Inspiration und Autorität der Bibel – sieben Eigenschaften

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Inspiration und Autorität der Bibel

Die Bibel ist Gottes Offenbarung. Darum besitzt sie göttliche Autorität. Sie ist wie Gott heilig und deshalb ohne Fehler. So wie wir Gott bedingungslos vertrauen, vertrauen wir seinem Wort; ja, wir können Gott gar nicht anders glauben und gehorchen, als dass wir seinem geschriebenen Wort glauben und gehorchen.

Das ist das Fundament. Aus unseren Überzeugungen zur Autorität der Bibel müssen sich deutliche Früchte im Leben zeigen, und zwar gilt das

  1. für unser persönliches Glaubensleben,
  2. für unser Leben in der örtlichen Gemeinde,
  3. für unsere Mitarbeit am Missionsbefehl.

 

Diese drei Bereiche werden unausweichlich von unserer Bibelhaltung geprägt sein. Erst, wenn unsere Bibelhaltung in diesen drei Bereichen sichtbar wird, können wir von uns sagen, wir seien „bibel­treu“; denn Bibeltreue heißt rechter Glaube und rechtes Tun.

Sieben Eigenschaften der Heiligen Schrift

Die Schrift besitzt Autorität

Geh und rufe vor den Ohren Jerusalems und sprich: So spricht der HERR: Ich gedenke dir die Zuneigung deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes, dein Wandeln hinter mir her in der Wüste, im unbesäten Land. – Jeremia 2,2

Die Bibel hat ihre Autorität von Gott. Weil sie Gottes Wort ist, hat sie Autorität in sich selbst. Sie bedarf keiner Autorisierung durch irgendeine menschliche Instanz. Weil die Bibel Gottes Wort ist, ist sie für das Volk Gottes die alleinige Autorität. „So spricht der Herr” ist die Formel, die Gottes Propheten vor ihre Aussprüche stellten. „Es steht geschrieben” ist die Formel, die die Apostel gebrauchen, um eben damit auszudrücken, dass allein das geschriebene Wort in den Fragen des Heils, des Glaubens und des christlichen Wandels normativ ist. Die Schrift besitzt

  • normative Autorität – sie ist die Norm allen Glaubens und sittlichen Urteilens.
  • kausative Autorität – sie verursacht im Glaubenden Zustimmung und damit Gehorsam. So gewinnt Gottes Wort Autorität über das Leben des Einzelnen.

Wenn wir das Bekenntnis Sola Scriptura ernstnehmen, stellen wir uns als Christen beständig dieser Autorität. Wir müssen bereit sein, uns von Gottes Wort überführen, zurechtweisen und unterweisen zu lassen (2.Timotheus 3,16). Nur dann werden wir „zu jedem guten Werk völlig geschickt“ sein, werden wir als gläubige Gemeinde allen in 2.Timotheus 3 beschriebenen Herausforderungen gewachsen sein.

Die Schrift ist vollkommen und irrtumslos

Die Worte des HERRN sind reine Worte – Silber, das geläutert im Schmelztiegel zur Erde fließt, siebenmal gereinigt. – Psalm 12,7

„Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und in allen ihren Teilen, bis in die einzelnen Wörter der Originalhandschriften, von Gott inspiriert wurde. Wir verwerfen die Ansicht, dass die Inspiration der Schrift mit Recht auf ihr Ganzes, nicht aber auf ihre Teile, oder auf einige ihrer Teile, nicht aber auf ihr Ganzes bezogen werden könnte” – Chicago–Erklärung, Artikel VI

Sie ist so vollkommen wie Gott selbst. Denn sie ist sein Wort. Darum liebe ich sein Wort (Psalm 119,97). Darum äußert sich meine Liebe zu Gott im Gehorsam gegenüber seinem geschriebenen Wort (5.Mose 6,5.6). Meine Gottesfurcht misst sich an meiner Ehrfurcht vor der Bibel, Gottes Wort. Sind wir Gott treu, sind wir seinem Wort treu; lieben wir Gott, lieben wir sein Wort. Lieben wir Gott nicht, ist alles was wir tun nichtig (1.Korinther 13,1–3). Fürchten wir Gott nicht, werden wir nie weise (Sprüche 1,7).
Nur wenn sie irrtumslos ist, kann die Heilige Schrift die Autorität besitzen, die wir unter Punkt 1 behauptet haben. Daher können wir am Sola Scriptura nur so lange festhalten, als wir an die Irrtumslosigkeit der Schrift glauben.

