Meine Kinder schauen Pornografie

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Meine Kinder schauen Pornografie

Meine Kinder schauen sich Pornografie an!

Ich höre diese Aussage so oft: „Was mache ich nur? Meine Kinder schauen sich Pornografie an!“ Vor nicht allzu langer Zeit schrieb mir eine Mutter, dass sie und ihr Mann ihren Kindern im Vorteenageralter erlaubt hatten, auf das Internet zuzugreifen, um ein Videospiel zu spielen. Sie gingen davon aus, dass sie den Jungs genug beigebracht und sie ausreichend erzogen hatten, um den etwaigen Versuchungen des Internets zu widerstehen. Jedoch hatten sie sich geirrt und vor Kurzem herausgefunden, dass sich die Jungs seit vier Monaten, immer wenn Mama und Papa das Haus verließen, um gemeinsam auszugehen oder einige Erledigungen zu machen, Pornografie anschauten. Was sollten die Eltern nun tun? Wie sollten sie darauf reagieren?

Eine andere Mutter erzählte mir von einer Freundin, deren kleine Tochter früh morgens aufwachte und das Familien-iPad nutzte, um sich Pornografie anzuschauen. Sie war noch ein Kind und doch bereits süchtig nach Pornografie. Wie sollte sich diese Mutter nur verhalten?

Pornografie hat sich in der Gesellschaft regelrecht etabliert

Die meisten Männer in meinem Alter oder älter können sich an eine Zeit erinnern, wo Pornografie selten und tabu war. Seitdem es Kameras gibt, gibt es auch Pornografie (und bestimmt auch davor in rudimentäreren Formen). Früher war sie allerdings schwer zugänglich und wurde als schändlich und nicht salonfähig betrachtet. Heutzutage sieht das ganz anders aus. Die Pornografie hat sich in der Gesellschaft regelrecht etabliert.

Was ehemals eine peinliche Sucht war, ist heute zur Pointe in vielen Witzen und zum Thema vieler Fernsehkomödien geworden; und Pornostars genießen heutzutage sogar ein gewisses Ansehen. Es ist wohl bezeichnend, dass man heute immer weniger von „Pornodarstellern“ als vielmehr von „Pornostars“ spricht, als ob dieser Branche an und für sich etwas Glamouröses anhaften würde.

Der Einfluss von Medien und Social Media

Bücher, Zeitschriften und Social Media Artikel auf Instagram, TikTok und YouTube ermutigen uns, Pornografie zu konsumieren und zu genießen, um somit unsere fade gewordenen sexuellen Beziehungen etwas aufzupeppen. Wir leben eindeutig in einer Zeit, in der es mittlerweile ungleich schwieriger geworden ist, Pornografie zu vermeiden, als sich Zugang zu ihr zu verschaffen.

Und dann gibt es da noch diese beängstigenden Statistiken, die offenlegen, dass Männer und Jungs Pornografie konsumieren wie nie zuvor. Darüber hinaus werden nun auch Frauen und Mädchen an sie herangeführt und sogar ermutigt, sie als etwas Normales für das weibliche Geschlecht zu betrachten. Der Inhalt einer E-Mail zum Beispiel, die ich kürzlich erhalten habe, lässt mich einfach nicht los. Sie kam von einem vierzehnjährigen Mädchen, das gegen Pornografiesucht ankämpft.

Pornos gehören mittlerweile zum Erkennungszeichen unserer Kultur und sind ein Teil unseres Lebens geworden. Die Sexualität einer gesamten Generation von Kindern wird nicht durch Gespräche mit ihren Eltern geprägt, sondern durch professionelle Pornoproduzenten, die alles – und wirklich alles – Erdenkliche tun, um aus reiner Profitgier eine schier unersättliche Lust auf immer mehr Perversion zu füttern und die Nachfrage anzuheizen.

