gemeinde mitzunehmen, da der Anblick so vieler Bibeln die »Suchenden« einschüchtern könnte.)

Damit suggeriert man, es sei gefährlich, wenn Sie Ihren Gemeindegliedern den Eindruck vermitteln, die Bibel könnte wichtig sein!

9. Man hindert den Prediger daran, Gottes Sprachrohr zu jeder Zeitfrage zu sein.

Jeremia 8,9 sagt:

»Die Weisen werden beschämt, sie sind schreck­erfüllt und werden gefangen. Siehe, das Wort des Herrn haben sie verworfen. Und was für eine Weisheit haben sie nun?«

Wenn ich rede, will ich Gottes Bote sein. Ich habe kein Interesse zu erklären, was irgendein Psychologe, großer Geschäftsmann oder Universitätsprofessor zu einem Thema zu sagen hat. Meine Hörer haben nicht meine Meinung nötig; sie müssen hören, was Gott zu sagen hat. Wenn wir so predigen, wie es die Schrift uns befiehlt, sollte kein Zweifel bestehen, wessen Botschaft von der Kanzel kommt.

10. Man züchtet eine Gemeinde heran, die genauso gleichgültig gegenüber der Ehre Gottes ist wie ihre Ältesten.

»Besucherfreundliches« Predigen fördert solche Leute, die sich um ihr eigenes Wohlbefinden drehen. Wenn Sie den Leuten sagen, dass die vorrangige Aufgabe der Gemeinde ist, das geradezubiegen, was in diesem Leben schiefgeht (ihre Bedürfnisse zu stillen, ihnen zu helfen, mit ihren weltlichen Enttäuschungen klarzukommen usw.), dann vermitteln Sie ihnen die Botschaft, ihre irdischen Probleme seien wichtiger als die Ehre Gottes und die Majestät Christi.

Nochmals: Damit sabotiert man wahre Anbetung.

11. Man beraubt die Menschen der einzig wahren Quelle ihrer Hilfe.

Menschen, die unter dem Einfluss einer oberflächlichen Predigt stehen, werden von der Klugheit und Kreativität des Redners abhängig. Wenn Prediger ihre Predigten mit Laserlicht- und Raucheffekten, Videoclips und Theaterstücken unterstreichen, vermitteln sie die Botschaft, dass die Leute in den Kirchenbänken keine Chance haben, derart Tiefschürfendes jemals selbst herausfinden zu können.

Solche Kinkerlitzchen schaffen eine Art von Verteilungsmechanismus, den man nicht selbst bedienen kann. Dadurch werden sie zu geistlichen Stubenhockern, die nur kommen, um unterhalten zu werden.

Welchen oberflächlichen geistlichen Gehalt sie auch immer bei der wöchentlichen Aufführung des Predigers empfangen, ist alles, was sie bekommen. Sie sind nicht besonders an der Bibel interessiert, weil die Predigten, die sie hören, sie dazu nicht anleiten.

Sie sind von der Kreativität des Predigers tief beeindruckt und von der Musik manipuliert und das ist alles, worauf sich ihre geistliche Perspektive beschränkt.

12. Man verführt Menschen dazu, dem Wort und der Autorität Gottes gegenüber gleichgültig zu werden.

Es ist absehbar, dass es in einer Gemeinde, welche die Predigt der Heiligen Schrift vernachlässigt, unmöglich wird, die Menschen dazu zu bewegen, sich der Autorität der Schrift unterzuordnen. Der Prediger, der stets auf die »gefühlsmäßigen Bedürfnisse« abzielt und dem Dünkel weltlich gesinnter Menschen schmeichelt, hat keine Möglichkeit, jemandem entgegenzutreten, der sich grundlos von seiner Frau scheiden lassen will.

