Prediger übers Predigen

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Prediger über das Predigen

Hier sind zehn Erinnerungen für jene, die Gottes Wort predigen und lehren, und wie sie von einigen der großartigsten Prediger der Geschichte bekräftigt werden.

1. Ein effektiver Dienst besteht nicht aus Modeerscheinungen oder Maschen, sondern aus der treuen Verkündigung der Wahrheit.

Charles Spurgeon: »Ach, meine lieben Freunde, wir wollen in dieser Zeit nichts anderes für die Erweckung in der Welt als die einfache Verkündigung des Evangeliums. Dabei handelt es sich um den effektiven Rammbock, der die Bollwerke der Missetaten zum Einsturz bringt. Dabei handelt es sich um das grelle Licht, das die Finsternis vertreibt. Wir haben es nicht nötig, dass Menschen zu neuen Kunstgriffen greifen und neue Pläne schmieden. Wir sind zwar froh über die Organisationen und Hilfsmittel, die sich unentwegt anbieten, aber schließlich handelt es sich bei der wahren Klinge Jerusalems, dem durchdringenden Schwert, das sowohl Mark als auch Bein scheidet, um die Verkündigung des Wortes Gottes. Wir dürfen es niemals vernachlässigen, es niemals verachten. Das Zeitalter, in welchem die Kanzel verachtet wird, wird ein Zeitalter sein, in welchem auch die Wahrheit des Evangeliums nicht mehr geehrt werden wird. . . . Möge Gott verhüten, dass wir dazu übergehen, die Predigt geringzuachten. Lasst uns sie nach wie vor ehren. Lasst uns sie als von Gott eingesetztes Werkzeug betrachten, und somit werden wir erleben, wie sich in dieser Welt große Wunder wiederholen, die durch die Verkündigung des Namens Jesu Christi gewirkt worden sind.«
Quelle: Charles Spurgeon, »Preaching! Man’s Privilege and God’s Power«, Predigt (25. Nov. 1860).

2. Das Predigen ist eine viel ernsthaftere Aufgabe, als sich die meisten Prediger bewusst sind.

Richard Baxter: »Und was mich selbst anbelangt, indem ich mich meines düsteren und gleichgültigen Herzens und meines langsamen und uneffektiven Lebensverlaufs schäme, so schäme ich mich auch, wie der Herr weiß, einer jeden Predigt, die ich halte, wenn ich daran denke, worüber ich gesprochen habe und wer mich gesandt hat, und dass das Heil oder die Verdammnis des Menschen so sehr davon abhängen, dann erschaudert mir davor, dass Gott mich, als jemanden betrachten könnte, der geringschätzig mit seinem Wort und mit den Seelen der Menschen umgeht und dass ich in meiner besten Predigt mich ihres Blutes schuldig machen könnte. Es dünkt mir, dass wir in einer Angelegenheit solcher Tragweite auch nicht ein einziges Wort ohne Tränen oder ohne die größtmögliche Ernsthaftigkeit an die Menschen richten sollten. Wären wir nicht so sehr der Sünde schuldig, bezüglich derer wir andere zurechtweisen, wäre dies auch der Fall.«
Quelle: Richard Baxter, »The Need for Personal Revival«. Zitiert aus Historical Collections Relating to Remarkable Periods of the Success of the Gospel, Hrsg. John Gillies (Kelso: John Rutherfurd, 1845), S. 147.

3. Die Treue auf der Kanzel beginnt mit dem Streben nach persönlicher Heiligkeit.

Robert Murray M’Cheyne: »Achte auf dich selbst. Deine eigene Seele ist deine erste und größte Sorge. Du weißt, dass nur ein gesunder Körper kraftvoll arbeiten kann. Das trifft umso mehr auf eine gesunde Seele zu. Bewahre dir ein reines Gewissen durch das Blut des Lammes. Pflege eine enge Gemeinschaft mit Gott. Studiere, wie du ihm in allen Dingen ähnlicher werden kannst. Lies die Bibel zunächst für dein eigenes Wachstum und erst dann für deine Leute. Lege umfassend aus. Seelen sollen durch die Wahrheit geheiligt werden und nicht durch Aufsätze über die Wahrheit.«
Quelle: Robert Murray M’Cheyne, in einem Brief vom 22. März1839 an den Reverend W.C. Burns, der ernannt worden war, M’Cheynes Kanzeldienst während dessen Reise nach Palästina zu übernehmen. Andrew Bonar, Hrsg., Memoir and Remains of Robert Murray M’Cheyne (Banner of Truth, 1966), S. 273-74.