Früher oder später werden unsere Kinder pornografische Filme und Bilder zu Gesicht bekommen

Früher oder später werden unsere Kinder der Pornografie ausgesetzt werden – da brauchen wir uns gar nichts vorzumachen! Wenn nicht durch die Schule, passiert es möglicherweise sogar durch Gemeindekontakte oder durch eine scheinbar unschuldige Google-Suche. Doch früher oder später werden unsere Kinder pornografische Filme und Bilder zu Gesicht bekommen und als Eltern müssen wir darauf vorbereitet sein.

Inmitten dieser schmerzlichen Realität kann es schwer sein, Gefühle der Verzweiflung zu vermeiden und aufrichtig zu glauben, dass irgendjemand oder irgendetwas diesem Problem beikommen kann. Man braucht kein Prophet zu sein, um in die Zukunft zu schauen und eine Zeit zu sehen, in der Menschen völlig zerbrochen sind und deren Sicht auf die eigene Sexualität durch den unentwegten Pornografiekonsum untergraben und zerstört wurde. Wir sehen sogar jetzt schon, wie unsere Kinder und Kindeskinder von ihr umgeben aufwachsen und in ihren Bann gezogen werden.

Ich verfolge deshalb mit diesem Artikel das Ziel, dir als Elternteil das rechte Verständnis, die korrekte Theologie und die praktischen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit du deine Kinder vor den schädlichen Auswirkungen der Pornografie beschützen kannst. Lasst uns mit diesem Ziel vor Augen beginnen.

Unsere von der Pornografie durchsetzte Kultur

„Pornobertät“ ist ein Begriff, den ich selbst geprägt habe, um etwas zu beschreiben, was ich hunderte von Malen erlebt habe. Ich definiere Pornobertät als das Zeitfenster, in dem ein Mensch alt und reif genug ist, um zu wissen, dass Pornografie falsch ist und dass sie einen hohen Preis fordert, aber gleichzeitig zu unreif bzw. abgestumpft ist, um etwas dagegen zu tun. Es ist die Phase, in der eine Person die Schuld ihrer Sünde spürt, sie aber noch zu sehr genießt, um sie aufzugeben oder ans Licht zu bringen. Es handelt sich um einen sehr gefährlichen Daseinszustand.

Pornofiziert

Tausende von jungen christlichen Männern und Frauen lassen sich durch die Pornografie ihrer besten Jahre berauben. Die Pornografie beherrscht ihr Leben in ihrer Teenagerzeit und in ihren Zwanzigern, wenn sie viel Energie und wenig Verantwortung haben, wenn ihnen die Welt mit ihren unendlichen Möglichkeiten zu Füßen liegt und sie dabei sind, den Weg einzuschlagen, der ihr Leben letzten Endes prägen wird. Ihre Träume und Fähigkeiten werden durch ein unbekümmertes Sich-der-Sünde-Hingeben durcheinandergebracht und gedämpft. Unsere „pornofizierte“ (d. h. von der Pornografie durchsetzte – ein weiterer Begriff, den ich geprägt habe) Kultur hat diese jungen Menschen in ihren Bann gezogen.

Beunruhigende Statistiken

Das erste Smartphone, das erste Tablet, der erste Laptop – diese Ereignisse im Leben eines jungen Menschen sind heutzutage zu Ritualen geworden, die das Heranwachsen kennzeichnen. Wir schenken unserer Tochter ihr erstes Smartphone und sie kriegt sich kaum ein vor Freude.