Sieben Gründe für die Irrtumslosigkeit der Bibel

  1. Gottes Charakter verlangt die Irrtumslosigkeit Seines Wortes.
  2. Der Charakter des Menschen verlangt eine irrtumslose und unfehlbare Offenbarung.
  3. Das Selbstzeugnis der Schrift fordert ihre Irrtumslosigkeit.
  4. Das Zeugnis des Herrn Jesus verlangt die Irrtumslosigkeit der Schrift.
  5. Wenn ein Fehler in der Bibel möglich ist, dann sind unzählige Fehler möglich.
  6. Nur eine irrtumslose Bibel kann verbindliche und alleinige Autorität in allen Fragen des Glaubens, des Heils und des christlichen Wandels haben.
  7. Der historische Glaube der christlichen Kirche bestätigt die Irrtumslosigkeit der Bibel.

Was Irrtumslosigkeit nicht bedeutet

  1. Keine moderne technische Präzision; d. h. wir akzeptieren abgerundete Zahlen, zusammenfassende historische Angaben.
  2. Keine fehlerfreie Grammatik, vor allem in der Syntax; d. h. wir akzeptieren Anakoluthe (d.h. nicht folgerichtig zu Ende geführte Sätze), nicht kongruente Kasus etc.
  3. Aussagen über die Schöpfung werden aus dem Gesichtspunkt des Beobachters gemacht: Die Sonne geht auf und unter (Psalm 19,5–7).
  4. Ausdrücke wie „die Säulen der Erde” (1.Samuel 2,8) müssen als bildliche Ausdruckweisen angesehen werden.
  5. Literarische Stilfiguren wie die Hyperbel (Matthäus 2,3; 3,5; 11,23; 2.Korinther 11,8; Galater 4,15) stellen die Wahrheit der entsprechenden Aussagen nicht infrage.
  6. Thematische Ordnung statt chronologischer Ordnung des Stoffes (siehe Unterschiede zwischen 1.Mose 1 und 2; zwischen den Evangelien) und Selektion aus der Menge des bekannten Stoffes (Johannes 20,31; 21,25).
  7. Alttestamentliche Zitate müssen nicht wörtlich wiedergegeben werden. Die Art, Zitate anzuführen, muss nicht den modernen wissenschaftlichen Gepflogenheiten genügen. So heißt „David” meist ganz einfach Psalter (Hebräer 4,7; Psalm 95,7), „Jeremia” steht für alle Bücher der Propheten (Matthäus 27,9).

Der Glaube an eine „eingeschränkte Irrtumslosigkeit” ist unmöglich

Manche Evangelikale meinen, die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift sei nicht mehr zu halten. Sie wollen die Irrtumslosigkeit oder Zuverlässigkeit beschränken auf die Aussagen der Schrift, die das Heil und die Sittlichkeit betreffen. Dagegen ist Folgendes einzuwenden:

  1. Es gibt keinen objektiven Maßstab, nach dem wir entscheiden könnten, welche Teile der Bibel unfehlbar und welche fehlbar sind. Hat man einmal „einen Kanon im Kanon“ gefunden, würde dieser bald wieder in Frage gestellt, und dann müsste man „den Kanon im Kanon des Kanons” finden, usw.
  2. Es gibt keine Autorität, welche die Grenze bestimmt, wie weit wir gehen dürfen, wenn wir mögliche Irrtümer annehmen wollen. Wer sorgt dafür, dass „eingeschränkte Irrtumslosigkeit“ nicht zu uneingeschränkter Fehlerhaftigkeit wird?
  3. Wenn es keine über uns stehende Autorität gibt, muss der Ausleger sich selbst zur Autorität machen, die über die Bibel befindet. Das ist das Ende jedes Glaubensgehorsams.

Die Schrift ist vollständig

Sie genügt. In ihr steht alles, was der Sünder wissen muss, um selig zu werden und gottselig zu leben.

