Was bedeutet es, vom Heiligen Geist geleitet zu werden?

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Geistesleitung, om Heiligen Geist geleitet
Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Wir müssen im Leben viele Entscheidungen treffen. Viele dieser Entscheidungen stellen uns vor Herausforderungen, da sie in keiner Bibelstelle konkret thematisiert werden. Dennoch ist uns geboten, Gott in allem, was wir tun, zu verherrlichen (1Kor 10,31). Und als Christen wollen wir Gott in allem, was wir tun, ehren. Aber wie man das am besten macht, ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden.

In solch einer Situation sprechen einige Leute oft davon, dass sie bei ihrer Entscheidung oder in ihrem Entscheidungsprozess „vom Heiligen Geist geführt worden sind“. Das mag vielleicht wie der einfachere Weg erscheinen, um Dinge im Leben zu erkennen und zu entscheiden. Aber ist das nicht sehr subjektiv und von Erfahrungen abhängig? Was bedeutet es, dass der Geist sie geleitet hat? Was hat der Heilige Geist getan, um sie zu leiten? Wie können sie sicher sein, dass er sie führt? Und vor allem: Was lehrt die Schrift darüber?

Göttliche Führung

Wer sich auf solch eine Führung beruft, muss auf diese Fragen eine Antwort geben können. Der Heilige Geist ist die herrliche dritte Person der Dreieinigkeit. Er ist Gott; eine göttliche Person, ewig, ohne Ursprung, mit allen Eigenschaften einer Persönlichkeit und allen göttlichen Attributen. In allen göttlichen Eigenschaften ist Er dem Vater und dem Sohn ebenbürtig und wesensgleich. Daher müssen wir ehrfürchtig und recht über Seine Person und Sein Werk sprechen. Falls Er uns also persönlich bei unseren täglichen Entscheidungen führt, müssen wir uns da ganz sicher sein. Und es ist zu erwarten, dass Er in der Schrift objektive Kriterien dafür nennt, wie man das herausfinden kann.

Zunächst werden wir einige Anzeichen dafür, dass wir nicht vom Heiligen Geist geleitet werden, herausarbeiten. Im Anschluss betrachten wir dann ein paar Hinweise darauf, dass wir von ihm geleitet werden.

Woher man wissen kann, dass man NICHT vom Heiligen Geist geleitet wird

1. Es steht im Widerspruch zu Gottes Wort.

Wenn wir Entscheidungen treffen, die nicht mit Gottes Wort vereinbar sind, dann werden wir nicht vom Heiligen Geist geleitet. Der Heilige Geist ist der Urheber aller 66 Bibelbücher (2Pet 1,20-21). Wie Paulus schreibt, entspricht das, „was vom Geist Gottes ist”, den Worten, die von den Aposteln ausgesprochen und aufgeschrieben wurden, so wie sie vom Heiligen Geist gelehrt wurden (1Kor 2,12-14). Genauso wenig, wie wir leben können und uns gleichzeitig weigern können, zu essen und zu atmen, können wir im Einklang mit dem Heiligen Geist stehen und gleichzeitig gegen die Schrift verstoßen.

2. Die fehlende Bereitschaft, Rat von gottesfürchtigen Christen anzunehmen.

Wenn wir in unserer Entscheidungsphase unbelehrbar sind, können wir sicher sein, dass wir nicht vom Heiligen Geist geleitet werden. Der Heilige Geist verleiht den anderen Gliedern am Leib Christi unterschiedliche Gaben und Weisheit (1Kor 12,4-7). Ein einzelner Gläubiger verfügt in sich selbst niemals über alle Weisheit, die er braucht, um für sich die besten Entscheidungen zu treffen. Wenn dem so wäre, könnte man wohl vom „Körperteil Christi“, nicht aber vom „Leib Christi“ sprechen. Wir sind im Leben auf die Hilfe anderer Christen angewiesen, in denen der Geist wirkt.

