10 Dinge, die du über Gemeindeleitung wissen solltest

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Gemeindeleitung

1. Älteste sind zu pluraler Leiterschaft berufen. Sie sollen als Team leiten.

Die Bibel spricht selten von Leitern als Einzelkämpfern. Sie spricht von Pluralität. Das ist ein biblischer Beweis dafür, dass neutestamentliche Gemeinden von Leitungsteams geführt wurden. Im Neuen Testament bezeichnet der Begriff „Ältester“ ein Amt, in das ein Mann entweder von anderen Ältesten oder von der Gemeinde auf Grundlage bestimmter Gaben und Charaktereigenschaften, die er besitzt, berufen wird (Tit 1,5-9; 1Tim 3,1-7).
In der Bibel werden verschiedene Begriffe verwendet, um die Rolle des Pastors oder Ältesten zu beschreiben, und die Ältestenteams sind auf unterschiedliche Weisen organisiert. Aber die neutestamentlichen Begriffe für Pastor, Aufseher und Ältester werden nie verwendet, um von einem einzelnen Leiter zu sprechen, der die Gemeinde allein regiert oder leitet. Stattdessen weisen sie auf eine plurale Leitung hin und würdigen diese (Apg 14,23; 15,6; 20,28; Phil 1,1; 1 Tim 4,14; 5,17; Tit 1,5; 1 Pet 5,1-2.5).

2. Älteste müssen miteinander im Einklang sein.

Älteste sind dazu berufen, die lehrmäßigen Abgrenzungen der Gemeinde zu definieren und zu schützen. Dazu sollen sie die Gemeinde gemeinsam in eine festgelegte Richtung führen.
Die Ältesten müssen nicht in allem übereinstimmen, aber sie müssen sich über grundlegende Lehren einig sein; angefangen beim Evangelium und dem besonderen Auftrag ihrer Ortsgemeinde. Die Gemeinde ist eine theologische Gemeinschaft. Deshalb muss sie von geistlichen Männern geleitet werden, die in theologischer Hinsicht miteinander übereinstimmen. Das beginnt mit einer Einheit in der Lehre, die auf einem Glaubensbekenntnis oder auf Lehrüberzeugungen beruht, zu denen sich jeder Älteste bekennt (Eph 4,1-16).

3. Älteste müssen füreinander sorgen.

Man kann Buchhalter sein und gleichzeitig seelisch verstört sein. Man kann Mechaniker sein und gleichzeitig eine zerrüttete Ehe haben oder Kinder, die einen für einen Heuchler halten. Aber die Qualität des Dienstes eines Ältesten hängt entscheidend von seiner geistlichen Gesundheit ab. Um im Dienst zu bestehen, müssen wir unser Herz kennen und wissen, was Gottes Wort zu dem sagt, was wir sehen und was wir nicht sehen können. Wir brauchen eine Gemeindekultur, in der Menschen lernen, füreinander zu sorgen (Gal 5,13-14). Plurale Ältestenschaft ist der Katalysator für solch eine Kultur. Es fängt damit an, wie die Ältesten miteinander umgehen. Die Ältesten müssen Verantwortung übernehmen und durch regelmäßigen Austausch füreinander sorgen.

4. Plurale Ältestenschaft gedeiht unter guter Führung.

Es gibt keinen speziellen Vers, der ausdrücklich lehrt, dass ein Ältestenteam zusätzlich noch einen (älteren) Leiter unter ihnen bestimmen sollte.

Aber von den ersten Seiten der Bibel bis zu den letzten Worten in der Offenbarung zeichnet sich das allgemeine Muster dieser Ordnung ab. Die Notwendigkeit eines „Ersten unter Gleichen“ in der menschlichen Ökonomie findet ihren Widerhall in der Art und Weise, wie sich der Sohn in der Menschwerdung seinem Vater unterordnet (Phil 2,5-11), und in der von Gott festgelegten Ordnung zu Hause (Eph 5,21-33).

Ich möchte deutlich sein. Ein Teamleiter oder – um die andere Bezeichnungen zu gebrauchen – Haupt-/Seniorpastor ist nicht dazu berufen, die Leitung für das Team zu übernehmen. Die Leitung der Gemeinde hat die gesamte Ältestenschaft inne, aber ein weises Ältestenteam wird dennoch einen aus ihrer Mitte mit einem demütigem Charakter, Leitungsgaben und Fähigkeiten für den öffentlichen Dienst dazu beauftragen, eine leitende Rolle im Ältestenteam auszufüllen. Diesen Mann beauftragen sie damit, die Einheit und das Wachstum der Pluralität zu fördern und das Team zu einer weisen Entscheidungsfindung zu führen. Er soll den Ältesten auch helfen, die angemessene Verantwortung und Rechenschaft für die verschiedenen Dienste der Gemeinde zu übernehmen.