Weil die Schrift vollständig ist, können wir mit den Reformatoren sagen Sola Scriptura. Und nur weil die Schrift vollständig ist, können wir die Bibel durch die Bibel auslegen. Die heilige Schrift legt sich selbst aus.

Die Bibel ist vollständig: Darum konnten die Apostel die Bibel zitieren, um das Evangelium zu erklären; mit der Bibel konnten sie die Identität Jesu, des Messias, belegen (Apostelgeschichte 17,1-3); mit der Bibel konnten sie die Lehre der Rechtfertigung durch den Glauben (Römerbrief) und der Erlösung durch das Opfer Jesu Christi (Hebräerbrief) erläutern und beglaubigen.

Die Bibel ist vollständig: Sie sagt mir alles, was ich wissen muss, um selig zu werden und als Christ zu leben: 2.Timotheus 3,15-17.

Die Bibel ist vollständig: Sie sagt alles, was wir als Christen über Struktur, Funktionieren und Aufgaben der örtlichen Gemeinde wissen müssen (1.Timotheus 3,15).

Die Bibel ist vollständig: Wenn ich wissen will, wie ich als Christ mein Eheleben führen soll; wie ich mich als Staatsbürger oder als Angestellter verhalten soll; wie die Gemeinde geführt wird; was Mission ist usw., dann muss ich die Bibel daraufhin befragen.

Die Bibel ist vollständig: Sie rüstet mich vollkommen aus für alle Herausforderungen, die auf mich persönlich und auf die Gemeinde des Herrn als Ganze zukommen (2.Timotheus 3). Ich benötige keine Traditionen, ich benötige keine außerbiblischen Quellen der Belehrung, ich benötige auch keine besonderen Erfahrungen oder privaten Erleuchtungen, keine Handauflegungen und Ekstasen. Was ich benötige, ist die Schrift. Aber ich muss sie kennen, ich muss sie studieren, ich muss über sie nachdenken, ich muss ihr gehorchen. Sie muss mir zur Nahrung und zum Licht, zum Stab und zur Waffe, zum Fundament und Kompass werden.

Darum sollte ich die ganze Bibel lesen, nicht nur besondere Abschnitte oder Lieblingsbücher, wie die Adventisten, bei denen man den Eindruck bekommt, die Bibel enthielte nur drei oder vier Bücher, nämlich das 2. und 3. Mosebuch, den Propheten Daniel und das Buch der Offenbarung. Oder wie gewisse Pfingstler und Charismatiker, die offenbar nur von zwei Büchern der Bibel wissen, von der Apostelgeschichte und dem 1. Korintherbrief.

Nein, wir brauchen die ganze Bibel mit all ihren Teilen. Wir benötigen die Lehren aus der ganzen Geschichte Israels, wir benötigen die Innigkeit der Psalmen so gut wie die Donnerkeile der Propheten, wir benötigen die Beschreibung des Lebens unseres Herrn Jesus, und wir brauchen die Abhandlungen des Apostels Paulus, ebenso wie die Rügen des Jakobus und die Ermunterungen und Ermahnungen des Johannes. Wenn wir täglich und fortlaufend in der Bibel lesen, werden wir nicht einseitig werden. Gottes Heiligkeit und Gottes Liebe, beide werden vor unseren Augen immer größer. Gottes Souveränität und die Verantwortung des Menschen, beide bekommen wachsendes Gewicht, ebenso Gemeindebau und Mission sowie persönliche Frömmigkeit und gute Werke.

Wenn wir sagen, die Bibel sei vollständig, verwerfen wir die römisch-katholische Auffassung, zur Bibel müsse die Tradition hinzukommen. Damit sagt man nämlich, die Bibel sei unvollständig. Gott aber hat es wiederholt verboten, etwas zu den von ihm gegebenen Heiligen Schriften hinzuzufügen (5.Mose 4,2; Sprüche 30,5.6; Offenbarung 22,18). Wer zu Gottes Worten etwas hinzufügt, macht Menschenworte Gottes Worten gleich, und das ist ein großer Frevel. Dennoch lehrt die Römisch-Katholische Kirche:

