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Gebraucht Gott Krankheit?

J.C. Ryle beschäftigt sich in diesem Artikel mit der Thematik, ob Krankheit etwas Gutes hat und wofür Gott Krankheit gebraucht. "Wenn Krankheit in einer bösen Welt den Menschen dazu bringt, an Gott und seine Seele zu gedenken, dann erwächst der Menschheit ein Nutzen aus Krankheiten."
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Krankheit Gott Christ gut
Lesezeit: 5 Minuten

J.C. Ryle beschäftigt sich in diesem Artikel mit der Thematik, ob Krankheit etwas Gutes hat und wofür Gott Krankheit gebraucht. Kann Krankheit gut sein?

Ich möchte deine Aufmerksamkeit auf das Thema Krankheit lenken. Wir können der Krankheit nicht entkommen; sie wird uns alle einmal treffen.

 1. Krankheit ist Universell verbreitet

Krankheit ist universell und überall. Männer, Frauen und Kinder erkranken und sterben. Krankheit tritt in jeder sozialen Schicht und in den unterschiedlichsten Formen auf.

Warum ist Krankheit universell? Die Bibel gibt die einzige befriedigende Erklärung. Etwas ist in die Welt gekommen, das den Menschen seiner ursprünglichen Privilegien beraubt hat; mit einem Wort: Sünde. „Die Sünde [ist] in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod“ (Röm 5,12). Die Sünde ist die Ursache aller Krankheiten, Gebrechen, Schmerzen und Leiden, die es auf der Erde gibt (1Mo 3,17-19).

2. Kann Krankheit von allgemeinem Nutzen sein?

Kann Krankheit gut sein? Ich bitte alle, denen es schwer fällt, die Verbreitung von Krankheit und Schmerz mit der Liebe Gottes in Einklang zu bringen, darauf zu achten, was in der Welt um sie herum vor sich geht. Beachte, in welchem Ausmaß sich Menschen ständig dem gegenwärtigen Verlust um eines zukünftigen Gewinns willen aussetzen (wie bei der Gründung eines Unternehmens), oder dem gegenwärtigen Kummer um der zukünftigen Freude willen (Züchtigung eines Kindes), oder dem gegenwärtigen Schmerz um der zukünftigen Gesundheit willen (anstrengende körperliche Betätigung). Der Same fällt in die Erde und stirbt, aber wir säen in Hoffnung auf eine zukünftige Ernte.

Wenn du dieses wichtige Prinzip nun darauf anwendest, wie Gott diese Welt regiert, verstehst du, dass Gott Schmerz, Krankheit und Leid zulässt, nicht weil es Ihm gefällt, den Menschen zu plagen, sondern weil Er will, dass Herz, Verstand, Gewissen und Seele des Menschen bis in alle Ewigkeit Nutzen daraus gewinnen. Durch Krankheit hält Gott die Zerstörung, die die Sünde und der Teufel unter den menschlichen Seelen anrichten, im Zaum.

 In welcher Weise lässt Gott Krankheit der Menschheit zum Guten dienen?

1. Krankheit dient dem Menschen als Erinnerungshilfe an den Tod. Die meisten Menschen leben so, als würden sie nie sterben. Krankheit erinnert sie daran, dass sie nicht nur leben, sondern auch sterben müssen. 

2. Krankheit führt dahin, ernsthaft über Gott, seine Seele und die zukünftige Welt nachzudenken. Es ist erstaunlich, mit welcher Macht eine schwere Krankheit dem Menschen diese Gedanken vor die Augen der Seele führt.

3. Krankheit trägt dazu bei, die Herzen der Menschen empfindsam zu machen und sie Weisheit zu lehren. Das natürliche Herz ist so hart wie Stein. Es sieht sein Glück ausschließlich in dieser Welt. Eine lange Krankheit macht offenbar, wie leer die Dinge sind, die die Welt ‚gut‘ nennt und lehrt uns, uns nicht an ihnen festzuklammern.

4. Krankheit hält uns auf dem Boden der Tatsachen und demütigt uns. Wir sind alle von Natur aus stolz und hochmütig. Das Krankenbett hat eine gewaltige Kraft, solche Gedanken zu zügeln. Es zwingt uns, uns der mächtigen Wahrheit zu stellen, dass wir alle sterbliche Geschöpfe sind, die bald am Tag des Gerichts Seite an Seite vor Gott stehen werden. Zweifellos ist alles, was uns diese Lektion lehrt, gut.

5. Schließlich dient Krankheit dazu, den Glauben des Menschen zu prüfen, um zu testen, ob das Bekenntnis echt oder falsch ist. Krankheit ist manchmal äußerst nützlich, um dem Menschen zu offenbaren, dass er kein neues Herz hat (Joh 3,3). Zweifellos ist alles, was uns erkennen lässt, wie es wirklich um unseren Glauben steht, gut.

