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Buchrezension von Benedikt Peters: „Wann ist ein Christ ein Christ?“

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Lesezeit: 4 Minuten

Buchbesprechung

(Lesezeit ca. 4 Minuten)

EBTC: Berlin 2017. 248 S. Paperback: 12,90 Euro.

Der Verfasser beantwortet in diesem Buch die Frage: Wie wird man Christ, und vom wem kann man sagen, er sei Christ? Wie der Untertitel anzeigt, entscheidet sich alles an der Lehre der Rechtfertigung. Wer die biblische Wahrheit von der Rechtfertigung des Sünders aus Glauben allein anders versteht, als es die Bibel lehrt, der ist kein Christ. In vier Kapiteln behandelt der Autor sein Thema. In Kapitel 1 zeigt er die herausragende Bedeutung der Rechtfertigung für die Reformation und damit für den evangelischen Glauben heute. Wie diese in der evangelischen Welt inzwischen verändert worden ist, demonstriert er an der zum Reformationsjubiläum von der EKD herausgegebenen Denkschrift „Rechtfertigung und Freiheit“. Damit ist deutlich gezeigt, dass die Lehre von der Rechtfertigung seit der Reformationszeit bis heute beständig angegriffen und umgedeutet wird; deshalb sind wir aufgerufen, den Kampf um diese Lehre aufzunehmen. Während es in den Tagen Luthers zur Hauptsache die Römische Katholische Kirche war, die auf die Lehren der Reformation im Tridentinum mit ihren Anathemata antwortete, werden diese seit geraumer Zeit auch durch evangelische Theologen angegriffen.

Damit wir erkennen, wo die Abweichungen liegen, müssen wir wissen, dass die Bibel tatsächlich lehrt, dass der Sünder allein aus Glauben an den Sohn Gottes gerechtfertigt wird. Das zeigt der Autor im 2. Kapitel, in welchem er die entscheidenden Abschnitte aus dem Römerbrief erklärt. Hier bekommt der Leser auf 30 Seiten einen knappen Überblick über die ersten acht Kapitel des Römerbriefes und vor allem eine ausgezeichnete Darlegung der Rechtfertigungslehre, gestützt auf den zentralen biblischen Text von Römer 3,21-27. Dabei erläutert und definiert der Autor in willkommener und hilfreicher Weise die entscheidenden Begriffe der Rechtfertigungslehre wie Sünde, Gnade, Glaube, Zurechnung, Sühne, Versöhnung, Stellvertretung.

Das Kapitel 3 wendet sich einem neueren Angriff auf die Rechtfertigungslehre zu, der sogenannten Neuen Paulus-Perspektive, mit welcher der evangelische Theologe Tom Wright „einen Keil zwischen Paulus und Luther treiben wollte und dabei eine Karikatur von Rechtfertigung erfand“, wie Nestvogel sagt. Er belegt mit der Bibel und anhand von Zitaten aus Äußerungen Wrights in überzeugender Weise, wie diese neue Perspektive tatsächlich eine Karikatur der apostolischen Lehre von der Rechtfertigung ist. An der finden erwartungsgemäß besonders römisch-katholische Theologen Gefallen, weil da behauptet wird, Luther habe geirrt; er habe sein eigenes Verständnis von Gesetz und Glauben und Rechtfertigung Paulus übergestülpt. Dass Luther Irrtümer gelehrt habe, hat die Römische Katholische Kirche seit dem Konzil von Trient bis heute ohne Unterlass verkündet, und entsprechend dankbar nimmt man zur Kenntnis, dass da ein evangelischer Theologe das endlich einsieht. Und was der katholischen Seele besonders zusagt, ist die ganze Verlagerung der Neuen Paulus-Perspektive von der Vertikalen auf die Horizontale: Es gehe Paulus im Römer- und im Galaterbrief nicht darum, wie der Sünder ins rechte Verhältnis zu Gott gesetzt werde (also, wie einer Christ wird), sondern darum, wie Juden und Heiden zusammen an einem Tisch Gemeinschaft haben können. Damit propagiert Tom Wright als evangelischer Theologe genau das, was das Allerinnerste des römisch-katholischen Systems ausmacht, nämlich eben die Katholizität. Im katholischen System ist das, was alles sich christliche Nennende zu einer Gemeinschaft verbindet, die Hauptsache; die Beziehung zu Gott ist dem nachgeordnet. Unter der Hand gerät dem selbsternannten Entdecker der „wirklichen Absicht des Apostels Paulus“ das Evangelium des Apostels zum Programm der Ökumene aller christlichen Bekenntnisse, wie folgendes von Nestvogel angeführte Zitat belegt: „Die Lehre von der Rechtfertigung ist … die ökumenische Lehre, die Lehre, die allen unseren kleinlichen und oft kulturell bedingten kirchlichen Gruppierungen eine Absage erteilt und die erklärt, dass alle, die an Jesus glauben, gemeinsam zu der einen Familie gehören … Die Lehre von der Rechtfertigung ist in der Tat die große ökumenischen Lehre.“ Dass „Wrights Rechtfertigungslehre sich als ökumenischer Treibstoff und Druckverstärker erweist“ (Nestvogel), ist offenkundig gerade das, was der großen Mehrheit der Evangelischen und auch vieler Evangelikalen so sehr gefällt.

