Hinter Gittern Gott vertrauen – Gott oder Staat

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James Coates Gefängnis

Februar 2021. James Coates wird verhaftet, weil er und seine Mitältesten sich weigerten, die Teilnehmerzahl ihrer Gottesdienste auf 15% der Kapazität zu reduzieren und stattdessen weiterhin normal Gottesdienste durchführten. Im folgenden Auszug aus dem Buch „Gott oder Staat“, welches er gemeinsam mit Nathan Busenitz geschrieben hat, schildert James die ersten Tage seiner 35-tägigen Haftzeit.

Hinter Gittern Gott vertrauen

Bevor ich in die Untersuchungshaftanstalt versetzt wurde, brachte man mich erst noch einmal zum Polizeipräsidium zurück. Man gestattete mir einige Anrufe und ich rief zuerst meine Frau Erin an. Sie befand sich im Auto auf dem Weg zu mir. Als wir uns am Telefon unterhielten, verlor ich die Fassung. Sofort ermutigte sie mich und strahlte eine starke Überzeugung aus. Ihre Standfestigkeit erinnerte mich daran, was für ein Schatz eine gottesfürchtige und ermutigende Frau im christlichen Dienst ist. Sie half mir, dass ich meine Fassung wieder zurückgewann. Danach rief ich meinen Anwalt James Kitchen an. Anschließend wurde ich in die Untersuchungshaftanstalt überführt.

Auf dem Weg dorthin hatte der Beamte das Autoradio eingeschaltet. Meine Situation erregte bereits große Aufmerksamkeit in den Medien. Das fühlte sich ziemlich unwirklich an. Als wir im Untersuchungsgefängnis eintrafen, nahm man mir die Handschellen und Fußfesseln ab und brachte mich in einen Aufnahmeraum. Zwei weitere Personen befanden sich ebenfalls dort. Wir tauschten uns darüber aus, was wir verbrochen hatten. Ich sagte ihnen, dass ich Gemeindeältester sei und gegen die Gesundheitsauflagen verstoßen habe, weil ich Gottesdienste abgehalten hatte. Sie hielten das für lächerlich. Dann bat mich einer von ihnen, für ihn zu beten.

Im Gefängnis

Von dort brachte man mich dann in einen Haftraum. Ich hatte eine Zelle für mich allein, anscheinend zu meinem Schutz. Nun mussten mehrere Bearbeitungsschritte erledigt werden. Bei jedem einzelnen Schritt holte mich ein Wärter ab, vollzog den entsprechenden Schritt und brachte mich wieder in meine Zelle zurück. Die Wärter wussten bereits, wer ich war und warum ich dort war. Auch sie hielten meine Verhaftung für lächerlich. Das waren die ersten Anzeichen der Unterstützung, die ich seitens der Wärter erhielt.

Die Aufnahmeabfertigung beinhaltete einige ungewöhnliche Schritte. Ich musste beispielsweise die Schnürsenkel von meinen Schuhen entfernen. Dies soll der Gefahr vorbeugen, dass Häftlinge sich damit erhängen. Eine weiterer Schritt war eine Leibesvisitation am nackten Körper, bei der der ausführende Wärter sicherstellen soll, dass weder Drogen noch Waffen in die Einrichtung eingeschmuggelt werden.

Nachdem ich die meisten Aufnahmeschritte durchlaufen hatte, steckte man mich in einen Haftraum, wo bereits ein paar andere Häftlinge waren. Einer lag auf dem Boden und schien seinen Drogenrausch auszuschlafen. Später wurde er für ein paar Tage mein erster Zellenkollege. Die anderen Häftlinge unterhielten sich in teilweise deftiger Sprache. Als sie herausgefunden hatten, warum ich einsaß, sagte mir einer von ihnen, dass es für mich bestimmt glimpflich ablaufen werde. Ich kann mich nicht daran erinnern, was ihn veranlasst hatte, dies zu sagen. Obwohl es sich vielleicht merkwürdig anhört, fand ich einen gewissen Trost in seinen Worten.