Jetzt mag jemand einwenden: „Nun, ich brauche keinen Rat, da ich ja den Rat des Heiligen Geistes befolge“. Das klingt vielleicht heilig, aber in Wirklichkeit kann es Sünde sein. Sich den Rat von gottergebenen Personen einzuholen, ist vielmehr ein Weg, um den Willen des Heiligen Geistes in einer Sache zu erfragen. Woher kommt das? Daher, dass wir eben nicht alle Gesichtspunkte einer Sache sehen oder kennen. Das Wirken des Heiligen Geistes in und durch andere kann diese „Blinden Flecke“ erhellen.
Fehlende Bereitschaft, Rat anzunehmen, ist auch ein Zeichen von sündigem Stolz (Spr 12,1; 15,31-33). Wollen wir etwa behaupten, dass der Heilige Geist uns auch noch in unserem Stolz und Hochmut unterstützt? Der Heilige Geist überführt uns von unserer Sünde. Er wird uns niemals darin bestärken. Somit ist die fehlende Bereitschaft, Rat von gottesfürchtigen Christen anzunehmen, ein sicheres Zeichen dafür, dass wir nicht vom Heiligen Geist geleitet werden.

3. Wenn man in Sünde lebt und unbußfertig ist.

Der Heilige Geist wohnt in uns, zum Teil auch um uns in das Bild Christi zu verwandeln (2Kor 3,18). Das wunderbare und mächtige Werk, das Er in uns tut, hat zum Großteil mit Heiligung zu tun. Er hilft uns, heiliger zu leben. Wenn wir also in Sünde leben und unbußfertig sind, dann führen wir in diesem Moment kein Leben, das im Einklang mit dem Heiligen Geist steht.

4. Fehlende Bereitschaft, sich durch ernsthaftes Bibelstudium mit einer Frage auseinanderzusetzen.

Wenn wir nicht bereit sind, zu erforschen, wie die Bibel zu einer bestimmten Entscheidung oder Ansicht steht, dann werden wir höchstwahrscheinlich nicht von dem Heiligen Geist geleitet. Da die Worte der Schrift vom Geist selbst kommen, können wir daraus schließen, dass Er will, dass wir in Übereinstimmung mit der Schrift stehen. Wenn wir uns also weigern, uns selbst und unsere Überzeugungen mithilfe der Schrift zu prüfen, in der Bereitschaft, uns entsprechend zu verändern, ist auch das ein sicheres Zeichen dafür, dass wir nicht im Einklang mit dem Heiligen Geist stehen.

5. Einseitiger Rat bei Entscheidungen.

Es ist wichtig, sich zu den Entscheidungen im Leben den Rat von anderen einzuholen (Spr 15,22). Aber wir können hier in die Irre gehen, wenn wir nur solchen Rat suchen, der uns in unserer vorgefertigten Meinung bestätigt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir vom Heiligen Geist geleitet werden, wenn wir die Ratschläge so lange durchsieben, bis wir die gesuchte Antwort finden. Wer das tut, wird von sich selbst geleitet, nicht vom Geist.

6. Das Vertrauen auf inneren Frieden, Gefühle, Träume, Visionen oder Eindrücke als Zeichen dafür, dass man in Übereinstimmung mit Gottes Willen ist.

An keiner Stelle erlaubt uns die Schrift, solche Erfahrungen als Gottes Bestätigung für unsere Entscheidungen auszulegen. Tatsächlich kann sogar das Gegenteil der Fall sein! Es ist Teil des christlichen Lebens, sich selbst zu verleugnen, sein Kreuz aufzunehmen und Jesus zu folgen. Das ist manchmal ein richtiger Kampf. Folglich kann es sein, dass die richtige Entscheidung nicht von Frieden, sondern von Kampf, begleitet wird.
Durch die Schrift bestätigt Gott, dass etwas in Seinem Willen ist. Wenn die Bibel nicht direkt etwas zu einem konkreten Thema sagt, können wir auch Bestätigung finden durch das Studium von Prinzipien, die damit zusammenhängen, durch einen Gott wohlgefälligen Wandel oder durch den Rat von gottesfürchtigen Christen. Aber wenn wir uns nur auf inneren Frieden, Gefühle, Träume, Visionen oder Eindrücke verlassen, werden wir nicht vom Heiligen Geist geleitet. Wir lassen uns dann bestenfalls von uns selbst leiten.

Aber wenn wir uns nur auf inneren Frieden, Gefühle, Träume, Visionen oder Eindrücke verlassen, werden wir nicht vom Heiligen Geist geleitet. Wir lassen uns dann bestenfalls von uns selbst leiten.