5. Ältestenteams müssen sich regelmäßig treffen.

Dieser Punkt löst normalerweise ein kollektives Stöhnen aus. Viele Männer, die ich kenne, scheuen sich vor Treffen, weil sie das Gefühl haben, dass sie damit wichtige Arbeiten unterbrechen. Aber der Ort, von dem aus die Leitung ausgeübt wird, ist die Ältestenversammlung. Wie findet hier die Leitung statt? Die beiden Hebel der Leitung der Ältesten, d. h. die spezifischen Mittel, durch die die Leitung erfolgt, sind: (1) die Entscheidungen, die getroffen werden, und (2) die Richtlinien, die bei den Ältestentreffen beschlossen werden.

Wenn sich die Ältesten versammeln, sollte die Tagesordnung ihrer Treffen das Verständnis widerspiegeln, dass die Ältesten dazu berufen sind, die Gemeinde zu leiten, und nicht dazu, jedes kleinste Detail des Gemeindelebens zu managen. Ein weises Team erkennt, dass ihre Treffen am effektivsten sein werden, wenn sich die Tagesordnung auf die entscheidenden Angelegenheiten beschränkt, also solche, die zur Verdeutlichung von Lehre dienen oder die die Gemeinde in ihrem Auftrag voranbringen. Wir müssen uns auch daran erinnern, dass, wenn Leiter zusammenkommen, Gott mit seiner eigenen Tagesordnung anwesend ist. Wir sollten unsere geplante Tagesordnung mit Vertrauen und Flexibilität angehen und erkennen, dass wir Verantwortung dafür tragen, in unseren Überlegungen geordnet vorzugehen, aber gleichzeitig auch auf Gott zu hören.

6. Älteste müssen sich gegenseitig zur Rechenschaft ziehen.

Pluralität schafft eine Gemeinschaft der Fürsorge, Unterstützung und Rechenschaft, die die Berufung, das Leben und die Lehre der Leiter bewahrt (1Tim 4,14.16; Tit 1,6; Jak 5,16). Wo Pluralität wirklich gelebt wird, werden Pastoren und Älteste in angemessener Weise geliebt und geführt und sie bleiben aktiv und gemeinsam eingespannt. Pluralität erkennt auch die menschlichen Grenzen an. Sie versteht, dass kein Ältester oder Pastor alle Gaben besitzen kann, die Gott zum Segen und Aufbau der Gemeinde einsetzen will (1Kor 12,21). Diese Praxis schützt die Gemeinde vor selbstverliebten Personen, die nach alleiniger und exklusiver Autorität und Kontrolle innerhalb des Teams trachten.

7. Die Ältestenschaft sollte nicht durch externe Experten oder Berater ersetzt werden.

Ich bin Gott dankbar für die vielen besonderen Dienste, die Gott dem Leib Christi gegeben hat. Jede Ortsgemeinde braucht Zugang zu Anwälten, Seelsorgern, Beratern, Lehrern und Ratgebern für Leiterschaft und Gemeindedienste. Diese Menschen können Pastoren und Älteste durch ihre Dienste und ihre geistlichen Gaben schärfen, wichtige Einblicke geben und Ältestenteams helfen, ihre Verantwortung in Weisheit wahrzunehmen. Aber diese Dienste sind dazu da, um die örtliche Ältestenschaft zu ergänzen, nicht um sie zu ersetzen. Dankenswerterweise wissen die meisten Experten, dass sie vor Gott nicht die gleiche Verantwortung für die Ortsgemeinde tragen wie die Ältesten vor Ort. Aber es scheint, dass die Ältesten diesen Punkt manchmal nicht begreifen. In der Praxis bedeutet das, dass das Fachwissen und die Fürsorge der Berater niemals die Weisheit, das Gebet und die Überlegungen der von Gott eingesetzten Hirten verdrängen oder aushebeln darf. Denn „der Heilige Geist [hat sie] zu Aufsehern gesetzt […], um die Gemeinde Gottes zu hüten“ (Apg 20,28).