Der Betreffende wird ihm sagen: »Sie verstehen meine Gefühle nicht. Ich kam hierher, weil Sie versprachen, meinen gefühlsmäßigen Bedürfnissen abzuhelfen. Und ich sage Ihnen, ich fühle mich nicht danach, weiter mit dieser Frau zusammenzuleben.«

Sie werden dem schwerlich biblische Autorität entgegen halten können. Sie werden es gewiss nicht leicht haben, Gemeindezucht zu üben. Das ist das Monster, das durch oberflächliches Predigen entsteht.

Wenn sie aber weiterhin versuchen, der Sünde entgegenzutreten und alle gebotenen Prinzipien anzuwenden, um die Gemeinde rein zu halten, müssen Sie das Wort Gottes predigen.

13. Man belügt die Menschen darüber, was sie wirklich brauchen.

In Jeremia 8,11 verdammt Gott die Propheten, welche die Wunde des Volkes nur oberflächlich behandeln. Dieser Vers trifft gehörig auf die biegsamen Prediger zu, die heutzutage so viele prominente evangelikale Kanzeln bevölkern.

Sie spielen die anstößigen Teile der Botschaft Christi herunter. Sie belügen die Menschen darüber, was sie wirklich brauchen, versprechen ihnen »Erfüllung« und irdisches Wohlergehen, während das, was die Menschen wirklich brauchen, die wahre Sicht der Erhabenheit Christi und das wahre Verständnis der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes ist.

14. Man beraubt die Predigt ihrer Kraft.

»Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert« (Heb 4,12 LUT).

Alles andere ist ohnmächtig und nur scheinbar mächtig. Menschliche Strategie ist nicht wichtiger als die Schrift. Die Fähigkeit des Schaustellers, Menschen hereinzulocken, sollte uns nicht tiefer beeindrucken als die Kraft der Bibel, Leben zu verändern.

15. Man macht den Prediger dafür verantwortlich, durch seine Klugheit Menschen zu verändern.

Prediger, die modernen Gottesdienstformen nacheifern, müssen von sich denken, dass sie die Kraft haben, Menschen zu verändern. Auch das ist ein beängstigender Ausdruck von Hochmut.

Wir Prediger können keine Menschen retten, und wir können sie auch nicht heilig machen. Wir können Menschen nicht durch unsere Einsichten und Klugheit verändern oder dadurch, dass wir sie unterhalten bzw. an ihre menschlichen Launen, Wünsche und Ambitionen appellieren.

Es gibt nur einen, der Sünder ändern kann: Gott – und er tut es durch seinen Geist durch das Wort.

Darum: predigen Sie das Wort, auch wenn es gerade aus der Mode ist, das zu tun (2Tim 4,2). Dies ist der einzige Weg, dass Ihr Dienst jemals wirklich fruchtbar sein kann.

Mehr noch: Es garantiert Ihnen, dass Ihr Dienst fruchtbar sein wird, weil Gottes Wort nie leer zu ihm zurückkommt; es wird immer das ausrichten, wozu er es sendet, und ihm wird gelingen, was es bewirken soll (vgl. Jes 55,11).

Der Prediger, der die Botschaft verkündigt, die die Menschen am meisten brauchen, wird oft der Prediger sein, den sie am wenigsten hören wollen. Doch alles, was der Prediger tut, wird – wenn er sich nicht der Auslegungspredigt hingibt – seine Schafe zu einer schwachen, verwundbaren Herde reduzieren.

Für diejenigen unter Ihnen, die das Wort Gottes präzise und vollmächtig verkündigen wollen, weil sie begreifen, dass sie verantwortlich sind, nichts Geringeres zu tun;

für diejenigen unter Ihnen, die dem Richter am Tag der Abrechnung ins Auge sehen wollen und dass er Wohlgefallen an Ihrem Dienst hat;

für diejenigen unter Ihnen, die sich darum bemühen, dass Gottes Wort genauso direkt, überzeugend und kraftvoll durch Sie reden kann, wie er es gegeben hat und für diejenigen unter Ihnen, die erleben wollen, dass Menschen radikal verändert werden und Gott wohlgefällig leben, gibt es nur eines:

die Auslegungspredigt.

 

Aus dem Buch: »Biblisch Predigen« von John MacArthur

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