Das wird im 4. Kapitel deutlich, in dem es zeigt, wie die EKD sich von der Position von Augsburg 1530 entfernt und die Position von Augsburg 1999 eingenommen hat. Das Augsburger Bekenntnis von 1530 war ein klares Bekenntnis zur biblischen Rechtfertigungslehre und damit eine Absage an das katholische Verständnis derselben. In der Gemeinsamen Erklärung von Augsburg 1999 unterwerfen sich evangelische Theologen den Irrtümern Roms. Sehr dankbar muss man dafür sein, wie Nestvogel den Inhalt dieser Erklärung ausbreitet und biblisch scharf ausleuchtet. Was den meisten Lesern unbekannt sein dürfte, ist der ganz im Sinne des päpstlichen Lehramtes formulierte Anhang zur Gemeinsamen Erklärung, die sogenannte „Gemeinsame Offizielle Feststellung“. In der tritt klar an den Tag, dass Rom sich auch in der „Gemeinsamen Erklärung“ von den Bannflüchen des tridentinischen Konzils nicht um Haaresbreite entfernt hat. Während am Reformationstag 1999 in Augsburg die Gemeinsame Erklärung unterzeichnet wurde, erklärte der Papst fast zeitgleich im Rahmen des Angelus-Gebets: „Vertrauen wir den ökumenischen Weg der mütterlichen Fürsorge der heiligen Jungfrau an.“ Was Nestvogel über diesen Hintergrund der Gemeinsamen Erklärung aufdeckt, dürfte für viele Leser ein regelrechter Augenöffner sein. Umso größer ist die Bestürzung darüber, dass dieses Symbol der Einheit so viel Lob von Evangelikalen geerntet hat, wie der Verfasser mit Zitaten belegt. Die Krönung dieser Römisch Katholischen Vereinnahmung der Evangelischen war das „Gemeinsame Wort“ der Protestantischen und Katholischen Kirchen zum Reformationsjahr 2017, das Nestvogel im Anschluss an die „Gemeinsame Erklärung“ analysiert. Wie dieses das Evangelium vollständig verdreht und zum therapeutischen Programm degradiert, bei dem es nur noch um Heilen verletzter Beziehungen geht, ist schier nicht zu fassen. Nestvogel ruft mit seinem Buch auf zum „Evangelischen Widerstand“. Wir müssen die Wahrheit verteidigen und unverdrossen predigen. Es geht um den Artikel, mit dem die Kirche steht oder fällt. Dieser müsse „der Herzschlag unserer Verkündigung“ bleiben. Es müsse uns aber auch bewusst sein, dass „die Predigt von der Rechtfertigung bis zur Wiederkunft des HERRN immer vom Kampf um die Rechtfertigung begleitet sein wird“.

Fazit:

Ein wichtiges Buch mit einer für unsere Zeit absolut notwendigen Botschaft, vorgetragen mit großer Dringlichkeit. Es informiert, es klärt auf, es befestigt in der Wahrheit, es hilft, Position zu beziehen gegen die zahllosen Formen der Verwässerung und Verdrehung des Evangeliums von der Rechtfertigung des Sünders.
Benedikt Peters, CH-9320 Arbon
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