4. Eindringliches Predigen ergibt sich aus eindringlichem Gebet.

E. M. Bounds: »Die wahre Predigt kommt in der Gebetskammer zustande. Der Mann – der Mann Gottes – kommt in der Gebetskammer zustande. Sein Leben und seine tiefsten Überzeugungen erblicken in seiner abgeschiedenen Gemeinschaft mit Gott das Licht der Welt. Er erhält die von Bürde beschwerten und tränenreichen Qualen seines Geistes und seine gewichtigsten und lieblichsten Botschaften, wenn er mit Gott alleine ist. Gebet prägt den Mann; Gebet prägt den Prediger; Gebet prägt den Pastor. . . . Jeder Prediger, der es versäumt, das Gebet zu einem gewaltigen Faktor in seinem persönlichen Leben und Dienst zu machen, ist ein schwacher Faktor in der Arbeit Gottes und er ist kraftlos im Voranbringen der Sache Gottes in dieser Welt.«
Quelle: E.M. Bounds, Power Through Prayer. Aus Kapitel 1, »Men of Prayer Needed.«

5. Leidenschaftliches Predigen beginnt mit der eigenen Leidenschaft für Christus.

Phillip Brooks: »Nichts als Feuer setzt Feuer in Fach. In unserem gesamten Wesen zu wissen, was es heißt, durch Christus zu leben, ihm und nicht uns selbst zu gehören, dermaßen von Dankbarkeit erfüllt zu sein für das, was er für uns getan hat und für das, was er uns fortwährend bedeutet, so dass sein Wille und seine Ehre das einzige Verlangen unseres Lebens sind, . . . das ist die erste Notwendigkeit des Predigers.«
Quelle: Phillips Brooks, Lectures on Preaching, ursprünglich veröffentlicht in 1877. Wiederveröffentlicht in 1989 von Kregel unter dem Titel The Joy of Preaching. Zitiert in »The Priority of Prayer in Preaching« von James Rosscup, The Masters Seminary Journal, Frühjahr 1991.

6. Der Prediger ist ein Herold und kein Innovator.

R. L. Dabney: »Der Prediger ist ein Herold. Seine Aufgabe besteht darin, dass er die Botschaft des Königs ausruft. . . . Ein Herold erfindet seine Botschaft nicht selbst. Er übermittelt sie lediglich und erklärt sie. Es obliegt ihm nicht, deren Weisheit und deren Eignung zu kritisieren, sondern dies obliegt allein seinem souveränen Herrn. Einerseits . . . ist er ein intelligentes Kommunikationsmittel gegenüber den Feinden des Königs. Er hat sowohl ein Hirn als auch eine Zunge und es wird von ihm erwartet, dass er die Gedanken seines Herrn auf eine solche Weise herüberbringt und erklärt, dass die andere Partei nicht nur die mechanischen Laute, sondern auch die wahre Bedeutung der Botschaft erhält. Andererseits ginge es völlig über sein Amt hinaus, wenn er sich anmaßen würde, den Inhalt der von ihm übermittelten Aussagen durch Hinzufügungen oder Veränderungen zu korrigieren . . . . Die Aufgabe des Predigers ist es, das, was ihm in der Schrift gegeben wurde, so wie es ihm gegeben wurde, herzunehmen und bestrebt zu sein, es auf die Seelen der Menschen einzuprägen. Alles andere ist das Wirken Gottes.«
Quelle: R.L. Dabney, Evangelical Eloquence: A Course of Lectures on Preaching (Banner of Truth, 1999; ursprünglich veröffentlicht als Sacred Rhetoric, 1870), S. 36-37.