„Die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden.” – Neuner-Roos zum Vatikanum II, in: Der Glaube der Kirche, S. 108 ( Joseph Neuner – Heinrich Roos: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 12. Aufl. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 1971)

Die Schrift ist harmonisch und einheitlich

Sie bildet ein geschlossenes, harmonisches Ganzes. Das muss so sein, da sie von einem Geist eingegeben ist. Alle ihre Schreiber wurden vom gleichen Geist gelehrt, erleuchtet, getragen und getrieben (1.Korinther 2,9-13; 2.Petrus 1,20). Das ist für die persönliche Bibellese äußerst wichtig. Es lehrt mich, Gottes Wort in all seinen Aussagen zu vertrauen. Es lehrt mich zu glauben, dass Gott heilig ist und daher den Sünder der ewigen Pein übergibt, dass Gott aber Liebe ist und nie aufhört Liebe zu sein.

Dass ich das nicht miteinander in Einklang bringen kann, bedeutet nicht, dass Gottes Liebe und Gottes Heiligkeit sich widersprechen, sondern dass mein Verstand nicht reicht, beides gleichzeitig zu denken. Das Wissen um die Harmonie aller biblischen Aussagen lehrt mich zu glauben, dass Gott souverän zum Heil erwählt, und zwar ganz einfach, weil Gott es mir so sagt. Es lehrt mich auch zu glauben, dass jeder Mensch verantwortlich ist, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben. Auch das glaube ich, weil Gottes Wort es so deutlich sagt. Es lehrt mich anzunehmen, dass die Errettung ganz aus Gnade, ohne den geringsten Beitrag des Erretteten, geschieht, und dass die Verdammnis ganz vom Menschen verschuldet und veranlasst ist.

Dass ich diese beiden Wahrheiten nicht logisch miteinander aussöhnen kann, beweist nicht, dass die Bibel widersprüchlich sei oder dass sie verschiedene Theologien und Denkschulen enthalte; nein, das zeigt mir nur, dass ich in meinem Verstehen als Geschöpf und erst recht als in Sünde Geborener sehr begrenzt bin und dass der Mangel bei mir ist, nicht bei Gott und seinem Wort.

Die Schrift ist deutlich und klar

Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad. – Psalm 119,105

Dass die Aussagen der Schrift deutlich und klar und darum von jedem Hörer oder Leser verstanden werden können, wird in der Bibel selbst vorausgesetzt.

David sagt vom Gesetz des Herrn, es erquicke die Seele, mache weise den Einfältigen und erleuchte die Augen (Psalm 19,8.9). Das kann es alles nicht, wenn es nicht verstehbar ist. Gott gab in seinem Volk den Eltern den Befehl, in der Familie die Wahrheiten und die Gebote der Schrift zu lehren (5.Mose 6,6.7). Der Befehl ist nur sinnvoll, wenn erstens die Eltern die Schrift verstehen und entsprechend lehren können, und wenn zweitens die Kinder das Gelehrte verstehen und aufnehmen können.

In Psalm 1,2 wird jeglicher Mann glückselig genannt, der Tag und Nacht über das Wort Gottes sinnt. Man muss nicht Theologe, man muss nicht Priester sein, um die Schrift zu verstehen. Der Sohn Gottes verwies die Volksmenge, die ihm zuhörte, immer wieder auf die Schrift (Matthäus 6,21.38 etc.; Lukas 10,26; 12,3–5; 19,4; 22,31; Johannes 3,10; 6,45). Paulus schreibt seine Briefe „allen Geliebten Gottes“ (Römer 1,7), allen „Geheiligten in Christus Jesus“, „allen, die den Namen des Herrn Jesus Christus anrufen“ (1.Korinther 1,1.2), nicht nur den Vorstehern oder den Lehrern der Gemeinde. Er rechnet damit, dass alle Gläubigen seine Briefe verstehen.

Weil die Schrift ohne menschliche Vermittlung – durch die Kirche, durch Priester, durch Gelehrte – dem Glaubenden verstehbar ist, genügt die Schrift. Wäre die Schrift nicht deutlich und wäre sie nicht klar, könnten wir am Sola Scriptura nicht festhalten.