Obwohl wir wissen, dass es da draußen im Internet viel schlechtes Zeugs gibt, können wir uns niemals vorstellen, dass sie, unser kleines Mädchen, sich so etwas jemals anschauen würde oder je irgendwohin surfen würde, wo ihr so etwas begegnen könnte. Wir schenken unserem Teenager seinen ersten Laptop, weisen ihn auf die Verantwortung hin, die er nun hat, und schicken ihn los. Wir nehmen uns vor, in ein paar Wochen noch einmal nachzufragen, und sind uns doch sicher, dass er das gut hinbekommt. „Er wird ja bestimmt mit mir reden, falls er irgendwelche Fragen hat oder irgendwelchen Versuchungen begegnet.“

Doch Statistiken lügen nicht. Den jüngsten Forschungen zufolge

  • wird 52 Prozent der Pornografie mittlerweile auf mobilen Geräten konsumiert;
  • handelt es sich bei jeder fünften Suche auf einem mobilen Gerät um eine Suche nach Pornografie;
  • ist zwölf Jahre das Durchschnittsalter für den ersten Kontakt mit Pornografie;
  • kommen 90 Prozent aller Jungs und 70 Prozent aller Mädchen mit Pornografie in Berührung, ehe sie achtzehn Jahre alt sind;
  • verheimlichen 71 Prozent aller Teenager ihr Onlineverhalten vor ihren Eltern;
  • Social-Media-Plattformen spielen für diese Altersgruppe dabei als Quelle eine Rolle
  • sind 28 Prozent aller Sechzehn- bis Siebzehnjährigen beim Onlinesurfen unbeabsichtigt an Pornografie geraten.

Zwei Forschungsstudien zur Pornografie

Während meiner Recherchen bin ich auf zwei Berichte gestoßen, die in Verbindung miteinander standen. Der erste erschien in The Independent unter dem Titel „Unsere Sexsucht schädigt sowohl Jungen als auch Mädchen“. Der Artikel griff die Ergebnisse einer Studie auf, die von der amerikanischen Gesellschaft der Psychologen durchgeführt wurde und feststellte, dass „die Darstellung von Mädchen und Frauen als Sexobjekte der geistigen und körperlichen Gesundheit von Mädchen schadet“. Dieser Artikel fasste die Gefahren folgendermaßen zusammen:

Die Sättigung mit sexualisierten Bildern von weiblichen Personen führt bei weiblichen Kindern zum Hass des eigenen Körpers, zu Essstörungen, geringem Selbstwertgefühl, Depressionen, zunehmenden Teenagerschwangerschaften und einer ungesunden Sexualentwicklung. Sie führt darüber hinaus zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Kurzum, wenn wir den Mädchen beibringen, dass ein ‚sexy‘ Erscheinungsbild für sie die einzige Möglichkeit darstellt, um Bestätigung zu bekommen, anstatt sie zu ermutigen, sich in dieser Welt aktiv einzubringen, werden sie in jeder anderen Hinsicht hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Doch die Folgen der Sexualisierung der Mädchen sind noch viel verheerender als das. Die Vergewaltigungszahlen sind auf ein erschreckendes Maß angestiegen und jede dritte Frau wird irgendwann in ihrem Leben zum Opfer von Stalking, sexueller Nötigung oder sexuellen Übergriffen. Bei den Männern, die diese Verbrechen verüben, handelt es sich nicht um eine kleine Gruppe psychotischer Einzeltäter, sondern um ein weites Spektrum augenscheinlich normaler Typen, die mit der Einstellung aufgewachsen sind, Frauen existierten lediglich zu ihrer eigenen Lustbefriedigung.

Da dieser Bericht von der amerikanischen Gesellschaft der Psychologen verfasst und interpretiert wurde, sind einige der Schlussfolgerungen nicht biblisch und die Autoren vermeiden es tunlichst im Rahmen all ihrer Schlussfolgerungen anzuerkennen, dass es sich dabei letztendlich um Sünde handelt, die sich gegen Gott richtet. Dennoch stimme ich mit vielen der Schlussfolgerungen überein. Eine von ihnen scheint besonders zutreffend zu sein.