Wenn Krankheit in einer bösen Welt den Menschen dazu bringt, an Gott und seine Seele zu gedenken, dann erwächst der Menschheit ein Nutzen aus Krankheiten. Wir haben kein Recht, uns über Krankheit zu beklagen; wir sollten Gott lieber dafür danken. Sie zeugt von Gottes Macht und Herrschaft. Solange wir in einer sündigen Welt leben, ist es Gnade, dass es eine Welt ist, in der es Krankheit gibt.

Wenn Krankheit in einer bösen Welt den Menschen dazu bringt, an Gott und seine Seele zu gedenken, dann erwächst der Menschheit ein Nutzen aus Krankheiten.


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„Wenn Gott sowohl allmächtig als auch gut ist, warum gibt es dann so viel Leid, so viele Schmerzen und so viel Kummer in der Welt?“

 


3. Besondere Verpflichtungen in Zeiten der Krankheit

Jetzt fragen wir uns, was wir in einer Welt der Krankheit und des Todes tun sollen. Krankheit erfordert, dass wir stets bereit sind, Gott zu begegnen. Krankheit ist eine Erinnerung an den Tod. Der Tod ist die Tür, durch die wir alle zum Gericht eingehen müssen. Das Gericht ist der Moment, in dem wir Gott endlich von Angesicht zu Angesicht gegenüber treten müssen. Die erste Lektion, die jeder in einer kranken und sterbenden Welt lernen sollte, ist, sich auf die Begegnung mit seinem Gott vorzubereiten. 

Wann bist du bereit, Gott zu begegnen? Niemals, es sei denn deine Missetaten sind vergeben und deine Sünde ist zugedeckt!

Allein das Blut Jesu Christi kann diese Sünden abwaschen (1Joh 1,7). Allein die Gerechtigkeit Christi kann dich vor Gott annehmbar machen. Nur der Glaube – der  einfache, kindliche Glaube – kann dir einen Anteil an Christus und Seinen Segnungen geben (Röm 5,8; Eph 2,8-9).

Krankheit verlangt von uns, dass wir stets bereit sind, sie geduldig zu ertragen. Krankheit ist zweifelsohne eine schlimme Erfahrung für Fleisch und Blut. Um Krankheit geduldig ertragen zu können, müssen wir uns in Zeiten der Gesundheit Gnadenvorräte anlegen.

Und noch eins: Krankheit fordert uns dazu auf, stets bereit sein, mit unseren Mitmenschen mitzufühlen und ihnen zu helfen. Wo immer Krankheit ist, ist auch ein Ruf zur Pflicht. Etwas Unterstützung zur rechten Zeit in manchen Fällen oder ein freundlicher Besuch in anderen, ein freundliches Erkundigen nach dem Wohlbefinden oder ein bloßer Ausdruck des Mitgefühls kann bereits viel Gutes bewirken. Unterstütze sie, wenn sie Hilfe brauchen. Zeige dein Mitgefühl. Versuche, ihnen etwas von ihrer Last abzunehmen. Das kann letztendlich von Gott gebraucht werden, um Menschen zu Christus zu führen (Gal 6,2; Eph 4,32; Apg 10,38).

4. Was wirst du tun, wenn du krank bist? 

Die Zeit wird unweigerlich kommen, da du, genau wie andere, krank wirst und stirbst. Ruhe nicht, bevor du eine zufriedenstellende Antwort geben kannst. Zähle nicht auf eine Buße auf dem Sterbebett. Ein sterbender Dieb wurde gerettet, damit die Menschen nicht verzweifeln, aber es war nur einer, damit sich niemand etwas anmaße.

Wenn du noch nicht bereit bist, Gott zu begegnen, mach dich unverzüglich mit dem Herrn Jesus Christus bekannt. Von all den Glücksspielen dieser Welt, gibt es keines, was so leichtsinnig ist wie das desjenigen, der sein Leben lebt, ohne auf die Begegnung mit Gott vorbereitet zu sein. Fliehe zu Christus und werde gerettet; tue Buße und kehre um (Joh 3,16).  

Als nächstes ermahne ich alle wahren Christen, Gott in Zeiten der Krankheit zu verherrlichen. Du kannst Gott durch geduldiges Leiden ebenso verherrlichen wie durch aktives Arbeiten. Denk daran, dass diese Prüfung, die du so stark empfindest, aus Liebe, nicht aus Zorn, gesandt ist.

Gedenke des Mitgefühls, das Jesus für alle Seine schwachen Glieder hat. Krankheit und Leiden machen die Gläubigen in ihrem Erleben mehr ihrem Herrn ähnlich als Gesundheit. 

Schließlich lass uns uns enger an Christus klammern, Ihn inniger lieben, bewusster für Ihn leben, Ihn genauer nacheifern, Ihn mutiger bekennen und Ihm hingegebener folgen. In Zeiten der Krankheit wird uns das Frieden bringen. In der kommenden Weltzeit wird es uns „den unverwelklichen Ehrenkranz“ bringen (1Pet 5,4).

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus J.C. Ryle’s Buch über Krankheit (engl. ‘Sickness‘, als Download verfügbar unter https://www.chapellibrary.org/book/sick)

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