Wir wären dann auf Helfer und Mittler angewiesen, die uns erst den rechten Sinn der Schrift verständlich machen könnten, müssten also statt Sola Scriptura sagen: Scriptura plus das Lehramt der Kirche. Eben dagegen mussten die Reformatoren ankämpfen. Erasmus hatte in seiner Schrift vom freien Willen vorgewendet, die Bibel sei zu dunkel, als dass man aus ihr Gewisses erfahren könne zur Streitfrage vom freien oder unfreien Willen. Darauf antwortete Luther:

„Dass aber in der Heiligen Schrift etliche Dinge sollten verworren sein und nicht alles deutlich und klar, das haben wohl die gottlosen Sophisten so in die Welt hinausgeschrien, deren Wort auch du brauchst, Erasmus; aber sie haben noch nicht einen einzigen (Bibel)Spruch beigebracht, können auch nichts beibringen, womit sie ihren erdichteten Wahn bewiesen. Es hat der Satan durch solch fratzenhaftes Gaukelspiel die Leute die Bibel zu lesen abschrecken wollen und die Heilige Schrift verächtlich machen, damit er seinen wüsten Greuel durch die Philosophie in die Kirche einführe“ – Vom unfreien Willen

Wäre die Schrift nicht deutlich und klar, hätten wir keine Antworten auf den Agnostizismus in all seinen Schattierungen, besonders auch den frommen (den Erasmus vorschützte). Zu oft und zu leichtfertig drücken wir uns davor, ernsthaft um ein gründliches Verständnis von umstrittenen Lehren zu ringen. Es ist bequemer, die verschiedenen Ansichten über das Wesen und Werk des Heiligen Geistes „stehen zu lassen” mit dem Verweis, all unser Erkennen sei nur Stückwerk.

Das gleiche kann gesagt werden vom wachsenden Widerwillen vieler Christen und Gemeinden, auch über so fundamentale Lehren wie das Inspirationsverständnis der Bibel, die Rechtfertigung durch den Glauben etc. nachzudenken, um zu festen und biblisch begründeten Positionen zu kommen.

Dass die Schrift klar ist, heißt nicht, sie sei immer leicht zu verstehen. Manches ist schwierig zu verstehen (siehe 2.Petrus 3,16), aber nicht unverstehbar, weshalb Petrus sagt, dass die Unbefestigten sie eigenhändig verdrehen zu ihrem eigenen Verderben. Zur Erklärung schwieriger Stellen gilt das unter dem Punkt Die Schrift ist vollständig schon Gesagte: Die Heilige Schrift legt sich selbst aus. Es braucht Geduld, Fleiß und Vertrauen, das Gott aber nie unbelohnt lassen wird. Wer eifrig sucht, bittet und anklopft, dem wird der Heilige Geist immer wieder die Schrift auftun (siehe auch 1.Johannes 2,27).

Die Schrift ist wirksam

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens; – Hebräer 4,12

Sie ist wirksam, weil sie Gottes Wort ist (Hebräer 4,12). Sie führt aus, wozu Gott sie uns gesandt hat (Jesaja 55,11): Sie weckt Glauben (Römer 10,17), und sie wirkt fortwährend in dem, der sie im Glauben aufnimmt (1.Thessalonicher 2,13). Sie überführt (Johannes 16,8), sie bringt zurecht, sie befestigt und sie rüstet aus (2.Timotheus 3,16-17); sie nährt (Jeremia 15,16; 1.Timotheus 4,6), sie leitet durch ihr Licht (Psalm 119,105), sie erleuchtet (Psalm 119,130), sie heiligt (Psalm 17,4; Johannes 17,17). Das soll mich ermuntern. Gottes Wort wird nicht ohne Wirkung auf mich bleiben, wenn ich es glaubend lese. Gottes Wort wird nicht ohne Wirkung auf die Hörer bleiben, wenn ich es im Glauben lehre und predige.