Die Sexualisierung von Mädchen zerstört nicht nur das Leben von Mädchen und Frauen, sondern sie hält Jungs und junge Männer davon ab, mit Mädchen und Frauen als komplexe menschliche Wesen, die viel zu bieten haben, umzugehen. Sie hält Jungs davon ab, mit Mädchen und Frauen gesunde Freundschaften einzugehen und funktionierende Beziehungen aufzubauen. Stattdessen fördert sie es, dass sie sich zu potentiell gewalttätigen Missbrauchstätern, Vergewaltigern und Freiern entwickeln. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass Jungs nicht die Freiheit haben, sie selbst zu sein, ihre eigene Menschlichkeit [und gottgegebene Männlichkeit] zu erkennen.

Pornografie hält Jungs davon ab, normale und gesunde Beziehungen mit Mädchen zu pflegen. Bei der Pornografie schwingt unausgesprochen das Verständnis mit, dass Frauen (und zunehmend auch Männer) existieren, um für die Lüste anderer ausgebeutet zu werden. Frauen sind nicht als Freundinnen anzusehen, oder dazu da, um umworben bzw. bewundert zu werden. Sie sind vielmehr dazu da, um erobert, benutzt und danach entsorgt zu werden. Jungs, die sich in Pornografie verstricken, sind nicht in der Lage, ihrer gottgegebenen Rolle als Leiter und Beschützer nachzukommen. Stattdessen werden sie zu Ausbeutern.

Eltern wissen oft von nichts

Die Lese-App, die ich für meinen Webbrowser nutze, führte mich zu einer zweiten beunruhigenden Studie. Diese wurde von der Forscherin Sonya Thompson an der Universität von Alberta durchgeführt. Sie hat 429 ländliche und städtische Schüler im achten Schuljahr, die zwischen dreizehn und vierzehn Jahre alt waren, einen Fragebogen ausfüllen lassen. Im Bericht heißt es: „Sie fragte nach dem Kontakt mit und dem Konsum von sexuell eindeutigen Inhalten im Fernsehen, auf DVD, in Kinofilmen und im Internet sowie hinsichtlich des Austausches mit ihren Eltern über solche Inhalte“.

Sie stellte fest, dass sich 35 Prozent der Jungs und 8 Prozent der Mädchen bereits mehr pornografische Inhalte angesehen hatten, als sie zählen können. Noch beunruhigender war der Umstand, dass die Eltern dieser Kinder von der Sucht ihrer Zöglinge überhaupt keine Ahnung hatten. Thompsons Schlussfolgerungen waren denen der amerikanischen Gesellschaft der Psychologen sehr ähnlich.

Auch sie sagte, dass sexuell neugierige Teenager, die sich Pornografie anschauen, die falsche Botschaft bezüglich gesunder Sexualität erhalten und nicht zwischen Schauspielern, die für ihre Darstellung bezahlt werden, und Sexualität in der realen Welt unterscheiden können. Es ist eine Tatsache, dass Kinder sich in ihrem Verständnis von Sexualität in zunehmendem Maße durch Pornografie und insbesondere durch die Internetpornografie prägen lassen.

Sie denken dass normaler Sex der Vergangenheit angehört

Ich persönlich finde es äußerst erschreckend, dass Kinder von abnormalem, perversem Sex erfahren, ehe sie überhaupt verstanden haben, was eigentlich normaler und reiner Sex ist. Sie füllen ihren Sinn mit Ausbeutung, Vergewaltigung, Homosexualität, Sodomie, Entwürdigung und Brutalität, noch lange bevor sie darüber nachdenken, dass Sex eigentlich liebevoll, zärtlich und leidenschaftlich sein soll und auf Gegenseitigkeit beruht.

Jungs und Mädchen wachsen heutzutage mit der Einstellung auf, dass normaler Sex der Vergangenheit angehört. Und bei alledem scheinen sich ihre Eltern dessen nicht bewusst zu sein und nicht die leiseste Ahnung davon zu haben, dass ihre Kinder sich unentwegt eine Perversion nach der anderen reinziehen.

