Stolz und Macht: zwei verborgene Fallen für geistliche Leiter

Stolz und Macht als Gemeindeleiter
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Stolz und Macht

Die Sünde hält viele Fallen für Gemeindeleiter bereit. Zwei dieser oberflächlich kaum sichtbaren Fallgruben heißen Stolz und Macht. Dieser verborgene Hunger nach Beachtung und Kontrolle hat seit den Anfängen der Gemeinde fürchterliche Auswirkungen auf die Gemeinde Jesu gehabt.

Im 3. Johannes Brief wird Diotrephes als ein warnendes Beispiel für einen eingebildeten und machthungrigen Leiter beschrieben. Sein Dienst ist der klassische Bericht eines Leiters, für den die Kinder Gottes zu einer persönlichen Trophäe geworden waren.

Er hatte zugelassen, dass sein Herz in die Stromschnellen des Stolzes und der Eingebildetheit abdriftet und ließ sich von dem Wunsch nach Anerkennung und Kontrolle verführen.

Ich habe der Gemeinde geschrieben; aber Diotrephes, der bei ihnen der Erste sein möchte, nimmt uns nicht an. Darum will ich ihm, wenn ich komme, seine Werke vorhalten, die er tut, indem er uns mit bösen Worten verleumdet; und damit nicht genug, er selbst nimmt die Brüder nicht auf und verwehrt es auch denen, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde hinaus. 3. Joh 9-10

Diotrephes hatte ein unersättliches Verlangen danach, eine Vorrangstellung zu genießen. Sein Herz erfreute sich insgeheim am Lob anderer, das seine aufgeblasene Sicht über die eigenen Fähigkeiten nährte. Wenn sich ein Leiter am Jubel der Menschen labt, legt er damit das Fundament für viele Verhaltensweisen, die den Dienst zum Erliegen bringen können. Die Liebe nach einer Vorrangstellung veranlasste Diotrephes z. B. dazu, kein Herz zu haben, das sich der Gemeindeautorität unterordnet (3. Joh 9c). Darüber hinaus wurde er hinterlistig, „indem er [Johannes] mit bösen Worten verleumdet“ (3. Joh 10b).

Selbstsüchtige Leiterschaft ist anderen gegenüber stets intolerant und überkritisch.

Das Ergebnis von Stolz und Macht als Leiter

Wenn solch sündige Angewohnheiten unser Herz in Beschlag nehmen, positionieren wir uns so, dass wir die größte Aufmerksamkeit bekommen und schnell bereit dazu sind, die Gaben, Talente und Ideen, die andere in den Dienst einfließen lassen, über Bord zu werfen. Wie Diotrephes werden wir es dann nicht dulden, dass jemand anderes unseren Herrschaftsbereich bedroht.

Die Schrift warnt vor dem Streben nach eigener Ehre.

Brüste dich nicht vor dem König und an den Platz der Großen stelle dich nicht! Spr. 25,6.

Was kann ein Leiter dagegen tun?

Wir können der Verlockung menschlichen Lobes entfliehen, indem wir uns vor Augen halten, dass unsere Bedeutsamkeit darin begründet ist, dass wir uns von Christus gebrauchen lassen. Zudem wird uns in 1. Petrus 4,10 gesagt, dass wir von Gott Geistesgaben „empfangen“ haben und lediglich „Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes“ sind. Ohne ihn können wir nichts bewerkstelligen! Wie kann man wissen, ob man Menschenlob liebt? Ein paar einfache Fragen könnten hier von Hilfe sein:

– Enthältst du anderen Lob vor?
– Freut es dich, wenn du Aufmerksamkeit bekommst?
– Empfindest du Unbehagen in der Gegenwart begabter Kollegen?
– Würden dich andere als Selbstdarsteller beschreiben?

Wenn es dir schwerfällt, dich darüber zu freuen, dass sich andere nützlich machen, hast du das Saatbeet für das Ausstrecken nach Menschenlob vorbereitet.