Die Schrift ist abgeschlossen

Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; – Offenbarung 22,18

Der Kanon ist nicht offen. Gott hat immer wieder zu verstehen gegeben, dass kein Mensch etwas zu seinen offenbarten Worten hinzutun oder von seinen Worten wegnehmen darf (5.Mose 4,2; Sprüche 30,6). In Verbindung mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes sollte Gottes Heil vollendet und seine Offenbarung abgeschlossen werden: Hebräer 1,1; Kolosser 1,25; Judas 4; Offenbarung 22,18.19. Besonders zu beachten ist die letztgenannte Stelle, denn mit ihr ist der Kanon der Schrift versiegelt. Hengstenberg schreibt dazu:

„Der natürliche Mensch muss, wie in der Schrift überhaupt, so ganz besonders in [dem Buch] der Offenbarung vieles nicht finden, was er will, ebenso vieles finden, was er nicht will. Es liegt das einfach daran, dass sie ein Erzeugnis des Geistes Gottes ist. Daraus ergibt sich die Neigung zu Zusätzen und Weglassungen; und nun liegt auch in der Übermacht der Welt ein mächtiger Anreiz zum Zutun und Abtun: Man bietet alles auf, dem Worte Gottes die Spitzen abzubrechen, um mit der Welt ein Abkommen zu treffen. Es ist nicht zufällig, dass dieselbe Warnung gegen den Schluss des ersten (nämlich des Pentateuch) und gegen Schluss des letzten Buches des Kanons (nämlich der Apokalypse) vorkommt. Der Verfasser erkannte klar, dass er die Aufgabe hatte, den Kanon mit seinem Buch abzuschließen; die aus dem ersten Buch des Kanons hier wiederholte Warnung aber gilt der Sache nach auch für alles, was zwischen beiden Büchern liegt“ (zitiert bei Dächsel).

Wäre die Schrift nicht abgeschlossen, könnte ich nicht sagen, sie sei vollständig; wäre sie nicht abgeschlossen, könnte ich die Bibel nicht mit der Bibel auslegen und Gewissheit haben, dass ich die Bibel richtig verstanden habe, denn es wäre ja denkbar, dass noch eine göttliche Offenbarung alles, was ich bisher erkannt habe, in ein ganz neues Licht stellte.

Sieben Thesen zu Gottes Wort und Gottes Offenbarung

  1. Gott hat das Wort als das wirksame, bleibende und endgültige Mittel seiner Offenbarung gewählt.
  2. Gott hat das Wort Einzelnen offenbart, z. B. Mose oder Paulus; er hat es für alle niederschreiben lassen, z. B. durch Mose oder Paulus. D. h., Gott hat seine Offenbarung nicht so veranstaltet, dass er jeden privat belehrt, indem er jeden Gläubigen direkt inspiriert.
  3. Gott erschien diesen einzelnen erwählten Werkzeugen im Traum, im Gesicht oder sprach zu ihnen durch eine Stimme.
  4. Um diese besonderen Werkzeuge zu legitimieren, gab Gott einigen von ihnen die Gewalt, Zeichen und Wunder zu tun, z. B. Mose und Paulus (2.Mose 4; 5.Mose 34:10,11; 2.Korinther 13:13).
  5. Was Gott diesen erwählten Männern offenbarte, wurde Stück um Stück aufgeschrieben, mit dem Ziel, dem ganzen Volk Gottes eine vollständige, vollkommene und damit abgeschlossene Sammlung heiliger Schriften zu geben, die für alle nachfolgenden Zeiten verbindliche, ausschließliche, ausreichende Offenbarungsquelle sein sollte.
  6. Gott wacht eifersüchtig über seinem Kanon: 5.Mose 4,2; Sprüche 30,6; Offenbarung 22,18; Jeremia 14,14.15; 23,21.32; 27,15; 28:15; 29,9–31.
  7. Für die Zeit, während der der Kanon entstand, redete Gott noch durch Offenbarungen, Visionen, Träume und direkte Inspiration. Weil der Kanon abgeschlossen ist, hat das unmittelbare Reden durch Inspiration aufgehört. Das Volk Gottes im Besonderen und die ganze Menschheit im Allgemeinen ist auf dieses geschriebene Wort verpflichtet, das nun seit über 1900 Jahren in dieser Gestalt besteht und bis heute überliefert und bewahrt worden ist.

Ein mehrteiliger Vortrag zum Thema »Die Autorität und Glaubwürdigkeit der Bibel« von Benedikt Peters findest du hier.

 

Aus: Inspiration und Autorität der Bibel

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