Das getarnte Monster

Das Problem der Pornografie wird in christlichen Kreisen so oft thematisiert, dass es Gefahr läuft, zum Klischee zu werden. Doch die tatsächlichen menschlichen Gefahren, die von ihr ausgehen – in körperlicher, emotionaler, psychologischer und geistlicher Hinsicht – sind Realitäten, die wir nicht übersehen dürfen. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Pornografie ein Teil unseres Lebens oder des Lebens unserer Kinder wird (bzw. bleibt!). Wir müssen sie als die Ungeheuerlichkeit erkennen, die sie in Wahrheit ist. Dabei ist es hilfreich, die Pornografie als das zu entlarven, was sie in Wahrheit ist: verhöhnend, gewalttätig und fortschreitend.

Der verhöhnende Aspekt

Pornografie verhöhnt Gottes Absicht, die er mit der Sexualität verfolgt. Das zeigt sich darin, dass sich alle pornografischen Botschaften direkt gegen Gottes Absichten richten. Hier sind zwei Beispiele für die Lügen, die sie propagiert:

  • Während Gott sagt, dass der Zweck der Sexualität darin besteht, dass zwischen einem Ehemann und seiner Frau eine Einheit aufgebaut wird, behauptet die Pornografie, dass es darum geht, ein jegliches empfundenes Bedürfnis mit einem jeglichen Partner zu befriedigen, ganz egal, ob die andere Person dazu bereit ist oder nicht. Dabei geht die Pornografie so weit zu sagen, dass Sex alles Mögliche ist, nur nicht ein intimer Körper- und Seelenkontakt zwischen zwei einwilligenden Ehepartnern.
  • Gott sagt, dass sexuelle Lust in einem gezügelten Kontext gut ist, weil sie einen Mann dazu bewegt, seiner Frau nachzugehen (und umgekehrt). Doch Pornografie behauptet, dass sexuelle Lust nicht gezügelt werden kann und nicht gezügelt werden sollte, sondern dass man dieser Lust gestatten sollte, uns zu jeglicher Person hinzuziehen, die wir attraktiv finden.

Die von der Pornografie propagierten Lügen bedrohen das Leben und die Seelen unserer Kinder. Der Apostel Paulus warnt uns vor der trügerischen Macht der Sünde:

Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten. (Gal 6,7–8)

Laut der Bibel ist derjenige, der gottesfürchtige Erkenntnis, Unterweisung und biblische Warnungen ablehnt, ein Narr und verhöhnt somit das heilige Anliegen Gottes (Spr 1,7.22). Wir wollen bereit sein, unsere Kinder zu warnen, damit sie nicht in das Verhaltensmuster eines Toren verfallen. Stattdessen wollen wir ihnen helfen, in der Weisheit zu wachsen, die Gott wohlgefällig ist.

Der gewalttätige Aspekt

Pornografie führt dazu, dass unser eigentliches Verständnis von Sexualität, Männlichkeit und Weiblichkeit umgestaltet wird. Sie ist von ihrem Wesen her gewalttätig und lieblos. Es geht ihr nicht um gegenseitige Liebe, Fürsorge und Hingabe, sondern darum, jemand anderen zu erobern und zu bezwingen, bei jemand anderem sozusagen seinen „eigenen Willen durchzusetzen“ (eine gängige Formulierung, die tief blicken lässt).

Sie reißt Liebe und Sex auseinander, sodass nur noch der Sex als die unmittelbare Befriedigung niederer Gelüste übrigbleibt. Sie lebt sich jenseits jeglicher Regeln, jeglicher Ethik und jeglicher Moralvorstellungen aus. In dieser Hinsicht ist sie eine Perversion der Sexualität und keine legitime Ausdrucksweise derselben. Sie wirbt somit für Verdorbenheit und Entwürdigung auf Kosten gegenseitigen Lustgewinns und gemeinsamer Intimität.