7. Der treue Prediger konzentriert sich unbeirrt auf das, was wichtig ist.

G. Campbell Morgan: »Nichts ist heute unter Predigern mehr vonnöten, als dass wir den Mut aufbringen, uns von der tausend und einen Belanglosigkeit lösen, mit der man uns bittet, unsere Zeit und Kraft zu verschwenden und dass wir uns entschlossen erneut dem apostolischen Ideal zuwenden, das das Diakonenamt notwendig gemacht hat. [Wir müssen entschlossen sein], ›beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben‹ zu wollen.«
Quelle: G. Campbell Morgan, This Was His Faith: The Expository Letters of G. Campbell Morgan, herausgegeben von Jill Morgan (Fleming Revell, Westwood, NJ), 1952.

8. Die Aufgabe des Predigers besteht darin, den Text für seine Zuhörer lebendig werden zu lassen.

D. Martyn Lloyd-Jones: »Als Prediger dürfen wir Folgendes nicht vergessen: Wir sind nicht nur Übermittler von Informationen. Wir sollten unseren Leuten ans Herz legen, bestimmte Bücher zu lesen und sich dort die Informationen zu holen. Es ist die Aufgabe des Predigens, eine solche Erkenntnis mit Leben zu füllen. Dasselbe trifft auch auf jene zu, die an Universitäten Vorlesungen halten. Es ist eine Tragödie, dass viele Dozenten einfach nur Notizen diktieren und die armen Studenten sie niederschreiben. Das ist nicht die Aufgabe eines Dozenten oder Professors. Die Studenten können die Bücher selbst lesen. Es ist die Aufgabe des Professors, dies in Brand zu setzen, Begeisterung zu vermitteln, für Anregung zu sorgen und mit Leben zu füllen. Und das ist auch die Hauptaufgabe des Predigens. Lasst uns dies zu Herzen nehmen. . . . Was wir heutzutage mehr als alles andere brauchen, ist bewegendes, leidenschaftliches, kraftvolles Predigen. Es muss ›herzlich‹ sein und es muss ›ernsthaft‹ sein.«
Quelle: D. Martyn Lloyd-Jones, »Jonathan Edwards and the Crucial Importance of Revival«. Eine bei der puritanischen Konferenz von Westminster gehaltene Vorlesung (1976).

9. Der Prediger muss Christus erhöhen, anstatt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

R. B. Kuiper: »Der Prediger muss sich stets vor Augen halten, dass die Würde seines Amtes nicht in seiner Person, sondern in seinem Amt selbst zu finden ist. Er selbst ist überhaupt nicht wichtig, aber sein Amt ist von größter Wichtigkeit. Deshalb sollte er seine Arbeit äußerst ernstnehmen, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Er sollte das Wort zu gelegener und ungelegener Zeit und auf selbstvergessene Weise predigen. Er sollte stets ein Auge einzig auf die Ehre Christi, den er predigt, haben und sich selbst außen vorlassen. Es sollte sein fortwährendes Ziel sein, dass Christus, den er repräsentiert, zunimmt, er selbst aber abnimmt. Denke daran, dass jemand, der am Wort dient, genau das ist – ein Diener nämlich. Er sollte dem Herrn Christus und seiner Gemeinde zwar demütig, aber dennoch leidenschaftlich dienen.
Quelle: R.B. Kuiper, The Glorious Body of Christ (Banner of Truth, 1966), S. 140-42.

10. Treues Predigen erfordert eine große persönliche Disziplin und ein großes persönliches Opfer.

Arthur W. Pink: »Die große Aufgabe des Kanzeldienstes besteht darin, dass man die maßgeblichen Ansprüche des Schöpfers und Richters der ganzen Erde eindringlich herausstellt – aufzuzeigen, wie wir an Gottes gerechte Anforderungen nicht heranreichen können, seine dringliche Aufforderung zur Buße zu verkünden. . . . Sie erfordert einen ›Arbeiter‹ und keinen Faulen – einen Schüler und keinen Trägen –, der studiert, um sich ›Gott als bewährt zu erweisen‹ (2Tim 2:15) und keiner, der den Beifall und die Schekel der Menschen sucht.«
Quelle: A. W. Pink, “Preaching False and True,”

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