Mit diesen Mitteln lässt sich feststellen, dass wir nicht vom Heiligen Geist geleitet werden. Aber auf welche Weisen leitet er uns dann tatsächlich?

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Woher weiß man, dass man vom Heiligen Geist geleitet wird?

Obwohl der Ausdruck so häufig gebraucht (und missbraucht) wird, kommt der Gedanke, vom Heiligen Geist geleitet zu werden, nur zweimal im Neuen Testament vor.
Das erste Mal taucht er in Römer 8,14 auf:

„Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.“

Der Kontext klärt uns über das Thema auf:

„So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, gemäß dem Fleisch zu leben! Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes“ (Röm 8,12-14, Hervorhebung hinzugefügt).

Aus dieser Erwähnung der Leitung durch den Heiligen Geist lässt sich also schließen, dass „vom Heiligen Geist geleitet sein“ bedeutet, dass man die Sünde tötet, bzw. die „Taten des Leibes“ (v13). Es ergibt Sinn, dass man vom Heiligen Geist geleitet wird, wenn man Sünde tötet. Wir können noch nicht einmal eine einzige Sünde töten, ohne wiedergeboren zu sein und den innewohnenden Geist zu haben. Wir leben dann nur im Fleisch (Röm 8,6-8), was bedeutet, dass wir ganz auf unsere Sünde ausgerichtet sind. Dass das Töten der Sünde gleichbedeutend ist mit „vom Geist geleitet zu werden“, wird auch davon untermauert, dass es ausdrücklich die Aufgabe des Geistes ist, uns von unserer Sünde zu überführen (Joh 16,8).

Die einzige andere Stelle, wo die Führung des Geistes erwähnt wird, ist in Galater 5,18. Der Kontext besagt:

„Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ (Hervorhebung hinzugefügt).

Der Zusammenhang dieses Abschnitts ist so ähnlich wie der in Römer 8. Es geht darum, die Sünde zu töten. Weil der Heilige Geist in ihnen wohnt, können Christen die Begierden und Taten des Fleisches töten. Sie wandeln nicht mehr dauerhaft im Fleisch, da der Geist gegen das Fleisch im wiedergeborenen Christen kämpft. Somit bezieht sich in Galater 5 die Führung des Heiligen Geistes ebenfalls darauf, die Sünde zu töten.

Fazit

Somit gibt es also nur einen Umstand, in dem eine Person behaupten kann, vom Geist geleitet zu werden. Die einzige Lebenslage, in der jemand die Führung des Heiligen Geistes für sich beanspruchen kann, ist, wenn ein wiedergeborener Christ aktiv Sünde in seinem Leben tötet. Damit einher geht ein heiliger, innerer Schmerz im Bewusstsein der eigenen Sünde, sei es in Haltung oder Tat. Dazu gehört auch die demütige Bereitschaft, sich über seine eigene Sünde belehren zu lassen, ohne sich zu verteidigen oder die Schuld auf andere zu schieben. Stattdessen bekennt man seine Sünde persönlich und übernimmt die Verantwortung dafür.

Vom Heiligen Geist geleitet zu werden, bedeutet auch, dass man konkrete biblische Schritte unternimmt, um der Sünde in Motivation, Einstellung und Handlung Einhalt zu gebieten, und dass man sein Leben der Autorität der Schritt unterstellt. Das ist die eigentliche Bedeutung davon, vom Heiligen Geist geleitet zu werden. Christen sollten es also vermeiden, davon zu sprechen, dass der Heilige Geist sie leitet, es sei denn, sie beziehen sich damit auf das Abtöten von Sünde. Stattdessen könnten wir von einer bestimmten Handlung sagen: „Ich denke, das würde sich mit der Schrift decken“ oder: „Es scheint mir, dass das mit Gottes Wort in Einklang stehen würde.“
Wenn man bedenkt, wer der Heilige Geist ist und was Er tun möchte, ist es nachvollziehbar, dass Sein Leiten sich auf das Abtöten von Sünde bezieht. Er ist heilig. Es ist Sein Wille, uns mit allem, was wir sind, mehr und mehr in das Bild der Person Jesu Christi zu verwandeln.

Mögen wir es alle durch Seine Gnade erfassen, was es bedeutet, wirklich vom Heiligen Geist geleitet zu werden.

 

 

Zuerst erschienen auf thecripplegate.com

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