Ist es möglich, dass Pornografie manchmal einem auf Gegenseitigkeit beruhenden, hingebungsvollen Liebesakt ähnelt? Natürlich, aber glaube auch nicht nur für einen Augenblick, dass man dadurch diesen gewalttätigen Aspekt abtun kann. Jeder, der Pornografie ehrlich beurteilt, muss zugeben, dass sie keineswegs die Absicht verfolgt, sich auf quasi-legitime Darstellungen zu beschränken. Warum? Weil Pornografie zudem fortschreitend ist.

Der fortschreitende Aspekt

Das liegt im Wesen der Sünde, nicht wahr? Sünde ist lüstern. Sie ist stets fortschreitend. Im Buch der Sprüche heißt es:

Totenreich und Abgrund sind unersättlich; ebenso unersättlich sind auch die Augen der Menschen. (Spr 27,20)

Sünde kann nie genug bekommen. Sie ist unersättlich. Sie strebt stets danach, ihre gegenwärtigen Grenzen zu sprengen. Reicht man ihr den kleinen Finger, greift sie gleich nach der ganzen Hand.

Hat dir der fortschreitende Aspekt deiner eigenen Sünde schon einmal Angst gemacht? Vielleicht hast du schon einmal erlebt, wie eine konkrete Sünde dabei war, dein Leben an sich zu reißen. Du dachtest, dass du die Kontrolle über deine sündige Angewohnheit hast, doch dann musstest du plötzlich feststellen, dass die Sünde zur nächsten Stufe fortgeschritten war. Du hattest keine Kontrolle mehr darüber – mittlerweile war es die Sünde, die den Ton angab und du wurdest mehr und mehr auf den „Beifahrersitz“ abgeschoben und gehorchtest nur noch den Impulsen deines Fleisches. Das ist eine beängstigende Situation, nicht wahr?

Ein nackter Körper ist alles, was das Auge braucht. Ein einziger Blick liefert genug Treibstoff für weite Strecken. Doch es dauert nicht lange, ehe das Fleisch nach mehr verlangt. Die Sünde strebt danach, sowohl das Herz als auch den Körper zu beherrschen und beide in Knechtschaft zu bringen (Röm 6,16). Jeder, der schon einmal Pornografie konsumiert hat, kann sich damit identifizieren. Was einmal befriedigend war, ist jetzt langweilig.

Bestimmte Dinge, die dich anfangs interessiert und erregt haben, scheinen nun ziemlich fade zu sein. Das, was früher abstoßend war, beginnt dich zu faszinieren. So ist Sünde nun einmal. Sie fordert immer mehr von dir.

Wenn sich jemand der Pornografie hingibt, verändert sich nach und nach seine Wahrnehmung bzgl. der Sexualität. Sex ist plötzlich nicht mehr auf normalen Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau begrenzt. Stattdessen wird er zu einer Reihe von Akten, die in mancherlei Hinsicht sogar unangenehm und entwürdigend sind. Unterschwellig und unnachgiebig formt die Pornografie das Herz und den Sinn auf sehr reale Weise um.

Dies ist eine Versuchung, der unsere Kinder begegnen werden. Es wird passieren. Wie ich bereits in der Einleitung gesagt habe, müssen wir als Eltern darauf vorbereitet sein.

Eine Theologie der Sexualität und Selbstbefriedigung

Es gibt die eine oder andere Unterhaltung mit unseren Kindern, die uns schwerfällt – die uns sogar peinlich ist. Doch es ist unsere elterliche Aufgabe, unsere Kinder zu beschützen, indem wir ihnen Wissen vermitteln – Wissen, das ihnen helfen wird, mit Situationen fertig zu werden und Fragen zu beantworten, die ihnen in den Sinn kommen.