Wie Gott mich ermutigte

Es dauerte nicht lange, bis man uns in unseren Zellenblock und in unsere Zelle brachte. Jeder Zellenblock bestand aus einem Hauptgeschoss mit Zellen sowie zwei weiteren Stockwerken mit weiteren Zellen. Als wir in unserem Zellenblock eintrafen, sagte der Wärter: »Wunderbar! Drei Verbrecher frisch von der Straße!« Es ist schwer in Worte zu fassen, wie diese Worte in meinen Ohren klangen. Kurz danach hatte ich Gelegenheit, ihn zu fragen, ob er wisse, warum ich da war. Als er nach meiner Akte griff, sagte ich ihm, dass ich ein Gemeindeältester bin. Er hätte mich anschreien und fluchen können, doch das tat er nicht. Als ich später wieder in meiner Zelle war, sprach er über die Gegensprechanlage und sagte: »Hey, Prediger, willst du ein Blatt Papier und einen Stift?« Ich antwortete: »Ja, gerne!« Worauf er sagte: »John Bunyan hat einige seiner besten Werke im Gefängnis geschrieben.« Das war wieder so ein Moment, in dem der Herr mein Herz erquickte.

Wir standen letztlich 15 Tage lang unter Quarantäne. Während dieser Quarantänezeit gestand man uns pro Tag nur zwei Mal 15 Minuten Hofgang zu. Das bedeutete, dass man fast den ganzen Tag in der Zelle verbrachte. Einmal wartete ich sogar knapp 24 Stunden bis zum nächsten Hofgang.

Eine der Überraschungen im Gefängnis waren die vier Radiosender, die wir hören durften. Einer davon war ein Talk-Radio-Sender, der alle halbe Stunde die aktuellen Nachrichten brachte. Mein Name wurde in diesen Nachrichten häufig genannt. Wir ließen das Radio sogar die ganze erste Nacht an und mehrere Male hörte ich Ausschnitte aus meiner Predigt vom vergangenen Sonntag. Es überraschte mich, wie viel Aufmerksamkeit die Situation unserer Gemeinde bekam.

Einsamkeit

Mein erster Zellenkollege schlief fast immer. Er schlief Tag und Nacht und stand lediglich auf, um zu essen, auf die Toilette zu gehen oder seine Bewegungszeit zu nutzen, obwohl er selbst diese manchmal verschlief. Wir teilten die Zelle nur ein paar Tage. Aufgrund der Aufmerksamkeit, die ich in den Medien erhielt, stellte man mich dann unter ständige Überwachung. Man befürchtete, dass einer meiner Mithäftlinge mir etwas zuleide tun könnte. Das bedeutete, dass ich meine beiden täglichen Hofgänge nun alleine verbringen musste und dass mein Zellenkollege in eine andere Zelle verlegt wurde. Das Evangelium hatte ich ihm zu dem Zeitpunkt bereits erklärt.

Die Hofgänge waren absolut wichtig, um irgendeine sinnvolle Verbindung zur Außenwelt zu halten. Ich verbrachte praktisch jeden Hofgang damit, mit Erin zu telefonieren. Diese Unterhaltungen waren wie ein Rettungsanker. Erin teilte mir stets mit, wie sich meine Inhaftierung draußen auswirkte – was weit über das hinausging, was ich hätte erahnen können. Unvergesslich in Erinnerung geblieben ist mir die Ermutigung, die ich von John MacArthur erhielt. Erin spielte eine Sprachnachricht ab, die er ihr geschickt hatte. Das blies frischen Wind in mein Segel.

An einen bestimmten Hofgang erinnere ich mich besonders. An meinem ersten Sonntag im Gefängnis teilte man mir meinen Hofgang so zu, dass er gerade vor dem Gottesdienst an jenem Morgen lag. Ich rief meine Frau an und sprach einige Minuten mit ihr. Dann gab sie mich an meinen Mitältesten Jacob weiter. Er war zu jenem Zeitpunkt erst wenige Monate im Dienst und war im Begriff, auf die Kanzel zu steigen, um zu predigen, ohne zu wissen, was als nächstes passieren würde. Aber das wusste ja keiner von uns. Es war denkbar, dass er dasselbe Schicksal erleiden würde, wie ich. Also sagte ich ihm, was ich mir vor einer schwierigen Predigt manchmal selbst sage: »Noch eins hast du zu tun: Predige und sterbe.« Damit will man sagen, dass es jetzt nur noch um eine Aufgabe geht: Predige das Wort und mache dir wegen der Konsequenzen keine Sorgen. An jenem Morgen betrat er die Kanzel und predigte mutig und mit tiefer Überzeugung. Im Wesentlichen sagte er: »Man kann mich ruhig wegsperren, aber dann wird ein anderer an meiner Stelle aufstehen, und dann ein weiterer, und dann ein weiterer.« Diese Botschaft erzeugte Entschlossenheit aus Stahl.

 

Dies ist ein ein Auszug aus Kapitel 9 des Buches „Gott oder Staat“, welches Anfang März auf Deutsch erscheint.

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