8. Pluralität erfordert Demut und gegenseitiges Vertrauen.

Demut ist im Grunde das Öl, das den Motor der Pluralität schmiert. Der Prophet Jesaja sagt: “Ich will den ansehen, der demütig und gebrochenen Geistes ist” (Jes 66,2b). Gott hätte so viele verschiedene Möglichkeiten gehabt, die Leiterschaft in der Gemeinde zu gestalten und doch vermute ich, dass unser liebender Vater genau dies im Sinn hatte.
Gott liebt Einheit, darum ruft er uns in ein Team – einen Ort, an dem wir demütig miteinander ausharren und einander vertrauen müssen, um gut und effektiv zusammenzuarbeiten. Gott liebt es, uns heilig zu machen, deshalb bringt er uns mit Menschen zusammen, die uns wachsen lassen. Gott liebt Geduld, deshalb legt er uns eine Art der Leitung auf, die demütiges Zuhören und das Vertrauen darauf, dass er im Leben der anderen wirkt, erfordert. Gott liebt Demut, deshalb hat er uns Pluralität gegeben.

9. Pluralität ist eine große Verantwortung und eine noch größere Freude!

Jedes Mitglied eines Ältestenteams muss seine Rolle und deren Bedeutung verstehen. Jeder Älteste im Team besitzt von Gott die Autorität, als Hirte, Leiter und Beschützer seiner Gemeinde zu dienen. Jeder ist dafür verantwortlich, das Wort der Wahrheit richtig anzuwenden (Tit 1,9-11; 2Tim 2,15). Sie können Autorität an leitende Pastoren oder richtungsweisende Älteste delegieren und sie können bei Gelegenheit einer Arbeitsgruppe Autorität übertragen. Aber als Teil der pluralen Ältestenschaft hat jeder Älteste einen gleichen Anteil an der von Gott gegebenen Autorität für die Gemeinde (1Thess 5,12-13; 1Tim. 3,5; Hebr. 13,7; Apg 20,28). Was ist also, wenn ein Ältester zögerlich ist, Dienste, Versammlungen oder Gelegenheiten, die dem Wohl der Mitglieder dienen, zu prüfen und zu kritisieren? Oder was ist, wenn er es tut, seine Worte aber so relativiert oder abschwächt, dass die konstruktive Kritik verloren geht? Dann sollte er entweder seinen Mut oder seine Berufung überdenken.
Ein zögerlicher Ältester erfährt selten echte Gemeinschaft oder Beziehung zu anderen.

Wenn wir jedoch unsere Verantwortung wahrnehmen, wird der gemeinsame Dienst zu einer großen Freude. Gemeinsam können wir das Risiko eingehen und uns der biblischen Vision der Pluralität verschreiben, aber nicht, weil wir die vollkommene Gemeinschaft hätten – wir sind immer noch gefallen und fehlerhaft -, sondern, weil wir tief im Inneren unserer Seele wissen, dass die einzige Führungsgeschichte, die es sich lohnt, zu schreiben, ein Leben ist, in dem wir gemeinsam leiten. 
Indem wir uns einander verpflichten, entwickeln wir den Mut, offen zu lieben, gnädig zu leiden, ausdauernd weiterzubauen und Gott uneingeschränkt zu vertrauen. Und in unserer demütigen, auf andere ausgerichteten Hingabe aneinander wird Gemeinde gebaut und Menschen gedient.

10. Die Qualität der pluralen Leiterschaft entscheidet über die Gesundheit einer Gemeinde.

Gemeinsame Leiterschaft verhilft uns zu Stärke, Einheit und Integrität. Sie kann unseren Gemeinden helfen, in der Mission und Fürsorge auszuharren. Die Gemeinde kann es sich nicht leisten, dieses wichtige Thema zu vernachlässigen. Mittels der Pluralität bringt Gott die Gemeinde dazu, ihre Aufgabe zu erfüllen.

Gesunde Pluralität muss gemeinsame Überzeugungen, gegenseitigen Respekt, kooperative Beziehungen und ein Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte und Verantwortung verkörpern. Diese Art von Miteinander zu verkörpern, erfordert Zeit und Mühe; ein Ältestenteam wird nicht auf magische Weise zu innigen Brüdern. Aber diese Mühe ist es wert. Die Bewahrung der Pluralität kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Ob man es will oder nicht, die Gesundheit der Gemeinde wird durch die Ältestenkultur bestimmt.

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