Wenn du ihnen keine Antworten bietest, werden sie sich an ihre Freunde oder an Google wenden. Und die Antworten, die sie dort bekommen, werden vermutlich nicht so gut sein. Deshalb wollen wir einmal darüber nachdenken, wie wir mit unseren Kindern über Sexualität und das heikle Thema der Selbstbefriedigung, das mit Pornografie in enger Verbindung steht, reden können.

Endlich!

Als Gott seinen Lebensodem in den Staub der Erde hauchte und ein menschliches Wesen formte, erschuf er nur eine Person, einen Menschen. Adam war der erste und vorrübergehend einzige Mensch. Gott hatte Männlichkeit und Weiblichkeit zwar bereits in seinen Gedanken ersonnen, doch bis dahin wandelte nur ein Mensch auf der Erde.

War Eden unvollständig angesichts der Abwesenheit von Sex und Ehe? Keineswegs! Das Paradies würde mit diesen Konzepten nur noch besser werden, denn laut Gottes eigener Aussage war es „nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1Mo 2,18b). Als Adam schließlich seine Frau erblickte, brach er in Lobgesang aus und rief:

Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll ‚Männin‘ heißen; denn vom Mann ist sie genommen! (2Mo 2,23)

Lies nicht zu schnell über das Wort „endlich“ hinweg! Durch diese Zeit des Suchens und Auf-Gott-Wartens lernte Adam das zu schätzen, was Gott ihm letzten Endes zukommen ließ – ein Geschenk seiner Gnade. Als Eva auf der Bildfläche erschien, kam es gleichzeitig zu der einzigartigen Beziehung, die wir nun Ehe nennen. Die Zeit der Ehelosigkeit war für Adam nun vorüber und ihr Zweck hatte sich erfüllt. Die Gelegenheit zu sexueller Zweisamkeit war nun gekommen. Es war eine gute Sache. Eine sehr gute Sache. Und im rechten Rahmen ist sie das immer noch.

Sexualität ist etwas Gutes

Gott hat uns Sexualität geschenkt, weil sie die einzigartige Kraft besitzt, einen Ehemann zu seiner Frau hinzuziehen und eine Frau zu ihrem Ehemann. Gott weiß das, weil er derjenige ist, der Sexualität erfunden hat!

Er hat Sexualität zu weit mehr gemacht als nur zur Summe ihrer Bestandteile. Sicher, wir könnten Sexualität anhand von Körperteilen und Hormonen beschreiben, doch wir würden sie dadurch nicht besser verstehen, als wenn wir einen Kuchen lediglich anhand seiner Zutaten – Mehl, Milch und Eier – beschreiben würden (oder die Beschreibung des Abendmahls lediglich auf das Essen des Brotes und das Trinken des Kelches reduzieren würden).

Sexualität bzw. der Geschlechtsverkehr geht weit über die körperliche Verbindung hinaus: Er erstreckt sich auf emotionale und geistliche Aspekte. Durch die sexuelle Vereinigung werden zwei Menschen eins. Sie werden aneinander gebunden. Die sexuelle Vereinigung birgt ein Geheimnis, das in seiner Auswirkung wohl nur mit der Vereinigung der Gemeinde mit Gott verglichen werden kann, wenn sie in ihn hineingepflanzt wird.

Mit der Sexualität hat Gott uns etwas geschenkt, das auf bemerkenswerte Weise gewaltig ist. Und deshalb war es weise von ihm, ihr strikte Grenzen zu setzen. Er hat jedes Recht dazu, weil er derjenige ist, der die Sexualität geschaffen und ihr ihre Funktion verliehen hat.

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ‚Du sollst nicht ehebrechen!‘ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Mt 5,27–28)

Der Geschlechtsakt soll deshalb ausschließlich zwischen einem Ehemann und seiner Frau geschehen und darf nicht auf andere, sei es vor oder während der Ehe, ausgeweitet werden.

Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems: Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt! (Hl 8,4)

Sex darf nicht erregt oder erweckt werden, ehe der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Doch Pornografie tut genau das. Sie füttert oft die Lust, ehe Gott für ein legitimes Ventil gesorgt hat. Dies führt oft zur Angewohnheit der Selbstbefriedigung.

Gott hat uns mit dem Verlangen nach Sexualität und mit der Fähigkeit geschaffen, den Sex vollends zu genießen. Dieses sexuelle Verlangen bewegt einen Mann, um eine Frau zu werben und sie zu heiraten, sodass die beiden gemeinsamen sexuellen Verkehr genießen können. Dieses Verlangen bewegt den Ehemann auch weiterhin, seine Frau zu umwerben, selbst nachdem sie verheiratet sind.

Ohne dieses Verlangen, diesen Appetit, wäre es viel unwahrscheinlicher, dass wir der Erfüllung unserer gottgegebenen Pflicht nachgehen würden, Sex zu haben (und sehr viel davon), wodurch wir Zweisamkeit und Einigkeit erfahren (ebenfalls sehr viel davon). Deshalb ist dieses Verlangen ein Geschenk Gottes, das seine gottgewollte Erfüllung auf nur eine Art und Weise findet – in der Ehe.

Sprich mit deinen Kindern

Sprich mit deinen Kindern über den Zweck der Sexualität, den Gott verfolgt und warne sie vor der Pornografie, ehe sie ihr zum ersten Mal begegnen.

In meiner Generation waren die meisten von uns Jungs wahrscheinlich dreizehn oder vierzehn, als wir zum ersten Mal mit Pornografie in Berührung kamen, und es war normalerweise selbst dann schwierig, sich Zugang zu verschaffen. Heutzutage ist sie nur eine Google-Suche entfernt und die meisten Kinder kommen schon viel früher damit in Berührung.

Bringe deinen Kindern bei, was es mit echtem und reinem Sex auf sich hat und was Gottes Plan ist bzw. was er sich darunter vorstellt. Rede mit ihnen über Pornografie. Und gib dich nicht damit zufrieden, ihnen einfach zu sagen: „Pornografie ist schmutzig und ekelerregend“, sondern erkläre, warum sie daran interessiert sein könnten, was sie mit ihnen macht und wie sie reagieren sollten, wenn (nicht falls) sie damit in Berührung kommen.

Hierbei geht es nicht um eine typische Aufklärungslektion über die Tatsache, dass eben „nicht der Storch die Kinder bringt“, die man dann ein für alle Mal hinter sich bringt, sondern um eine andauernde Unterhaltung, die man immer wieder führen muss.

Rede unentwegt mit deinen Kindern, kenne deine Kinder und fordere sie heraus

Lebe Reinheit, Liebe und Respekt in deiner eigenen Ehe vor. Lass deine Kinder sehen, wie gesunde Beziehungen ausgelebt werden, damit deine Worte über die verheerenden Folgen der Pornografie und des Behandelns von Frauen als sexuelle Objekte einen Kontrast liefern zu dem, was gut, wahr und natürlich ist.

Bete für deine Kinder. Wir leben in einer schrecklich verdrehten Kultur, in der alles auf den Kopf gestellt wird. Wir sind dabei, den „Lohn“ von dem zu ernten, was Generationen des wild um sich greifenden Feminismus angerichtet haben und sehen nun deutlich, dass wir nicht weiter Frauen (oder Männer) ausbeuten können oder zulassen können, dass Jungs Mädchen ausbeuten, ohne dabei ernsthafte Konsequenzen davonzutragen.

Unsere Kinder sind in großer Gefahr und Gott allein hat die Kraft, sie zu bewahren. Es gibt Hoffnung!

Dieser Artikel ist aus dem Buch »Meine Kinder schauen Pornografie«. Den kompletten Inhalt und praktische Hinweise, wie du deine Familie vor den Gefahren der Pornografie schützen kannst, findest du in diesem Buch von Tim Challies. Du kannst das Buch hier bestellen.

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