Der Machthunger des Diotrephes war gleichermaßen zerstörerisch. Er führt stets zur Isolation von den Autoritäten, denen wir eigentlich Rechenschaft schulden. Diotrephes widersetzte sich der apostolischen Leiterschaft des Johannes, weil er andere als Hindernisse empfand, die seiner eigenen Macht und Kontrolle im Wege standen. Er gab sich nicht damit zufrieden („damit nicht genug“, 3Joh 10b), einfach nur zu verleumden, sondern er versuchte auch, den Dienst anderer Gemeinden am Evangelium zu behindern. In seiner Verbitterung weigerte er sich, einer umherreisenden Gruppe von Missionaren zu dienen („er selbst nimmt die Brüder nicht auf“, 3Joh 10b).

Wenn wir es lieben, die Kontrolle zu haben, werden wir aus Angst um unser eigenes Imperium, anderen gegenüber misstrauisch werden. Der Apostel Petrus warnt Älteste eindringlich davor, ihren Hirtendienst nicht in beherrschender Weise auszuüben: „nicht als die, die über ihren Bereich herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet!“ (1Pet 5,3).


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Die Schafe sind eine delegierte Verantwortung von unserem Oberhirten, dem wir Rechenschaft ablegen müssen. Wenn einen Leiter der bloße Gedanke der Rechenschaft gegenüber Christus nicht vor Ehrfurcht erzittern lässt, bleiben ihm nur seine belanglosen Einschüchterungsversuche und Unterdrückungstaktiken. Jeder, der sich Diotrephes in den Weg stellte, wurde zur Zielscheibe seiner Bitterkeit. Er manipulierte seine eigene Gemeinde, wiegelte sie dazu auf, die Gemeinschaft mit jedem zu brechen, der sich seinen Befehlen widersetzte. Hierbei handelt es sich nicht um Leiterschaft, sondern um Leibeigenschaft! Woher weißt du, ob du in die Falle des Machthungers getappt bist?

Fünf Punkte zur Selbstprüfung

Nimm dein Leben unter die Lupe und halte nach den folgenden Belegen Ausschau:

– Siehst du andere als Bedrohung für deinen Erfolg an? Ist es dir unbehaglich wenn du dich in der Gegenwart von begabten Kollegen aufhältst? Einige Leiter verwenden sehr viel Energie darauf, andere vom Erfolg abzuhalten. Sie fürchten auf sündige Weise, dass Gott anderen Leitern einen großen Einfluss gewähren könnte, der von dem ihren ablenkt.

– Wie reagierst du, wenn dir widersprochen wird? Bist du belehrbar? Wenn du machthungrig bist und andere gerne vereinnahmst, wirst du dazu neigen, jegliche Kritik abzuwürgen, ob sie gerechtfertigt ist oder nicht. Unbelehrbare Leiter gründen ihren Einfluss auf Einschüchterung anstatt auf demütigen Dienst.

– Machst du andere für deine falschen Entscheidungen verantwortlich? Herrschsüchtige Leiter können nicht eingestehen, dass sie Unrecht haben. Deshalb schreiben sie sich Erfolge gerne selbst zu, während sie andere für Fehler und Niederlagen verantwortlich machen.

– Enthältst du anderen wichtige Ressourcen und Informationen vor, die sie benötigen? Leiter die an ihrem eigenen Reich bauen anstatt am Reich Gottes wissen, dass Information der wichtigste Schlüssel ist, um andere zu beherrschen. Deshalb beschäftigen sie sich zwanghaft mit der Übertragung und Kommunikation dieser wichtigen Ressourcen. Hamsterst du das, was andere eigentlich dringend brauchen, um gesetzte Ziele zu erreichen? Bist du offen und ehrlich in Bezug auf das, was du weißt und nicht weißt, sodass sich aus der gemeinsamen Anstrengung aller der größte Nutzen ergibt?

– Delegierst du ungerne Verantwortung? Das Streben nach Macht und Kontrolle macht uns in ängstlich weil wir die Kontrolle verlieren könnten, oder es macht uns eifersüchtig, dass jemand anderes mehr geschätzt wird als wir selbst.

Nach dem warnenden Beispiel dieses stolzen und machthungrigen Leiters kommt Johannes zum Fazit. Er schreibt seinem geliebten Freund Gajus:

Mein Lieber, ahme nicht das Böse nach, sondern das Gute! Wer Gutes tut, der ist aus Gott; wer aber Böses tut, der hat Gott nicht gesehen. (3.Joh 11)

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